Die andern spielen den König

Dr. Markus Söder, bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat @ 2014 André Freud
Dr. Markus Söder, bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
@ 2014 André Freud

#602 Der Jungkunz, Alexander mit Vornamen, hat gestern in den NN einen Kommentar über die Ränke des alten Horst Seehofer geschrieben. Streckenweise war der sogar für einen CSUler wie den Verfasser dieser bescheidenen Zeilen lesenswert; das ist bei den NN nicht immer der Fall, deswegen sei es betont.

An zwei Stellen allerdings vertrete ich doch andere Meinungen.

Zum einen ist klar, dass der Ministerpräsident irgendwann zwischen Bad Kreuth 2015 und der nächsten Wahl 2018 nicht mehr so heißen wird wie bisher. Man kann nicht gut den eigenen Abgang ankündigen und dann doch mit der Idee spielen, auf der Bühne zu bleiben. Beides sind Ämter, das des Ministerpräsidenten wie des Parteivorsitzenden, die demokratisch und auf Zeit verliehen sind. Niemand entscheidet selbst, wie lange er auf der bleibt. Nur ob er geht, dass mag er selbst entscheiden. Aber übers Bleiben entscheidet, guter alter Väter Sitte, die Partei.

Und warum sollte sie das tun? Der Ausgang dieser Oper steht doch mindestens zur Hälfte schon fest: der Mann der Zukunft trägt einen anderen Namen. Da gibt es gar kein Vertun mehr. Wir wollen doch mal sehen, dass aus dieser Oper kein Bauernschwank wird.

Mache beklagen, dass der Ministerpräsident den Finanzminister schlecht behandle. Falls dies stimmt, so kann es nur deshalb dazu kommen, weil die Wirtschaftsministerin vor allem dadurch auffällt, dass sie nicht auffällt. Indem also der Ministerpräsident den einen schofel behandelt, so tut er dies nur, weil der andere beziehungsweise die andere nicht so reüssiert.

Indem er ihn also einbremsen will, zeigt er doch nur, dass er mit der Geschwindigkeit der anderen nicht zufrieden ist. Sein Spiel der zwei Thronfolger – die anderen, teils Genannten sind wohl eher Zierrat – setzt voraus, dass alle etwa die gleiche Performance liefern. Das tun sie aber nicht.

Selbst die NN hält fest, dass auch diejenigen, die den Markus Söder nicht besonders mögen, anerkennen, dass er etwas tut und was er tut. Und das ist immer der Ursprung des Erfolgs: Qualität in der Sache. Was hilft denn das freundlichste Grinsen, wenn es nur das Schweigen und die Leere umrahmt? Eben. Nichts.

Und zweitens: Die andern spielen den König. Was heißt das? Das stammt von der Bühne. Nicht der, der König ist, spielt den König, sondern die anderen drum herum. Indem sie sich vor ihm verbeugen, sich ihm zuwenden, spielen sie ihn. Der König ist nur so lange wirklich König, so lange ihn die anderen anerkennen. Einer aber, der König bleiben will und die anderen spielen ihn nicht mehr, macht keineswegs eine gute Figur.

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