Quer durch den Garten

Garten. © John O'Neill (Wikimedia)
Garten.
© John O’Neill (Wikimedia)

#581 Als simpler Zeitungsleser ist man dann doch verwundert, wenn man zu Wochenbeginn in den beiden Nürnberger Blätter nachsieht, was so geschehen ist. Zum Beispiel in der Oper. Am Samstag war die Uraufführung von Turandot in der Inszenierung von Calixto Bieito. Die NN war begeistert, ja, mehr als das, hingerissen; die NZ war lauwarm. Da bleibt einem nicht viel, als sich selbst ein Bild zu machen; allerdings empfiehlt es sich, sich vorher über diese von Puccini unvollendet gelassene Oper schlau zu machen, bevor man den Weg in die Staatsoper findet. Jedenfalls, und das ist zweifelsohne gut, wurde dort eine Inszenierung gemacht, die dem Haus Ehre macht. Dafür ist eine Staatsoper schließlich da.

In den NN wird dargelegt, dass hierzulande viele der russischen Propaganda anheimfallen. Ja, war das denn nicht immer so? Es gab eine Räterepublik, russisch also: Sowjetrepublik Bayern, es gab eine moskautreue KPD – deren exilierte Funktionäre dann vom KGB in der Ljubjanka ermordet wurden, weil es Stalin passte. Es gab einen zweiten deutschen Staat, einen Unrechtsstaat, dessen 25. Todestag wir gerade freudig begingen, es gab „niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ und jenen Saarländer, der „den Sozialismus in seinem Lauf‘ hält weder Ochs‘ noch Esel auf“ dichtete. Nun, als Literat blieb Honecker uns nicht in Erinnerung. sondern als sich stets jovial gebender, unterdrückender Staatschef, der seine Bürger einsperrte. Und so wird es auch entsprechend mit Putin sein. Einige Punkte der russischen Propaganda wurden angesprochen, und damit wurde ein Beitrag geleistet, ihnen nicht mehr zum Opfer zu fallen.

Markus Söder, Joachim Herrmann und Christian Schmidt sind bayerische Minister, Bundesminister gar. Sie haben wirklich besseres zu tun, als in nichtsnutzigen Gesprächsrunden herumzusitzen. Eben dies aber unterstellt ihnen Michael Husarek von den NN. Ich weiß ja nicht, warum er das denkt. Markus Söder hat doch recht: „Die (OBs der mittelfränkischen Städte) reden doch über Themen, wo wir dann sowieso ins Spiel kommen“. Nun – das gerade ist die Aufgabe von Politkern, hier durch frühe Verzahnung einen Beitrag dafür zu leisten, dass Projekte gutgehen. Wir sehen auch, dass es gut läuft, wenn das Land etwas macht, von Hochzeitszimmer auf der Burg bis zum Frankenschnellweg, und wir sehen, dass es mehr Zeit und Arbeit kostet, am Ende auch mehr Geld, wenn die Stadt erst alleine etwas stemmen will, es so nicht schafft und am Ende die Staatsregierung helfen soll. So wird es zum Beispiel auf Quelle sein. Die Nürnberger Stadtspitze hat das von Anfang an doch wohl gewusst – auch, dass die Gebäude dort für eine Uni nicht taugen. Trotzdem hielt man daran fest, wohl wissend, dass der Freistaat die Uni bezahlt und nicht die Stadt Nürnberg. Trotzdem hielt die SPD – weil Wahlkampf war? – daran fest. Hätte die Stadtspitze früh mit den Landespolitikern der CSU gesprochen, hätte man das Thema aus dem Wahlkampf raushalten können. So machte es die SPD wider die Vernunft zum Thema und verlor damit – nun, zwar nicht den Wahlkampf, aber das Vorhaben mit Quelle. Da könnte also ein Journalist durchaus auf den Kommentar kommen, dass es gut ist, wenn Stadt und Land sich gut vernetzen, aber dieser Journalist würde bei der NN keinen Arbeitsplatz bekommen. Da ist gefragt, dass man auf die CSU draufhaut, auch wenn das – wie so oft – sachlich falsch ist.

Es gibt, das ist wahr, zahlreiche Gesprächsrunden zwischen Stadt und Land. Aber sie sind, das ist nun mal in der Demokratie so, in ihren Entscheidungsbefugnissen begrenzt. Um Sachprobleme auszutarocken, sind sie sehr gut. Um aber grundsätzliche Entscheidungen zu treffen, braucht es eine solche Runde wie vorgeschlagen. Es ist gut, dass es sie nun gibt.

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