Die vegane Kärwa. Teil II

Seitan in Form einer "Ente". Natürlich geschmacklos, deswegen mit Sojasauce und "Würze" (?) essbar gemacht. „Wheat gluten (vegetarian mock duck) 2007“ von myself (User:Alex Ex) - Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wheat_gluten_(vegetarian_mock_duck)_2007.jpg#mediaviewer/File:Wheat_gluten_(vegetarian_mock_duck)_2007.jpg
Seitan in Form einer „Ente“. Natürlich geschmacklos, deswegen mit Sojasauce und „Würze“ (?) essbar gemacht.
„Wheat gluten (vegetarian mock duck) 2007“ von myself (User:Alex Ex) – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wheat_gluten_(vegetarian_mock_duck)_2007.jpg#mediaviewer/File:Wheat_gluten_(vegetarian_mock_duck)_2007.jpg

#573 Erinnern Sie sich? NN und andere kündigten eine vegane Kärwa in Erlabrunn an. Erlabrunn ist ein Ortsteil von Scheinfeld (nördlich Würzburg am Main) und hat, Respekt, immerhin 80 Einwohner.

Der „gesellige Vereine“ aus Erlabrunn macht seit 1985 die also noch nicht sehr traditionsreiche Kärwa in Erlabrunn und wollte sie heuer etwas beleben, also verkündete man: „Es gibt nur verganes!“. Außer am Montag, natürlich, denn am letzten Tag ihrer viertägigen Kärwa reichen die Erlabrunner Karpfen, und der ist bein besten Willen nicht vegan. Für alle, die das nicht wissen: „vegan“ ist radikal-vegetarisch, man verzichtet nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auf alle Tierprodukte, also auch auf Käse, auf Milch und Sahne, und kleidet sich nicht in Leder, denn Leder (etwa am Schuh) ist aus Sicht der Veganer ganz böse und Wolle ist auch pfui, denn Wolle stammt vom Tier. Die Veganer essen natürlich auch keine Eier, denn das Ei stammt vom Huhn, das Huhn ist ein Tier, also ist ein Ei pfui. Man möchte schon mal „Frohe Ostern!“ wünschen, aber erst kommt noch die Gans-Zeit und Weihnachten – auch nicht eben für vegane Kost bekannt…

Natürlich merken auch die Erlabrunner Veganer, dass das ein wenig lächerlich ist. Also kostümieren sie ihr veganes Futter als richtiges Essen und nennen es „Züricher Geschnetzeltes“, dabei heißt es Zürcher Geschnetzeltes und wird also ohne „i“ geschrieben. Wenn man bedenkt, dass ein Zürcher Geschnetzeltes aus Kalbfleisch besteht, das in einer Sahnesauce schwimmt, dann fragt man sich schon, warum die Veganer mal wieder so tun, als ob, und Fleisch imitieren müssen. Oder wenn sie darauf hinweisen, dass „Seitan“ wie Fleisch schmecke und sich anfühle. Warum diese Anbiederung an etwas, was man doch ablehnt?

Das Ärgerliche ist nicht, dass es veganes gibt. Wer’s mag, soll’s essen. Und wenn ich mir anschaue, wie lieblos auf mancher Kärwa – nicht überall – das Fleisch gebrutzelt wird, kann ich den Hang zum, beispielsweise, Reis mit Paprika schon verstehen. Ich lehne es aber ab, und das ist doch der springende Punkt, das essen zu müssen. Wie ich überhaupt es ablehne, wenn jemand solche Vorschriften machen will.

Diesen Punkt übergeht der Verantwortliche ganz flott: „Denn wenn wir ein Fleischgericht anbieten würden, dann würden die Leute doch nur das essen, was sie kennen“ – immerhin auch ein Vorwand. Die örtliche Zeitung überschlägt sich fast mit begeistert hinausgestoßenen Berichten über Fernreisende aus Kulmbach (110 km) oder gar aus Thüringen (150 km) angereist kommen, um die vegane Kärwa zu besuchen.

