Weil Suppe nicht gleich Suppe ist

Goulaschsuppe. Mit "ou". © André Freud
Goulaschsuppe. Mit „ou“.
© André Freud

#558 Wie treue Leser dieses Blogs wissen, leidet der Verfasser dieser Zeilen zuweilen darunter, dass dereinst gute Dinge es nicht über die Zeit geschafft habe, also: mit den Jahren schlechter wurden. Dabei waren sie einst wirklich gut.

Zu diesen Dingen gehört die Goulaschusppue – bitte: mit „ou“, wie es früher üblich war; denn dieses „ou“ hat diese Suppe wahrlich verdient. Das Ganze beginnt mit einer großen Bratreine. Man holt etwas Rindlfeisch von der Hohen Rippe, besser noch aus der Oberschale, und schneidet es in höchstens ein Zentimeter kleine Würfel. Dies getan, schwitzt man Zwiebeln und Knoblauch, kleinst geschnitten (und den Knoblauch bitte nicht gepresst – danke) in gutem Öl an, gibt edelsüßes Paprika dazu und Essig und Kümmel und Majoran, auch das Fleisch, und von einem Liter Fonds soviel, dass alles bedeckt ist und lässt es eine Stunde köcheln. Dann kommen Tomaten und – gute – festkochende Kartoffeln, auf höchstens einen Zentimeter im Würfel geschnitten, dazu, und Paprikaschoten, und das kocht man dann noch zwanzig Minuten, gibt Cayenne und, falls erforderlich, Salz und Pfeffer dazu, bestreut es mit glatter Petersilie, und fertig ist eine Goulaschsuppe, die ihren Namen mit ‚von‘ schreibt. Gewiss, es dauert zwei Stunden. Gewiss, es kostet etwas mehr. Aber wer das probiert hat, ist über Jahre hinaus kuriert von dem, was sie Gulaschsuppe nennen (ohne „ou“), was für unter einen Euro in Dosen daherkommt. Wohlgemerkt: Der Verfasser hat gar nichts gegen Dosen, und ihm ist auch bewusst, dass es zuweilen schnell gehen muss, und auch, dass man aufs Geld achten muss. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Nichts dagegen einzuwenden ist auch, wenn man sich vom vorigen Mal (Huhn nach Art Mr.King) den übriggebliebenen Sherry schmecken lasst. Wenn er schon mal im Hause ist…

Es ist aber auch nichts dagegen zu sagen, einmal eine richtige Goulaschsuppe (mit „ou“) zu kochen und zu erleben, wie sie schmeckt. Einfach nur, um an den wahren Dingen einmal Freude zu haben. Die Dose kann man dann ja morgen aufmachen.

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