Herrmann ist kein Trottel

#555 Staatsminister Joachim Herrmann hat eindringlich vor der „Scharia-Polizei“ gewarnt. Jakob Augstein, der elende Gelegenheits-Kommentator bei spiegel.de, hat diese Anregung für überzogen gehalten und mehr Gelassenheit von Herrmann & Co eingefordert. Wie der linke Gutmensch halt alles nicht so schlimm findet, bis das Fallbeil in seinen Nacken saust.

Herrmann hat recht. Denn der Unterschied zwischen der „Scharia-Polizei“ und privater Ansicht über ein Verhalten ist elementar: Eine „Polizei“ gehört zur Exekutiv-Gewalt.

Wenn ein Nachbar mit dem Verhalten eines Menschen nicht einverstanden ist, einem sehr kurzen Rock oder sehr vielen Piercings im Gesicht oder was auch immer, dann schaut er weg. Oder, äußerste Eskalationsstufe, denjenigen missbilligend an. Kann man machen, wenn’s einem wichtig ist; muß man aber nicht. Derjenige kann dann, von gleich zu gleich (das ist wichtig!) zurückschauen. Er kann gerade stolz auf das sein, was der andere blöd findet. Die junge Frau kann ihren kurzen Rock, der junge Mann kann seine Piercings verteidigen. Wer sind wir denn, dass wir unsere Meinung für allgemein beachtlich halten?

Ich zum Beispiel halte nicht so viel von Piercings. Diese Meinung möchte man mir bitte lassen. Aber deswegen habe ich doch nicht das Recht, einem anderen vorzuschreiben, dass er keine Piercings haben soll: das geht mich nichts an. Ich mag’s nicht, er findet’s toll – so etwas muss die Gesellschaft aushalten. Tut sie auch, zum Glück.

In Wuppertal nun sind die Verhältnisse anders. Dort patrouillierte die „Scharia-Polizei“ und sprach Menschen an, deren Verhalten nicht „scharia-konform“ war. Der Unterschied zum missbilligenden Blick vom Nachbarn ist der, dass die „Scharia-Polizei“ organisiert ist, repressiv ist.

Es ist schon beachtlich, wenn einer wie Jakob Augstein daran nichts zu kritisieren findet und im wesentlichen auf die Blödheit der Akteure eingeht. Sonst kriegt er nahezu einen Schreibwahn, wenn er Repression vermutet, und hier kann er lediglich lächeln. Warum?

Es gibt ein merkwürdige Nähe zwischen Islamisten und einigen Linken, also: nicht allgemein, sondern partiell. Die Gender-irgendwas-„Forscherin“ Judith Butler nennt die Hamas eine „soziale Bewegung“. Was ist daran „sozial“? Die SA hatte auch Suppenküchen und war deswegen keine „soziale Bewegung“. Was ist sozial – das öffentliche Hinrichten missliebiger Bürger? Jakob Augstein hält die „Scharia-Polizei“ für unbeachtlich. Diese Liste einiger linker Wichtigtuer ließe sich beliebig fortführen.

Der Unterschied, auf den es alleine ankommt, ist die Repression, die Unterdrückung der anderen, und die Fähigkeit, diese durchzusetzen. Es ist menschlich, wenn dem A nicht gefällt, was der B tut. Aber es wäre unmenschlich, wenn der A dem B vorschreiben kann, was der zu tun und zu lassen hat. Genau das ist der Unterschied.

Natürlich erwarte ich nicht, dass Jakob Augstein das kapiert. Aber ich erwarte, dass er die Klappe hält über Dinge, die seinen Intellekt übersteigen. Und da ich das nicht durchsetzen kann, zum Glück, schreibe ich eben dagegen an. Ich habe ja – zum Glück – keine Polizei.

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