Die Lümmel von der ersten Bank

Theo Lingen. "Pauker" in "Die Lümmel von der ersten Bank" „Theo-Lingen“ von Hans Georg Pfannmüller - Nachlass des Urhebers. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0-de über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theo-Lingen.jpg#mediaviewer/File:Theo-Lingen.jpg
Theo Lingen. „Pauker“ in „Die Lümmel von der ersten Bank“
„Theo-Lingen“ von Hans Georg Pfannmüller – Nachlass des Urhebers. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0-de über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theo-Lingen.jpg#mediaviewer/File:Theo-Lingen.jpg

#564 So lautete der Titel einer (eher mäßig guten) Reihe von Fernsehfilmen aus den späten 60ern. Wir sahen den alten Theo Lingen und Georg Thomalla, Willy Millowitsch ebenso wie Gustav Knuth, die junge Uschi Glas und Hannelore Elsner. Die Älteren unter uns werden sich erinnern; die Jüngeren mögen am Vorweihnachtssonntagsprogramm mehr Wiederholungen ansehen.

An diese „Lümmel von der ersten Bank“ musste ich denke, als ich heute in den Nürnberger Nachrichten auf S. 1 (gleich nach den Weltnachrichten!) das Bild sah von zwei jungen Leuten, die auf einem Parkplatz in der Königstraße angeblich Kicker spielen.

Nun ja. Das Bild ist gestellt. Man würde die Gegenüber zumindest des einen „spielenden“ Modells sehen müssen, wäre das Bild echt. Gestellte Bilder sind – nun ja, man weiß ja , was gestellte Bilder wert sind. Es gibt Gegenden auf dieser Erde, wo die Leute  vor allem dann zu klagen anfangen, wenn es von einer Kamera festgehalten wird. Bei diesem „Geschäft“ der gestellten Bilder macht also auch die hiesige Zeitung mit. So, so.

Die zwei jungen Burschen auf dem Bild tragen Bart, Sonnenbrille und – einer – eine Mütze, die offensichtlich militärischen Charakter hat. Mir kommt sie gar amerikanisch vor, was der junge Mann, wenn es so ist, besonders spöttisch meinen dürfte. Wenn man auf einem Bild nicht erkannt werden will, dann trägt man Sonnenbrille, Bart und Mütze. Der normale Mensch würde nicht mal den Boris Becker so kostümiert erkennen. Auch interessant.

Diese beiden verkleideten Männer also stehen auf der Königstraße und gaukeln vor, dass sie kickern würden. Aha. Welche ungemein zivilisatorischer Schritt. Man sieht übrigens auf dem Bild auch, dass der Parkplatz dahinter statt von einem Auto von Fahrrädern vollgestellt ist. Es geht uns allen gleich viel besser, seit Parkplätze nicht mehr von dem einem, sondern von dem anderen Verkehrsmittel zugeparkt wird. Von Oma Kruse bis zu mir: das Leben ist gleich viel schöner geworden; ich schlafe seither ruhiger. Bestimmt.

Auf der anderen Straßenseite sieht man einen Laster. Der gehört einem bekannten Getränke-Lieferunternehmen (nein, nicht dem einen, sondern dem anderen). Er steht in zweiter Reihe. Er beliefert gerade das Hotel Drei Raben (der SPD-Stadträtin Daniela Hüttinger), wenn ich richtig sehe. Natürlich könnte der Laster in der Parpkplatz fahren, wenn da nicht unsere kostümierten Fotomodelle vorgaukeln würden, dass sie dort kickern würden.

Überhaupt, die Zeitung nennt das Ganze „kreativ“. „Kreativ“ mag das Posieren fürs Bild sein, wenn man einen merkwürdigen Begriff von „Kreativität“ hat und Malen nach Zahlen für kreativ hält.

Überhaupt. Wenn hier ein brave Bürger vorbei fährt, dann denkt er sich seinen Teil über die … Zeitgenossen am Parkplatz – und fährt weiter. Wenn aber Grobian X vorbei fährt, dann bin ich mal gespannt, wer sich eher durchsetzt: die oder der. Aber bitte, ich bin ein friedvoller Mensch und will das gar nicht sehen, zum Wohle beider.

„Kickern auf dem Parkstreifen“, wie die NN titelt, ist also, pardon, so idiotisch wie „Kochen im Wohnzimmer“ oder „Club-Siege im Stadion“: Da glaubt derzeit niemand daran. Es ist ja gut und schön, wenn die Zeitung erst über etwas berichtet, sich dann unkritisch dahinter hängt und dann wieder über das eigene Produkt berichtet. So etwas nennt man sarkastisch „Selbstläufer“. Aber schon in Fürth ist das uninteressant, wenn in Nürnberg ein paar Zeitgenossen so tun, als ob sie irgend etwas machen würden.

Das könnte eigentlich auch die NN einsehen.

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