Sturmgeschütz oder Rohrkrepierer?

Die Freiheitsstatue. (Vom Kongress habe ich leider kein Bild) © 2009 Freud
Die Freiheitsstatue.
(Vom Kongress habe ich leider kein Bild)
© 2009 Freud

#608 Dass spiegel.de ein, ähem, fragwürdiges Medium ist, dürfte bekannt sein. Heute schlagzeilen sie „jüngste Umfragen sagen eine Machtübernahme der Republikaner voraus“. Machtübernahme? Da muss man beinahe an ein anderes Wort denken. Glauben Sie, dass dieses Wort auch dann benutzt werden würde, wenn es um die Demokraten ginge? Natürlich nicht. Aber viele unserer Medien schmeissen eben gerne mit Dreck, wenn es gegen die Konservativen geht.

Wir haben uns alle daran gewöhnt. Die, beispielsweise, Grünen und die Sozialdemokraten.: es ist normal geworden, konservative Politiker zu beschimpfen und zu schmähen. Aber wir selbst haben uns auch daran gewöhnt: im öffentlichen Raum korrigiert nur selten ein Konservativer die indoktrinierende Sprache.

„Den Rückschlag der 70er Jahre haben wir nicht zuletzt […] der Tatsache zu verdanken, dass die anderen sich der Sprache bemächtigt haben, die Sprache als Waffe benutzt haben, dass sie Begriffe herausgestellt, mit anderem Inhalt gefüllt haben und dann auf einmal als Wurfgeschosse gegen uns, nicht ohne Erfolg, verwendet haben. Darum ist für mich der Kampf um die Sprache eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die geistige Selbstbehauptung.“ Wer sagte das? Franz-Josef Strauß war es.

In den USA droht nicht etwas gefährliches wie die „Machtübernahme“ der Republikanischen Partei, sondern es ist ihr Wahlsieg wahrscheinlich. Aber das ist spiuegel.de offensichtlich egal; denen kommt es auf die scheinbar prägnante Formel an. So titelt spiegel.de: „So teuer war die US-Kongresswahl noch nie“.

Wurde der SPIEGEL nicht einst das „Sturmgeschütz der Demokratie“ genannt? – Ja, aber selbst der, der das sagte – SPIEGEL-Chef Rudolf Augstein – sagte noch: „…- mit verengten Sehschlitzen.“

Ja, in der Tat. Wenn dem SPIEGEL eine Wahl zu teuer wird, was ist das? Fangen wir mal ganz langsam an: Hat er das je bei einem anderen Land geschrieben? Nein. Dem SPIEGEL sind US-Wahlen zu teuer. Double standard? Ja. Und überhaupt: sie sind ihmn natürlich nur deswegen zu teuer, weil nicht die eine Partei, sondern die andere vorne liegt. Wenn die demokratische Partei die Mehrheit erreichen könnte, fände der SPIEGEL die Wahlen nicht zu teuer. Wetten?

Es ist eh witzig, wenn ein Nachkriegs-Medium dem Volk, das seit 1787 demokratisch verfasst ist, vorschreiben will, was Wahlen wert sein dürfen. Da haben hierzulande noch Duodez-Fürsten regiert, da gab es noch nicht einmal ein Deutschland – ein demokratisches schon gar nicht. Ich glaube, da sollte man etwas demokratischer auftreten.

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