Friedensfreunde. Na, dann.

EU-Außengrenze. Sperranlagen bei Gibraltar. Bild: © Elias Bierdel CC-BY-SA 3.0
EU-Außengrenze. Sperranlagen bei Gibraltar.
Bild: © Elias Bierdel CC-BY-SA 3.0

#577 Gestern lud die evangelische Kirche in Nürnberg zu einem Abend, bei dem – was auch sonst – über den Nahost-Konflikt gesprochen wurde. Da gibt es mit den landläufig „Friedensfreunden“ Genannten einen Verein, den man durchaus kritisch sehen darf. Freilich, sie fühlen sich stets als die Guten. Schon der Name – „Friedensfreunde“: wer wäre denn kein Freund des Friedens? Eben: keiner.

Es kam der israelische Generalkonsul aus München – nun, ich nehme ihn eher als Israels Botschafter für Bayern wahr, aber das sind subjektive Eindrücke. Es kam also Dan Shaham. Und es kam Ilana Hammerman, eine sogenannte Friedensaktivistin und Autorin aus Jerusalem. Es ist durchaus zu erläutern, warum sie als „sogenannte“ Friedensaktivistin bezeichnet wird: weil nicht so recht klar ist, was eine „Friedensaktivistin“ so macht, von 8 Uhr bis 16 Uhr. Betritt man sein Büro mit den Worten „Frieden sei mit euch“ – „salem aleikum“ oder „schalom alechem“? Gut, dann ist es immer noch 8 Uhr. Und was macht man dann? Der Tag ist noch lange! Erst mal einen Caffé kochen.

So kommt Frau Hammerman zum Beispiel auf eine Idee. An der Grenze zur Westbank gibt es Kontrollstellen, und die haben je einen Durchgang für israelische Staatsbürger und einen für alle anderen. Frau Hammerman kommt auf die Idee, durch den für die anderen zu gehen und das ganz arg friedensaktivistisch zu finden. Bevor man ihr jetzt aus einem Reflex heraus zustimmt: Gemach. Es gibt auch auf deutschen Flughäfen Durchgänge „für EU-Bürger“ und solche „für andere Staaten“. Dürfte jeder schon mal gesehen haben und keiner regt sich auf; warum auch?

Es würde wohl auch niemand einen besonderen friedensaktivistischen Akt darin sehen, wenn – beispielsweise – ein Herr Müller sich unter die Gäste einen Fluges aus – sagen wir – Peking mischt und den Durchgang „für Nicht-EU-Bürger“ benutzt. Wenn er meint, bitte; aber irgendeine besondere Wirkung entfaltet das nicht.

Es liegt mir fern, an den Motiven von Frau Hammerman herumzudeuteln. Natürlich glaube ich ihr, dass sie bessere Beziehungen und Frieden mit den Palästinensern will. Ob man ihn so bekommt, ist eine andere Frage.

Frau Hammerman erwähnt den Zaun (sie nannte ihn „Mauer“). Den kann man – wegen seines Verlaufs teilweise auf PA-Gebiet – kritisieren (man muss die Kritik nicht teilen, aber man kann). Aber was man nicht darf – hat sie aber getan -, den Zaun mit der Berliner Mauer zu vergleichen. Der israelische Zaun sperrt aus, die Berliner Mauer sperrte ein. Ein zentraler Unterschied. Überhaupt: warum regen sich so viele über den Zaun auf? Weltweit gibt es an Grenzen solche Zäune. Auch wir Europäer haben solche Zäune, zum Beispiel in Gibraltar. Schon mal gesehen? Über diese (aus-, nicht einsperrenden) Grenzanlagen regt sich kein Mensch auf. Der Lärm um die israelische Grenze ist merkwürdig. Es ist doch die Pflicht der israelischen Regierung, die eigenen Bürger zu schützen! Dort, wo die Grenze „grün“ war, also jeder nach Lust und Laune rübergehen konnte, kamen eben auch die Bomben durch.

