Der Höffkes und der Frauenparkplatz

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#586 Der Frauenparkplatz ist, streng gesehen, eine Unverschämtheit. Er ist nicht nur diskriminierend – oft bringt er die Beleidigung zum Ausdruck, dass Frauen nicht einparken könnten, und ist deswegen breiter als andere Parkplätze.

Auch sein angeblicher Grund – Schutz vor Straftätern – stimmt offensichtlich nicht. Zum einen, weil es den oft gefürchteten Unhold in der dunklen Ecke fast gar nicht gibt. Die meisten Straftaten, vor denen der Frauenparkplatz angeblich schützt, werden im häuslichen Umfeld von Bekannten und nicht von Unbekannten begangen. Der Frauenparkplatz aber macht es dem Unhold in gewisser Weise leichter: die potentiellen Opfer werden zusammengetrieben, damit ihm die Auswahl und der Zugriff leichter fallen.

Es geht, das erkennt man leicht, um „gefühlte Sicherheit'“. Nun ist das so eine Sache. „Gefühlte Sicherheit“ ist doch ein Widerspruch in sich, wenn nicht auch für die wirkliche Sicherheit etwas getan wird. Eis über der Pegnitz mag tragend oder nicht tragend sein – es wird aber nicht dadurch sicherer, dass einer am Ufer steht und brüllt „Paßt schon! Trägt doch. Geh nur weiter!“ Das ist nichts wert und heuchelt Sicherheit nur vor.

Wenn man etwas für die wirkliche Sicherheit macht, dann kann auch die gefühlte sichtbar steigen. Videokameras zum Beispiel. Wenn die in der U-Bahn sind und das auch jeder weiß, dann wird die echte Sicherheit größer – Straftäter wissen, dass sie beinahe sicher erwischt werden, und das verbessert auch die gefühlte Sicherheit. Kamera-Attrappen hingegen würden die echte Sicherheit nicht verbessern – weil es sich schnell rumspräche, dass es Attrappen sind. Und deswegen würden auch die gefühlte Sicherheit nur für diejenigen ansteigen, die, nun ja, mehr fühlen als denken. Es würde nicht funktionieren.

Nun aber erfüllt der Frauenparkplatz noch eine andere Funktion: Er ist ein Privileg. Natürlich liegt er in der Nähe der Einfahrt, man muss also nicht lange herumkurven. Natürlich ist er breiter als ein normaler Parkplatz, also leichter zu benutzen. Und es ist häufig einer frei. Das sind ganz hübsche Privilegien, und auf die möchte man nicht so gerne verzichten.

Was aber macht man jetzt, wo wir auf einmal nicht nur zwei, sondern sechzig Geschlechter entdeckt haben? Es sind nur die wenigsten und die größten Parkhäuser, die für alle sechzig Geschlechter Parkplätze einrichten können. Das wäre ja beinahe so, als richte man besondere Parkplätze für Mitglieder einer bestimmten Partei ein. Aber auf so eine Idee käme bestimmt niemand.

Leider kam die NN in Person des Andreas Franke auf eine Idee. In der Wochenendausgabe nannte sie den Max Höffkes einen „Rechtsaußen“ und einen „Legalisten“. Das Wort „Legalist“ gibt es eigentlich nicht, aber doch weiß man, was es bedeuten soll. Aber der Reihe nach. „Rechtsaußen“?

Der Verfasser dieser Zeilen kennt den Höffkes, Max, schon länger. Gewiss, jeder von uns hat seine Eigenheiten. Höffkes bestimmt auch. Aber ich kann Ihnen, lieber Leser, ein wenig von den Eigenheiten erzählen. Dazu gehört, dass er positiv auf jede Institution auch und gerade von Zuwanderern zugeht, die unsere Zivilgesellschaft bejaht. Und das tut wahrlich nicht jeder. Höffkes übernimmt stets und gerne die Funktion eines Scharniers zwischen einer Gruppe etwa von Zuwanderern und unserer Gesellschaft. Es gibt viele Menschen – auch und gerade aus Zuwanderergruppen -, die Höffkes einiges an Hilfe und Zuwendung zu verdanken haben und dies auch tun. Was Höffkes nicht mag, so der hier entstandene Eindruck, sind Versuche von Parallelgesellschaften. Gruppen, die lieber unter sich bleiben und sich nicht in die Mehrheitsgesellschaft integrieren wollen, finden beim Höffkes eher weniger Unterstützung.

Das vorweg geschickt, bleibt der Höffkes ein Freund der deutlichen Aussprache. Er nennt Dinge beim Namen, auch dann, wenn sie wenig erfreulicher Natur sind. Gepflegt zwar, weswegen es nicht jeder sogleich bemerkt, aber doch mit einer im Politikbetrieb erfrischenden Deutlichkeit. Und eben deswegen trägt Höffkes die eine oder andere nun wirklich nicht die Wirklichkeit widerspiegelnde Sache nicht mit. Deswegen ist er kein „Rechtsaußen“ und auch kein „Legalist“ (letzteres eigentlich ein Lob). Er ist vor allem kein Gutmensch. Ein Gutmensch ist einer, der von anderen verlangt, „gut“ zu sein – ohne selbst allzu viel dazu zu leisten. Ein Gutmensch ist einer, der von seiner Umgebung ständig verlangt, die Ruhezeiten einzuhalten, aber dann, wenn es ihm passt, das Radio so laut aufdreht, dass alle Nachbarn senkrecht in den Betten stehen. Ein Gutmensch ist, im übertragenen Sinne, eine Zeitung, die gegen die sexuelle Vermarktung der Frau regelmäßig zu Felde zieht, um beispielsweise dann, wenn das NorisRing-Rennen stattfindet, selbst an dieser Vermarktung teilzunehmen, dass es in den Augen des Voyeurs nur so eine Freude ist.

Und eben genau so ist der Max Höffkes nicht. Man weiß bei ihm, woran man ist. Vieles, aber nicht alles unterstützt er. Eine Auseinandersetzung kann man mit ihm führen, aber dieses schäbige Abmeiern durch die NN hat er nicht verdient. Höffkes ist durch seine Stringenz, seinen menschlichen Anstand und seine Überzeugung von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die er lebt, eine Stütze des Nürnberger Stadtrats.

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