Das Schaf, die Wüste und der Tod

So sieht's aus. © DeserTec CC-BY-SA 2.5 http://www.desertec.org/fileadmin/downloads/press/DESERTEC-Map.zip
So sieht’s aus.
© DeserTec CC-BY-SA 2.5 http://www.desertec.org/fileadmin/downloads/press/DESERTEC-Map.zip

#589 Vor einem halben Jahr war es, der Frühling erhob sein holdes Antlitz, als hier in diesem Blog zu lesen war, dass das gemeinhin DeserTec und juristisch korrekt Dii genannte Vorhaben, die Sahara zum Stromlieferanten Europas zu machen, erledigt war. Wer mag, kann es hier nachlesen (und auch den Grund finden, warum im Titel von einem Schaf die Rede ist).

Nun also ist die Prognose vom April, dass DeserTec erledigt sei, wahr geworden. Das Konsortium Dii wurde aufgelöst, von einst vielen Partnern mit großen Namen bleibt nur noch RWE und ein saudi-arabisches Energieunternehmen übrig; das war’s also.

Im Sog der Energiewende haben Ideen angeklopft, die bei Lichte besehen keine guten Ideen sind. Wenn bei der Energiewende die Versorgungssicherheit eine Rolle spielt, dann ist damit nicht nur gemeint, dass es hinreichend gute Netze gibt, die den Strom – in hinreichender Menge produziert – zum Verbraucher bringen. Damit ist auch gemeint, dass wir nicht aus außen- und sicherheitspolitischen Gründen um den Strom bangen müssen. Es ist damit gemeint, dass keine Herren beispielsweise namens Gadaffi oder Putin Erpressungen an uns schicken können. Europa hat zwar nach wie vor in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik keine Telefonnummer (wie Henry Kissinger einst feststellte), aber wenn’s darum geht, dass man Europa erpressen kann, durchaus.

Es ist also für uns ein Argument, dass wir ein wenig autarker sind. Völlige Autarkie werden wir niemals erreichen und sollten wir deswegen gar nicht anstreben; es entspricht auch gutnachbarlichen Beziehungen, wenn wir Energieträger einkaufen und dafür einen angemessen Preis in Geld bezahlen. Aber gleichzeitig sind wir nicht bereit, einen unanständigen politischen Preis zu bezahlen. Wir schweigen nicht zu rechtsstaatswidrigen Verhältnissen, nicht zu demokratiefeindlichen Akten, nicht zur Unterdrückung einer Opposition und nicht zur Unterdrückung der Frau. Wir können diese Aspekte nicht einfach so in der Welt umsetzen und sollen es auch nicht versuchen. Aber wenn wir sie bei uns zur Geltung bringen wollen, dann wird uns das erleichtert, wenn wir von einem Energielieferanten nicht unter Druck gesetzt werden können. Und dazu steht die Idee von DeserTec in schrillem Widerspruch. Übrigen steht es auch zur Idee der Dezentralität in Widerspruch, aber das ist etwas anderes. Bis zur Realisierung der Kernfusion, die alle Energiefragen lösen wird, müssen wir uns mit klugen Gedanken zum Thema Energie befassen. DeserTec gehört nicht dazu. Auch das Erkennen von Irrtümern hilft bei der Erreichung eines Ziels.

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