Die Rückseite der Stadt

Unser Hauptbahnhof © 2014 Freud
Unser Hauptbahnhof
© 2014 Freud

#592 Wer in Nürnberg mit dem Zug ankommt, tritt aus dem Bahnhof und fragt sich, ob er den falschen Ausgang genommen hat: nämlich den zur Kehrseite der Stadt. Wer mit dem Auto in Nürnberg ankommt, wird am Bahnhof vorbei zum Plärrer gelotst, als ob der (immer noch) das Zentrum Nürnbergs wäre.

Man steht ab AOK im Stau, weil sich am Hauptbahnhof mal wieder jemand tapfer, aber unbedacht in die Schlange zum Kurzzeitparkplatz einreiht.

Nun haben die CSU-Stadträte Sebastian Brehm und Marcus König einige Vorschläge zur Diskussion gestellt, die diesen beklagenswertem Zustand abhelfen sollen. Leider hat sich auch Herr Jülich (der Stadtplanungschef, der mit den Pfosten) dazu geäußert, doch dazu später mehr.

Brehm und König schlagen vor, dass der Taxistand vorm Bahnhof und der Kurzzeitparkplatz miteinander den Platz tauschen. Damit würde mehr Parkplätze für die Abholer zur Verfügung stehen, und wer dorthin will und diesmal kein Glück hat, der fährt eben ins Parkhaus und wird dort sein Auto los. Wenn man zusieht, dass derjenige nicht Schleifen fahrend die Lage verschärft (also die Einfahrt zum Kurzzeitparkplatz vorne belässt und die Ausfahrt hinten), ist das eine gute Idee, die wenig kostet und viel bringt. Es ist ja auch nicht einzusehen, dass der Taxiplatz groß genug ist, um jedes zweite Nürnberger Taxi aufzunehmen. Dann hier noch eine Fussgängerampel, dort noch ein Baum, und vorm Grand-Hotel breitere Bürgersteige. Ein Rundum-Paket, das sich sehen lassen kann: Es hilft viel und kostet wenig und ginge schnell. Sogar die NN stimmt dem Vorhaben zu. Na, wunderbar. Ans Werk! Oder?

Oder. Da ist nämlich der Jülich, Verkehrsplanungschef nennt man ihn. Er ist vor allem durch das Setzen von Pfosten bekannt geworden und dadurch, dass er Autos nicht mag. Dass die vorm Bahnhof im Stau stehen, ist ihm wohl nur recht und billig. Der Jülich hat ein Herz für alles, was er selbst fahren darf: Fahrräder und Hochräder und Dreiräder, beispielsweise. Wenn’s nach ihm ginge, dann würde man freilich den Bürgersteig vorm Grand-Hotel zu Lasten der Straße verbreitern – aber sonst eben nichts.

Und damit macht es sich der Herr Jülich ein wenig zu einfach; aber man werfe ihm das bitte nicht vor. Was will man denn von einem erwarten, der die Welt aus der Sicht des Mini-Vereins ADFC sieht? Der hat gerade mal 140.000 Mitglieder und sich den Namen nur geklaut. Aber die Sichtweise des ADAC  mit 19.000.000 Mitglieder – die nimmt der Jülich nur zur Kenntnis, um zu wissen, wogegen er ist. So ist das halt.

Die Idee von Brehm und König nützt allen Verkehrsteilnehmern. Auch der Fussgänger übrigens bewegt sich lieber in einer Umgebung ohne Stau. Das Auflösen oder seltener Machen des Staus vorm Bahnhof kommt allen zugute. Bäume natürlich erst recht (außer, wenn man Pfosten noch lieber mag als Bäume). Ein Fussgängerüberweg tut dort, wo Autos eh halten müssen, gar niemandem weh, aber hilft so manchem. Man könnte auch einen Fussweg vom Bahnhof zum Königstor über die Straßenbahninsel anlegen, auf dass er gut gesehen werde. Kostet nicht viel und geht auch. Alles zusammen ist eine gute Sache, die hilft. Wer sich aber nur ein Detail rauspickt, ohne an die anderen Umstände ebenfalls zu denken, der ist auf dem Holzweg.

Advertisements