Aber das kann niemanden überraschen. Wenn die Zeitungen (NN, Fränkischer Tag) so fleißig berichten, ist es verwunderlich, dass keiner aus Kathmandu angereist ist. So ganz sicher ist sich die gleiche Zeitung nicht, ob nun 150 oder 250 im Festzelt saßen. Wenn ich zwischen diesen zwei Zahlen die Wahl habe, dann eher 50…

Im Ernst: Wenn die Zeitung in Schnappatmung berichtet, dass manche Menschen sogar hergefahren kamen, etwas Veganes kauften, in ihr mitgebrachtes Plastikgeschirr einpackten und wieder wegfuhren – ja, so steht es in der dortigen Zeitung! – , ja, dann frage ich mich schon, worin da der Reiz bestehen soll. Überhaupt – vegan kann man inzwischen in jeder Bahnhofs-Imbissbude essen, und das ist ja auch nicht das Problem. Das Problem ist, das kein Fleischesser das Vegane verbieten möchte, aber die meisten Veganer sehr wohl Fleisch (und Käse und Milch und Eier und so weiter) verbieten wollen. Sie fangen es „moralisch“ an, und werden am Ende des Tages sehr schnell sehr genussfeindlich und menschenfeindlich.

Und da mache ich nicht mit. Jeder Mensch isst auch mal fleischlos und auch mal – allerdings eher selten – frei von jedem Tierprodukt. Die meisten Gerichte kommen nicht ohne Milch, Sahne, Eier, Käse aus und schmecken trotzdem (also: deswegen). Es gibt ein paar, gewiss – ein Risotto, zum Beispiel, kann ohne all das gemacht werden. Aber niemand hat das Recht, jemand anderen zum Verzehr solchen Essens zu zwingen. Und das ist das, was unsere Gutmenschen eigentlich umtreibt. Sie wollen nicht nur selbst dies nicht und das nicht, sie wollen es auch anderen vorschreiben. Und damit sind sie das Gegenteil von Verfechtern der Freiheit. Sie sind also grün. Politisch gesehen. Gewiss, es gibt Ausnahmen. So, wie es beispielsweise auch bei der SED („Die Linke“) welche gibt, die nicht antisemitisch sind. Es gibt auch bei den Grünen welche, die den Freiheitsgedanken noch nicht ganz aufgegeben haben. Aber die meisten, etwa die unsägliche Claudia Roth, würden Freiheit sofort wegschmeissen wie einen alten Schuh. „Freiheit? Die hatten wir doch gestern schon! Jetzt muß mal etwas Neues her!“, scheinen diese Zwangsbeglücker zu denken. Naja, was heißt hier „denken“?

Wenn das angeblich Gute die Menschen nicht beglückt, dann dürfen sie nicht zu ihrem Glück gezwungen werden. Oh, sicher, es gibt Fälle, in denen der Staat per Gesetz etwas vorschreiben muß und die Menschen zu etwas zwingen muß. Aber dann darf es sich nicht um schräges Halbwissen handeln wie bei Veganern zum Punkt Ernährung. Da wird der normale Mensch so zugeplappert, und zwar mit Müll, dass er keinen Widerstand mehr leisten kann. Dabei sagt einem jeder Arzt, dass vegane Ernährung für den Menschen nicht ausreicht. Punkt.

Aber darüber berichten Zeitungen weniger. Die machen lieber Werbung für eine Aktion des als faschistisch bezeichneten Vereins PeTA, die machen lieber Werbung für eine Zwangsbeglückung durch eine vegane Kärwa (mit Karpfen, wohlgemerkt).

Mich stört, dass manche sich anmassen, für andere zu entscheiden, was gut für sie ist. Das soll mal einer mit mir machen, ich wünsche ihm viel Spaß dabei.

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