In Bayern wird die Inflation abgeschafft

Dr. Markus Söder, bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat @ 2014 André Freud
Dr. Markus Söder, bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
@ 2014 André Freud

#557 Wenn Jahr für Jahr (oder alle zwei Jahre) die Tarifparteien eine Einigung verkünden, dann folgt dieser Meldung stets eine Prozentzahl: „Löhne und Gehälter steigen um … %“, und ein jeder kann nachrechnen, was das für ihn persönlich in Geld bedeutet.

Im Prinzip.

In Wirklichkeit kann er das nicht, weil er das gar nicht weiß. Zum einen ist er durch die „stille Progression“ womöglich in einer höheren Steuerklasse gelandet, so dass er am Ende weniger statt mehr heraus bekommt. Zu anderen hat sich das Gehalt zwar um X erhöht, aber um Y weniger, als es durch die Inflation entwertet wurde.

Und da kommt der Söder ins Spiel. Söder, Markus, Doktor, Bayerischer Staatsminister der Finanzen. Der hat nämlich einen Weg gefunden, wie das größte Übel aufgehalten werden kann: Das Hochrutschen in der Steuerklasse, so dass einer am Ende dank der Inflation weniger im Beutel hat als vor der Lohnerhöhung.

Die Steuerklassen steigen um den Betrag, um den das Geld durch die Inflation entwertet wird. Und damit kommt man nur mit dem Bruttobetrag in die nächsthöhere Steuerklasse, den man an Kaufkraft (und nicht nur nominell) tatsächlich hat. Die Idee ist so einfach, dass man sich verblüfft fragt: Warum ist da noch keiner drauf gekommen?

Die Antwort ist ebenso einfach wie beschämend. Die anderen nehmen lieber immer mehr Geld ein und verteilen es um. Es braucht einen konservativen Politiker, der erkennt, dass es besser ist, wenn man das zusätzliche Geld gar nicht erst einnimmt. Und außerdem braucht es einen, der nicht arztpflichtige Visionen hat, um Herbert Wehner einmal zu zitieren, sondern einen, der mit Gespür fürs Machbare einen Vorschlag macht, der doch eigentlich allen gut gefallen müsste.

Zwar werden einige wieder etwas einzuwenden haben, etwa derart, dass der Vorschlag kritisiert werden müsse, weil er von der CSU, weil er von Markus Söder stamme. Aber bevor links der Mitte solche Reflexe zu greifen beginnen, sei nachgedacht. Mehr Kaufkraft bei den Lohnsteuerzahlenden ist für die Wirtschaft einer der besten Motore. Indem Markus Söder dies stärkt, weil es in Zeiten höchster Steuereinnahmen schlicht möglich ist, baut er gut für Zeiten vor, in denen diese Einnahmen vielleicht nicht mehr so erfreulich fliessen.

Zwanzig Jahre ist er jetzt MdL, der Markus Söder, und es ist für den Freistaat ganz gut, dass er zu denen gehört, die mit guten Ideen immer wieder positiv auffallen.

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