Wie war’s doch so schön im Bett

Bett. (Prunkbett in Versailles) © GNU Free Documentation License 1.2
Bett.
(Prunkbett in Versailles)
© GNU Free Documentation License 1.2

#584 Da wacht man morgens auf, genießt noch kurz die Wohligkeit der Federn, doch dann geht’s hinaus in den kalten Morgen, um dem Tag etwas abzuringen. Man ist frohgemut, man ist voll Tatendrang – und nach einem Blick in die Zeitung läßt man all dies fahren und könnte diesen Donnerstag schon abhaken als einen Tag, der mehr Frust als Lust bringt.

Was ist passiert? Da gibt es eine Bundesregierung, geführt von Angela Merkel. Und diese Bundesregierung beschließt, dass Kommunen es erlauben können, dass Elektro-Autos Sonderrechte bekommen. Durchfahren an der Mauthalle, zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie viele Menschen nur deswegen mit dem Taxi fahren, um dieses seltene Erlebnis zu genießen. Oder Durchfahren am Polizeipräsidium. Oder ein freier Parkplatz am Rathaus mit kostenloser Elektro-Zapfsäule. Halt, letzteres geht nicht. Diesen Parkplatz reserviert die SPD demnächst, wenn ihre Stadträte in Klausur fahren. Warum der Bus sie am Rathausparkplatz abholen muss, der deswegen nicht für die Öffentlichkeit zu Verfügung steht, und nicht an einem der mit viel Geld auch unter Mitwirkung einer gewissen Angeberpartei („wir stärken den ÖPNV“) gestalteten P&R-Parkplätze, weiß der Kuckuck, ich weiß es nicht. Aber gut, dann ist der Parkplatz eben gesperrt. Vorrechte müssen Vorrechte bleiben, da kennt auch der Sozialdemokrat an sich kein Pardon, und wenn es sich auch um solche handelt, die aus den 1950er Jahren zu stemmen scheinen (die Vorrechte; den SPDlern möchte ich das gewiss nicht unterstellen  – oder doch?).

Also jedenfalls, da ist diese Bundesregierung, die Vorrechte zeitgemäßer Art erlaubt. Und da hat die Stadt einen Amtschef (warum?), der Jülich heißt, im Volksmund auch „Pfosten-Jülich“ genannt, weil er so gerne Pfosten setzen lässt. Hauptsache, es behindert den fließenden Verkehr. Und dieser Jülich tritt also auf in der Zeitung, großer Tusch, und verkündet dem staunenden Nürnberger, dass er (Jülich, nicht der Nürnberger an und für sich) schlauer ist als die Bundesregierung und überhaupt den Durchblick hat und die wären alle doof und es gibt keine Bevorzugung für Elektro-Autos, punktum.

Wie ist es wohl wirklich? Ist es vielleicht so, dass der führerscheinlose Jülich etwas gegen Autos hat, auch wenn sie elektrisch angetrieben sind? Ist es vielleicht so, dass er Autoverkehr lieber verhindert statt auf ein faires Miteinander der verschiedenen Mobilitätswege zu setzen?

Fast möchte man es glauben. Der Verfasser dieser Zeilen war gestern am späten Nachmittag nach Erlangen unterwegs. Die Fürther Straße raus zum Frankenschnellweg. Aber der Stau vom FSW ging die ganze Einfahrt hoch bis in die Fürther Straße hinein. Also wurde der Plan geändert, es wurde nach Fürth (entschuldigt, bitte) hinein gefahren, um dann irgendwann rechts über die Dörfer nach Erlangen zu fahren. Aber ach, in Fürth ist Kirchweih. Rechtsabbiegen scheint in Fürth für alle verboten. Es geht nicht. Überhaupt scheinen die Fürther ihre eigentlich schöne Michaelis-Kirchweih nur deswegen zu machen, um die Durchfahrt nach Erlangen zu verhindern. Es ging also nach längerem Herumkurven in Fürth zurück nach Nürnberg. Übers Fuchsloch (Stau) wurde dann irgendwann wieder der FSW erreicht, wo es dann im Stau bis zur Würzburger Autobahn ging – was konnte man herzhaft nach unten auf die Würzburger Autobahn gucken konnte, standen die doch alle im Stau, diese Trottel -, etwa 100 m ging es zügig voran, fast mit 100 km/h, und dann kam wieder ein Stau in Erlangen. Nürnberg-Erlangen in sage und schreibe 70 Minuten. Da waren’s 1835 mit dem Adler schneller unterwegs (wenn auch nur nach Fürth), als 2014 mit dem Auto. Das muß man auch erst mal schaffen. Und was hat nun der Jülich damit zu tun? Der ist zwar an vielem Schuld, aber doch nicht an der Neuasphaltierung des FSW oder an der Michaelis-Kirchweih in Fürth. Warum also schimpft der Freud auf den Jülich? Weil das lange Stehen im Stau etwas mit sich brachte, nämlich viel Zeit, die Ampelschaltungen zu verfolgen. Man kann mir vielleicht viel erzählen, aber man kann mir nicht weismachen, dass die Ampeln in Nürnberg auf den Aspekt „Beschleunigung des Verkehrs“ hin geschaltet werden. Nein, das Ziel der Ampelschaltung ist die Verlangsamung des Verkehrs, die Staubildung. Und so einer nennt sich dann „Verkehrsplanungschef“. Na, ich danke.

In Nürnberg wird viel an der Elektromobilität geforscht. Auf AEG, zum Beispiel. Aber was kümmert das den Jülich? Für den scheinen Elektro-Autos noch schlimmer als normale Autos zu sein, weil sie die Akzeptanz des Autos auch bei den Umweltbewussten (oder was sich dafür hält) erhöhen, aber das will er, der Auto-Feind, gerade nicht. Und so schreibt also der Pfosten-Jülich dem Stadtrat vor, was der gefälligst zu beschließen hat.

Das ist auch eine interessante Herangehensweise. Sind wir mit der Übernahme menschenfeindlicher Politik im Rathaus inzwischen so weit, dass ein Angestellter der Stadt dem städtischen Parlament, vulgo Stadtrat, Vorschriften macht? Ich dummer Naivling war stets der Meinung, dass der Stadtrat die Vorgaben macht und städtische Angestellte sie ausführen. Und nun lerne ich, dass das andersherum ist. Der städtische Angestellte Jülich erklärt nicht nur dem Nürnberger Stadtrat, nein, er erklärt auch der Bundesregierung, wer hier Herr im Hause ist. Da werden sich aber alle freuen, einen so feinen Oberkommandeur zu haben wie den Jülich.

Soll er sich doch auf sein NorisBike setzen und nach Fürth davon fahren. Übrigens hat hier die JU neulich einen richtigen Vorstoß gemacht. Und man fragt sich schon, warum der neue Baureferent sich da merkwürdig und nicht ganz korrekt zu Wort gemeldet hat. Ist es wahr oder nicht wahr, dass die Stadt Nürnberg wenigstens indirekt Zuschüsse an NorisBike gibt, indem Mitarbeiter gezwungen werden, NorisBike zu benutzen und die Stadt das dann bezahlt – sogar dann, wenn die Räder gar nicht in Anspruch genommen werden? Eben. Also bitte, Herr Referent: Information statt Illusion. Danke.

Advertisements