Doof, dööfer, AfD?

Gold. Public domain.
Gold.
Public domain.

#603 Parteien sind ein komisch Ding. Gibt es sie nicht, weil die herrschende Gruppe (etwa die SED) sie verbietet, dann will sie jeder haben und riskiert für dieses Begehr auch Ärger mit der diktatorischen Staatsmacht.

Wenn es sie aber gibt, dann laufen viele herum und schätzen sie gering, schimpfen über sie. Da ist von bloßem Machterhalt die Rede, da wird der viel zu großen „Partei“ der Nichtwähler unterstellt, sie wolle eben dieses und jenes (je nach Gusto), da werden Parteien als Unterdrückungsmittel des ach so bösen Staates dargestellt und schlechtgemacht, verspottet, erniedrigt. Das geht so lange gut, bis sich all diese Spötter auf einmal in einer Welt wiederfinden, in der es nur noch die eine, einzige, angeblich seligmachende Partei gibt. Dann werden sie auf einmal den Parteien hinterher jammern und ihr Schicksal beklagen (und schnell vergessen, dass sie selbst es ihnen bereiteten).

Nun ist bekannt, dass der Verfasser dieser Zeilen bei der CSU ist. Diese Partei gibt meine Meinung am besten wieder. Aber jenseits dieses persönlichen Geschmacks gibt es Parteien, die ich grundsätzlich als ebenfalls anständig ansehe – SPD, FDP zum Beispiel – und solche, die – unabhängig von der bevorzugten politischen Linie des einzelnen – das grundsätzlich nicht sind. Die SED/“Linkspartei“, zum Beispiel. Oder eben auch die AfD. Sie beweist das nicht zuletzt durch Gold.

So töricht und gefährlich das Parteien-Bashing auch sein mag – die (anständigen) Parteien antworten darauf mit um so mehr Anstrengungen, ordentliche politische Arbeit zu machen, so gut sie es eben verstehen. Man diskutiert auf Ortsverbandssitzungen mal ein großes, mal ein kleines Thema, man pflegt das Zusammengehörigkeitsgefühl, aber man ist auch durchaus bestrebt, bei der Basis für ein politisch als richtig erkanntes Ziel zu werben. Demokratie funktioniert in beide Richtungen, und wer da meint (á la einst manche „Piraten“), dass „die da oben“ nur dafür da seien, um das oft unvergorene und in sich widersprüchliche Wollen des Basis in Politik zu übersetzen, der täuscht sich; das ist eher Demokratur als Demokratie.

In der Demokratie sagen „die da unten“ „denen da oben“, was zu machen ist, und „die da oben“ müssen bei „denen da unten“ für ihren Kurs werben und den dann umsetzen. Demokratie lebt von beiderseitigem Verantwortungsbewusstsein. Viele demokratische Parteien leben das vor.

Aber die AfD begeht gerade einen – tödlichen? – Fehler: Sie tritt als Dealer auf. Mal ganz abgesehen davon, dass gerade die AfD die Stimmen gerade von jenen haben möchte, die kein Gold kaufen können, ist es dumm, die eigene politische Botschaft – so man denn eine hat – mit dem Verticken von Gold zu verknüpfen. Die Gold-An- und Verkaufsläden haben  im Allgemeinen nicht das schönste Image. Und die AfD jetzt auch.

Entscheidend aber ist, dass eine anständige Partei niemals selbst billigen Profit mit ihren Anhängern machen will. Die AfD verschenkt das Gold nicht oder gibt es zum Selbstkostenpreis ab. Das ist wirklich das Verhalten eines fliegenden Händlers in Rheumadecken.

Im ersten Moment mögen viele diese Aktion der AfD toll finden. Aber das ist sie nicht, denn sie untergräbt den Anspruch auf Ernsthaftigkeit, den jede Partei haben muss. Politisch zu handeln ist zu folgenreich für viele Menschen, als dass man es den Selbstdarstellern überlassen darf. Die AfD macht sich zum Clown der deutschen Politik.

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