Sie wollen von ihren Fehlern ablenken

EnCN © 2014 Freud
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#595 Wer heute die NN liest und keinen Kontakt zur Wirklichkeit herstellt, ist ganz schön erstaunt. Wer die NN liest und weiß, was Sache ist, der ist auch erstaunt – über die NN.

Wer Nürnberg in Richtung Fürth verlässt (warum auch immer man das tun sollte) und dabei der Strecke des ersten Zuges auf deutschem Boden, dem „Adler“, folgt, landet unweigerlich in einem Viertel, das links von der Quelle und rechts von der AEG umstanden wird. Beide gingen vor Jahren pleite, umgangssprachlich gesprochen, und stellen seitdem eine Herausforderung für die Stadtplanung dar.

Da sich auf AEG schon etwas tat und auf Quelle nichts, rückte sie in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die CSU entwickelte ein Konzept, das sich mit „Wohnen – Studieren – Leben“ umschreiben lässt. Es sollten hochwertige Wohnungen hin, günstige Wohnung, ein Park und die Uni. So schön der Plan war: die SPD lehnte ihn ab, weil dazu alte Gebäude weggerissen werden müssten. Das gefiel der SPD nicht (anfangs schon, aber es war Wahlkampf – man musste sozusagen anderer Meinung sein) und sie, die im Nürnberger Stadtrat verhindern kann, verhinderte.

Nun also haben wir den Salat. Die Quelle steht weitestgehend ungenutzt in der Landschaft herum, von ein paar keine marktgerechte Miete bezahlenden Künstlern mal abgesehen, deren Mieten nicht einmal ausreichen, um die vorgeschriebene Feuerwehr zu bezahlen. Das Dumme an der Sache ist, dass die Quelle in bestehender Form nicht nutzbar ist und der Stadt Nürnberg irgendwann auf die Füsse fallen wird. So, wie einst der Milchhof.

Jetzt wenden einige – die liebe SPD-MdL Schmitt-Bussinger gehört wohl dazu – ein, dass der Freistaat doch ganz toll etwas auf Quelle machen könnte (statt auf AEG). Lassen wir mal den Widerspruch, dass man dasselbe entweder auf AEG oder auf Quelle machen kann, aber nicht auf beidem, ausser Acht. Die CSU war ja kompromissbereit. Deswegen schickte sie Bausachverständige auf Quelle, um über ein paar Fragen Sicherheit zu haben. Und, siehe da: die Gebäude vibrieren immer dann, wenn eine U-Bahn vorbei fährt. Also etwa alle 90 Sekunden. Da kann man keine Uni hin bauen, die mit feinen Messinstrumenten etwas ganz Zartes messen soll, wenn ein rumpelnder „Pegnitz-Pfeil“ das Haus zum Zittern bringt. Es erschütterungssicher zu machen kostet unerträglich viel, also kam die Meinungsbildung zum Ergebnis: Wenn Uni, dann erschütterungsfrei – bedeutet: Abriss und Neubau. Das hätte der Freistaat gemacht. Aber die Stadt in Form der SPD war dagegen, und so zog der Freistaat sich mit seinen Uni-Plänen von Quelle zurück und fand mit AEG ein Areal, das dafür geeignet ist. Ende der Geschichte.

Erst war die SPD ganz stolz. Sie gab an, und die NN druckte es natürlich bereitwillig nach, dass auf Quelle „neues Leben“ herrsche. Dass dieses „Leben“ in der Wirklichkeit nur möglich war, weil Bedingungen wie in der Petri-Schale geschaffen waren, teilte sie nicht so laut mit. Zwischendurch war mal zu hören, dass die stets „Künstler“ genannten Menschen – als ob das eine höhere Form von Leben wäre – die Quelle kaufen wollten, aber aus dieser Lächerlichkeit wurde nichts. Ich wollte als Vierjähriger – die Amis waren gerade auf dem Mond gelandet und ich hüpfte den ganzen Tag in meinem Astronautenanzug herum – auch Astronaut werden, was nichts wurde. Jetzt kapiert die SPD allmählich, was sie da wieder einmal für einen Mist gemacht hat.

Es ist ein schmerzlicher Prozess, den die SPD da durch macht. Natürlich gibt sie nicht gerne zu, Mist gebaut zu haben. Also schießt sie auf die CSU mit der Behauptung, es ginge auf AEG nicht schnell genug. Das ist schon ein lustiges Manöver, und an sich sollte man sich hinstellen und die SPD lauthals auslachen. Aber nein, die NN lacht nicht.

Da wird dieser Unsinn noch unterstützt. Ist ja von der SPD, also unterstützt die NN das. Der lustige Kommentator, der sich neulich erst einer unerträglichen ad-personam-Schmähung bedient hat, unterstützt nun offen die SPD in ihrer Quelle-Show. Nur: jeder weiß, dass das, was da auf AEG entsteht, nicht über Nacht und mit einem Fingerschnippen entstehen kann. Da sind schon die Mühen der Ebenen auf sich zu nehmen, bevor man den Gipfel sieht. Der Präsident der Friedrich-Alexander-Universtität jedenfalls unterstützt das Vorhaben auf AEG. Und gleich drei (!) Staatsminister waren vor Ort, um die Uni auf AEG vorzustellen. Der Energiecampus (EnCN) ist schon dort – und als Zusammenschluss von Friedrich-Alexander-Universität, Georg-Simon-Ohm-Technische Hochschule, Fraunhofer-Institut und Helmholtz-Institut schwer in Betrieb. Aber das will die SPD nicht hören, sie macht lieber einen auf Klamauk.

Das Thema ist zu wichtig, als dass es als billige Massenbespassung herhalten könnte. Die SPD hat’s vermurkst; davon soll sie nicht ablenken. Wer sich um Verantwortung bemüht, soll ihr auch gerecht werden.

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