Wenn man in Tel-Aviv einen Urlaub verbringt und sich ins „Dan“-Hotel einmietet, dann blickt man vom Hotel-Balkon aus in etwa 400 m Entfernung auf die Ruinen eines Gebäudes, das voller junger Menschen war, als eine Bombe gezündet wurde. Zerfetzte Leiber. Arme, Füße liegen auf der Straße. Ein Kopf. Und vor dieser Gewalt schützt die Grenzanlage. Seither: keine Bomben. Die Menschen müssen über Checkpoints gehen. Es ist wieder sicher, mit dem Bus zu fahren. Gut so.

Das alles weiß Frau Hammerman. Aber sie spricht es nicht an; sie spricht von den unschönen Folgen der Grenze. Und die gibt es ganz sicher auch. Aber den Preis dafür, dass es sie nicht mehr bräuchte, denn spricht sie nicht an: die – längst fällige – Bereitschaft der Palästinenser, mit Israel zu leben.

Ach, Sie meinen, das wäre so? Mitnichten. Die Hamas verlangt in Art. 7 ihrer Charta die Tötung der Juden. Der Juden, wohlgemerkt; nicht der Israelis. Solange das gewollt wird, braucht es den Zaun.

Geradezu rührend waren die Besucher, die Frau Hammerman unterstützen wollten. Das ging nämlich regelmäßig nach hinten los. Der eine weigerte sich, Israel als Staat anzuerkennen und sprach vom „sogenannten Staat Israel“. Mehr Worte braucht es nicht, um klarzumachen, wie es in einem denkt. Die andere forderte – etwa nach dem Motto „Frauen für Frieden“ -, dass mehr Frauen in die israelische Regierung sollten, dann würde das schon werden. Interessanter Ansatz. Und was ist mit Frauen bei der Hamas?

Es wäre leicht, sich über Frau Hammerman lustig zu machen. Viel Wollen, wenig Können. Viel Friedensgeraune und wenig Ahnung, wie man den mit jemandem herbeiführt, der nicht will. Aber Frau Hammerman scheint nur Menschen zu kennen, die freundlich sind. Komisch – meine Nachrichten sehen anders aus: IS, Hamas und so weiter. Aber nein, ich widerstehe und mache mich nicht lustig, denn ich weiß, dass es diese Menschen wirklich so meinen.

Aber ein paar Dinge haben mich doch erstaunt. Bis heute ist es ein stets wiederkehrender Witz, dass die generell lächerlich gemachte Sarah Palin einmal sagte, dass sie von ihrem Haus in Alaska aus nach Russland rübersehen könne. Bis heute macht man sich darüber lustig. Aber wenn Frau Hammerman dreimal erzählt, dass sie zwanzig Minuten von der Westbank lebe, dann erstarrten einige Zuhörer vor Ehrfurcht und das waren nicht eben die, die Sarah Palin gut fänden. Nun kann man die Wohnortnähe zu einer Grenze aufregend finden oder nicht, aber was man nicht tun darf, ist, sie beim X toll finden und beim Y nicht.

So ging denn der Abend mit einigem Erkenntnisgewinn zu Ende. Viel Wollen, wenig Können auf der einen Seite. Und ein Publikum, das sich teils merkwürdig darüber freute, dass eine Israelin etwas gegen Israel hat. Das zum Teil merkwürdig eifrig klatschte und einen merkwürdigen Blick zeigte, wenn Frau Hammerman etwas sagte. Das aber weghörte, wenn der israelische Generalkonsul etwas sagte. Der war ja nun nicht gerade einfältig, aber er war weniger emotional, sondern er brachte Argumente, die das Hirn ansprachen. Das war manchen wohl nicht recht im dem Sinne, dass es ihnen genug war zu glauben, dass es doch reiche, wenn man den Frieden nur wirklich will. Schön, wenn es so wäre. Schade, dass es nicht so ist. Schade, dass Friedrich Schiller immer noch recht hat: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“.

Es sollte erreicht werden, dass die Nachbarn Israel in Frieden leben lassen. Wenn man heute Israel die Waffen aus der Hand nimmt, wird morgen kein Israel mehr sein. Wenn man heute den Palästinensern die Waffen aus der Hand nimmt, wird morgen Frieden sein.

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