Tag der Schande (II)

Bundesarchiv
Bundesarchiv

#613 Was am 9. November 1938 in Deutschland geschah, das weiß man. Warum es geschehen konnte, mag man nicht recht verstehen. Und es schmerzt bis heute.

Dass es hierzulande Antisemitismus gibt, weiß man. Aber in letzter Konsequenz stand doch immer der Staat auf und verhinderte das Schlimmste. Eben das wurde ab 1933 anders, war 1938 völlig anders. Zwar kam die Feuerwehr, als Häuser in Brand gesteckt wurde – aber nicht, um zu löschen. Zwar kam die Polizei, wenn man sie rief – aber nicht um zu schützen, sondern um zu quälen.

Eben dies ist die Bedeutung den 09.11.1938: dass der Staat es machte. Antisemitischen Pöbel hat es oft gegeben, aber nun war es der Staat, und das änderte alles.

Viele versuchten, herauszukommen. Manche schafften es. Ein Jahr später waren die Wege nach draußen verschlossen, und wer nun noch hier war, wurde von Staats wegen getötet.

Dies macht den Unterschied: der Staat war es. Da mag es ja sein, dass der Durchschnittsantisemit blöd ist wie ein Stück Brot: wenn er sich den Staat schnappt, dann wird es gefährlich. Und deswegen müssen wir Sorge tragen, dass der Antisemitismus nicht noch mehr um sich greift. Günter Grass, Jakob Augstein, Jürgen Elsässer sind in ihrem rassistischen Hass gefährlich, aber doch recht machtlos. Was diese Zeitgenossen bewirken können, wenn sie sich des Staats bemächtigen, gehört zu den Themen, derer wir am 9. November gedenken.

Da war zum Beispiel der damalige Vorsitzende der Nürnberg IKG, Rabbi Levin. Er wurde im Dezember 1980 ermordet – vor 35 Jahren. In Erlangen – dort geschah der Mordanschlag – wurde seiner gedacht. Und in Nürnberg? Der Staat, die Öffentlichkeit, stehen hier in Verantwortung.

Advertisements