Law & order? Na, wenn’s drum bitten…

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#617 In der Welt findet sich ein Artikel über Drogenhändler im Görlitzer Park in Berlin, liebevoll (?) „Görli“ genannt. Dort wird beschrieben, wie Polizisten klagen, dass Dealer keinen Respekt vor ihnen haben. Ach.

„Früher haben die Drogenhändler wenigstens noch die Flucht ergriffen“, so der Ermittler. „Heute bleiben sie frech stehen und beschimpfen uns, dass wir sie nur wegen ihrer Hautfarbe verfolgen würden. Sie seien freie Männer und hätten das Recht, sich in dem Park aufzuhalten.“

So sehr ich jeden anklagen würde, der irgendjemanden wegen dessen Entität diskriminieren würde, genau so klage ich jeden an, der sich an einen wegen dessen Entität nicht herantraut.

Es bleibt ja dabei: Ausgerechnet die Niederländer waren es, die schon in den 90ern herausfanden, dass etwa ein Promille aller regelmässigen Cannabis-Abuser am Ende heroinsüchtig wird (oder, wie man heute sagen würde, „schwerstabhängig“).

Deswegen gilt: wenn ich es verboten halte und strafrechtlich verfolge, habe ich weniger Schwerstabhängige, als wenn jeder das Zeug einfach einkaufen gehen kann. Fertig.

Kann sich noch einer an das New York der 80er erinnern? Der Verfasser dieser Zeilen hatte das Privileg, als junger Kerl öfter dort zu sein. An jeder Ecke: Drogen, Drogen, Drogen. In der Nähe von Grünanlagen (Drogen!) hatte man besser 30 US$ in der rechten Hosentasche (und die Reiseschecks in der linken), damit man die bei einem Überfall herausgeben konnte, keine Anzeige erstattete und zum Dank dafür nicht erstochen wurde. In der U-Bahn hielt man sich auf manchen Strecken besser in der Zugmitte auf, wo der Schaffner war (New Yorker U-Bahnzüge sind etwa so lang wie die Abstände zwischen zwei U-Bahnhöfen in Nürnberg, um das zu veranschaulichen). Man kam besser ohne Kamera, weil man dann gleich als Tourist erkannt und beraubt wurde. Das ist recht schade, weil mir so die Bilder vom Museum of Natural History oder vom Museum of Modern Art aus diesen Jahren fehlen.

Damals war Ed Koch Bürgermeister von New York. Ein guter Bürgermeister, einer, der bis heute den Menschen in guter Erinnerung ist. Aber auch einer, der zu wenig gegen die überbordende Kriminalität unternahm – die eben diese beschriebenen Zustände hervorrief. Er ist, leider, für ein in Kriminalität versinkendes New York der 80er verantwortlich. Nach dem eher irrelevanten David Dinkins kam dann: Rudolph Giuliani. Der bekämpfte die Kriminalität – und zwar erfolgreich. wie? Mit Law & Order. Jeder in einer Grünanlage musste, ich sage es mal umgangssprachlich, die sauberen Absichten seines Aufenthalts zeigen. Wenn nicht: raus aus dem Park. Oder Schlimmeres. Da schrien viele auf, dass so die Kriminalität nur von A nach B verschoben werden würde, ohne etwas zu ändern. Nun, Giuliani änderte auch: bot Aussteigerprogramme an und anderes mehr. Aber er duldete genau gar nichts mehr. Und es funktionierte.

Als der Verfasser dieser Zeilen in den 00er Jahren wieder öfter nach New York kam, war die 30 $-Regel unbekannt geworden. Es gab keinen Grund mehr, in der U-Bahn die Nähe des Schaffners zu suchen. Man musste die Touri-Insignien nicht länger verstecken. Und am Central Park sah ich doch tatsächlich eine junge Frau, die ihre Brieftasche offen im Kinderwagen liegen ließ. Sorglos. All das ist New York heute.

Taugt der Weg eins zu eins für uns? Das weiß ich nicht; sie haben doch etwas arg viele Polizisten dort (und wir etwas arg wenig). Aber eines denke ich doch: wer so um Law & Order bettelt wie die Dealer im Görlitzer Park, der soll es bekommen.

Der Artikel bei welt.de zum Nachlesen: hier klicken.
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