Was machen eigentlich…

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#606 …unsere „Piraten“? Da ist ja in drei Wochen Mitgliederversammlung. Gibt’s die noch? Nun ja. Irgendwie schon. Ist heute nicht Halloween?

Die verbliebenen „Piraten“ trafen sich neulich zur Mitgliederversammlung. Es kamen acht – ja, genau acht – „akkreditierte“ „Piraten“. (Ich weiß, das nervt mit den Anführungszeichen, aber ich will doch diese famosen Gestalter der Demokratie nicht mit jenen Zeitgenossen gleichsetzen, die von der Bundesmarine am Horn von Afrika gejagt werden). Warum man bei dieser „Partei“ akkreditiert sein muss, weiß ich nicht, aber es wird schon seinen Sinn haben. Zumindest aus deren Sicht…

Also, es trafen jedenfalls acht Menschen zusammen, um die Mitgliederversammlung des Kreisverbands Nürnberg abzuhalten. Wenn ich darüber mich ein wenig ätzend äußere, so nicht in Richtung auf die acht, sondern in Richtung auf jene vielen, die diese „Partei“ ganz toll, töfte, knorke finden, von ihr als einziger echter Opposition schwärmen, in ihr die demokratischste aller demokratischen Parteien erblicken – und sie gleichzeitig für so überflüssig halten, dass sie nicht einmal hingehen.

Was ist das für eine demokratische Kraft, die aus ganz Nürnberg gerade mal acht Menschen zur Mitgliederversammlung zusammen bekommt? Da schaffen vermutlich die „Freunde der Fledermäuse im Quelle-Turm“ mehr. Ist diese „Partei“ nicht angetreten, alles besser, neuer, demokratischer zu machen, und dann bleiben nur klägliche acht übrig?

Es wäre vielleicht nicht fair, wenn ich den Stammtisch meines CSU-Ortsverbands dagegen stelle. Schließlich ist die CSU eine breit aufgestellte Partei. Sie hat alleine in Nürnberg – offen gestanden, genau weiß ich es nicht, aber um die 28 Ortsvereine. Beim letzten Stammtisch nur meines Ortsverbandes, also eines Achtundzwanzigstels von Nürnberg – also etwas weniger wichtig als eine Mitgliederversammlung… – waren es um die 30 Menschen, Die „Piraten“ stellen demgegenüber einen Kreisverband, der acht – acht! – Menschen zur Mitgliederversammlung aufbietet. Acht!

Das Ungleichgewicht ist ihnen nicht vorzuwerfen; aber all die Menschen, die gar so begeistert über diese „neuen Kraft“ waren, dürfen sich schon fragen lassen, warum denn da eigentlich keiner (naja, kaum einer) mitmacht.

Jedenfalls treffen sich die „Akkreditierten“, wählen wegen Rücktritts einen neuen Schatzmeister (der gleich ankündigt, das nur bis November zu machen), besprechen so das Nötigste und vertagen sich nach 59 Minuten. Nach 59 Minuten! Das muss man erst mal schaffen.

Liest man das Protokoll, dann schlagen einem alleine fünf Themen aus dem Stadtrat entgegen. Darüber also ist laut Protokoll berichtet worden. Der „Piraten“-Stadtrat stimmt mit der SED/“Die Linke“ gegen etwas, der „Piraten“-Stadtrat stimmt mit den Grünen gegen irgend etwas, er hat alleine gegen irgend etwas gestimmt. Unter anderem wurde in dieser famosen Sitzung neben der Wahl eines Interim-Schatzmeisters über den Flughafen, über den Frankenschnellweg, über „Pfandringe“ (das erläutere ich ein andermal), über Stadtrat-iPads auch über den städtischen Haushalt geredet. Ein Mörderthema! Und das wurde neben allem anderen in 59 Minuten abgehandelt. Aus dem Protokoll ist noch zu entnehmen, dass man lange diskutierte, ob man die Hauptversammlung am 22. oder am 23.11. machen wolle. Man entschied sich für den 22., weil man ansonsten einen Terminkonflikt mit den „JuPis“ („Junge Piraten“) bekommen würde. Da kommen bestimmt auch zwei oder drei, und die würden dann auf der Hauptversammlung fehlen…

Man sieht direkt vor dem inneren Auge, wie dieser Punkt die Anwesenden beschäftigte, Zeit in Anspruch nahm. Und trotzdem war man nach 59 Minuten fertig. Inklusive dem städtischen Haushalt! Das müssen schon famose Mitstreiter ums Gemeinwohl sein. In 59 Minuten behandeln sie den Flughafen, den Frankenschnellweg, den städtischen Haushalt – um nur die wichtigsten Themen zu nennen. Respekt! Das schaffen wir von der CSU, offen gestanden, nicht. Unsere Stadträte fahren übers Wochenende in Klausur. Die schaffen das nicht in 59 Minuten. Sind sie nicht so gut? Oder nehmen sie ihre Verantwortung ernster? Letzteres, möchte ich meinen.

Wir brauchen dafür mehr Zeit. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass wir das ernst nehmen und nicht als Belästigung verstehen? 59 Minuten! Wahrlich, ganz famos. Das ist die Neuerfindung der Demokratie, ganz gewiss…

Ich habe ja nichts dagegen, wenn jemand eine andere Meinung als die der CSU vertritt. Aber ein wenig mehr Mühe darf er sich dabei schon geben, oder?

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