Der alte König

Die bayerische Krone. © 2013 Jebulon CC0 1.0 Public Domain via Wikipedia
Die bayerische Krone.
© 2013 Jebulon CC0 1.0 Public Domain via Wikipedia

#601 Es war einmal ein Land, das hatte einen König. Der König war alt geworden, und deswegen suchte er einen Kronprinzen. Weil der König aber Angst hat, dass ihn ein Kronprinz vom Thron stossen könnte, schuf er mehrere Kronprinzen: dann schläft der alte König besser. Divide et impera, teile und herrsche.

Eben weil der alte König beschlossen hatte, bald zum Eisenbahnspielen in den Keller zu gehen und nicht mehr herrschen zu wollen, war auch sein Herrschen anders geworden. Er wollte gar keinen Ärger mehr haben, er wollte nicht mehr so recht für eine Lösung streiten – nein, er wollte seine Ruhe haben, nichts sollte seine Kreise stören.

Für dieses Sehnen eines Menschen muss man tiefes Verständnis haben. Aber ist es das Richtige für das Land? Hier sind Entscheidungen zu treffen – auch schmerzliche, auch solche, für die man die Zustimmung der Bevölkerung erst erringen muss. Da ist es nicht gut, wenn der König des Landes vor lauter Sehnsucht, die letzten Tage auf dem Thron friedlich verbringen zu können, nicht mehr recht streiten mag. Das Entscheidende ist doch nicht, ob der König so oder so heißt. Das Entscheidende ist, dass der König dem Land nutze. Der alte König hat seins geleistet, hat das Seinige getan, doch nun ist’s gut, ist’s spät geworden, und wir wollen an ihm loben, dass er ging, als es an der Zeit war.

Drum gilt bei Königen, was einst ein Kardinal zum Papst sagte: Steige herab, steige herab!

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