Brüder, zur Sonne, zum Parkplatz

Zeichen_315-55

#587 Der Franke ist ein unverbesserlicher Optimist. Frohgemut nähert er sich auf dem Frankenschnellweg der Noris, er hofft auf freie Passage, biegt um die Kurve – und wieder war’s nix, wieder steht er im Stau. Einem Naturgesetz gleich, ist der Frankenschnellweg der Frankenstauweg. Noch. Denn die Staatsregierung in Person ihres Ministers Söder, Markus, hat endlich – nach rund 40 Jahren hat’s selbst in der SPD-verkrusteten Stadt Nürnberg lange gedauert – Schwung in die Sache, also den Frankenschnellweg gebracht. 90 % Zuschuss bezahlt der Freistaat Bayern; die Stadt Nürnberg muss nur 10 % der Baukosten bezahlen. Wenn man die Bedeutung des Wortes „Zuschuss“ nicht völlig ignoriert, dann müsste man eigentlich sagen, dass Nürnberg den Zuschuss bezahlt und Bayern den Bau. Das käme der Realität näher. Jedenfalls: Bayern bezahlt, und endlich wird der Frankenschnellweg auch wirklich schnell. Gut so.

Kaum in der Innenstadt oder City, wie der neumodische Mensch sagen soll, angekommen, sucht man einen Parkplatz für sein Vehikel. Aber nein, aber halt, denn die Parkplätze sind reserviert. Von den SPD-Stadträten oder von heißer Luft (sofern das nicht das gleiche ist).

Die SPD hat doch tatsächlich die Frechheit, öffentliche Parkplätze für sich zu reservieren, weil ihre Stadträte in Klausur fahren. Der Bus holt sie am Parkplatz ab, und damit ihre Autos da schön kostenlos parken können, wird der Parkplatz für die Öffentlichkeit gesperrt. Glauben Sie nicht? Glauben Sie’s ruhig. Dieses Verhalten, dass eher an einen Duodez-Fürsten denn an die alte Arbeiterpartei SPD erinnert, ist heute Gegenstand der Berichterstattung in der BILD. Warum in den NN nichts steht, ist hier nicht bekannt… Was kommt als nächstes? Wie wäre es mit dem Recht der Imprimatur?

Da unser lieber Besucher (Sie erinnern sich?) mit dem Auto nach Nürnberg fuhr und solche verstörenden Erfahrungen wie diejenige auf dem Parkplatz machte, will er mit dem ÖPNV nach Erlangen oder noch weiter fahren. Per heute hat das Ähnlichkeit mit den Reisebeschwernissen, die man in der frühen Neuzeit auszuhalten hatte:

Das dauert gerade jetzt, während dies geschrieben wird, von 0953 bis 1044. Es kann aber auch länger dauern. Eine Stunde. New York liegt nur sieben Stunden entfernt. Und man muss nach Erlangen dreimal umsteigen, also vier Verkehrsmittel benutzen: Bus, „Tram“ (wie wir sagen sollen, aber der Nürnberger nicht sagt), S-Bahn und wieder Bus. Das darf so nicht länger sein. Wir sind die zweitgrößte Stadt Bayerns, nebenan (um mal nicht von Fürth zu sprechen) liegt Erlangen. Und das ist quasi unerreichbar.

Also brauchen wir die StUB, die Stadt-Umland-Bahn. Von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach. Das wäre gut – für die Studenten, aber auch für die Arbeitnehmer bei mehreren Unternehmen bei und in Herzogenaurach. Nun also soll die StUB kommen; aber wer bezahlt sie? Wiederum werden, wie die beiden Minister Herrmann und Söder gestern verkündeten, 90 % der zuschussfähigen Kosten übernommen: 60 % vom Bund, 30 % vom Land. Und jeder weiß: der Bund würde das viele Geld nicht hergeben, wenn da nicht jemand – um Beispiel ein gewisser bayerischer Minister aus Nürnberg – ordentlich an die Tür klopfen würde. Natürlich: Es bleibt für die Städte noch einiges selbst zu bezahlen und zu stemmen, aber das sollte zu schaffen sein.

Wir werden allerdings die SPD etwas enttäuschen müssen: es wird beim Frankenschnellweg und bei der StUB keine Vorzugsbehandlung für SPD-Stadträte geben. Tut mir leid, das ist nicht drin.

Advertisements