Am Sonntag will mein Liebster mit mir segeln geh’n…

Tretboot am Dutzendteiche (Zwei-Personen-Version "Schwan") © 2014 André Freud
Tretboot am Dutzendteiche (Zwei-Personen-Version „Schwan“)
© 2014 André Freud

#550 Die Älteren unter den Leser werden den alten Schlager von 1929, der 1961 von Harald Juhnke (!) und Vivi Bach erneut eingespielt wurde, noch kennen. Für die anderen: Youtube.

Das mit dem „Segeln geh’n“ dachte sich auch eine Familie und bestieg wagemutig und tapfer ein Tretboot. Die seien unsinkbar, behauptet der Betreiber des Bootsverleihs, und hat dafür sogar einen Zeugen: den TÜV, der ihm das bestätigt. Solcherart ausgestattet, wagt die dreiköpfige Familie („korpulent“, alle drei, heißt es, jedoch nicht kleinwüchsig) den Schritt ins Dunkle und tritt mit dem Tretboot auf die Tiefen des Dutzendteichs. Die sind schon hoch, diese Tiefen – 1350 mm oder, anders gesagt, 1,35 Meter werden als Höhe angegeben.

Ins Tretboot jedenfalls schwappte Wasser. Die drei meinten, es sinke (was es aber gar nicht kann). Aufwendige Studien (GoogleEarth) haben uns das Wissen beschert, dass es zum Ufer allerhöchstens (also wirklich allerhöchstens!) 200 m sind. Man bedenke diese Gefahr: Unter sich 1,35 m tiefe Abgründe, und zum rettenden Ufer sind es 200 m; das sind Gefahren!

Also beschwert sich diese Familie. Nicht etwa beim Bootsverleiher, nein, iwo. Sondern gleich bei der Zeitung. Ist ja auch logisch, da doch die eine Zeitung ein U-Boot… Aber das lassen wir für heute.

Die Zeitung macht erst ein Trara, erkennt dann aber doch, dass diese Geschichte wahrlich lächerlich ist. Für Ortsfremde: Der Dutzendteich ist ein Teich im Südosten Nürnbergs, teilweise vom Reichsparteitagsgelände umstanden, der im Winter abgelassen wird. Er ist flach, ungemein flach. Und man kann, wenn man es denn kann, mit Tretbooten drauf schippern. Untergehen kann man dort nicht. Es ist physikalisch nicht möglich.

1337 wurde der Dutzendteich erstmals angelegt. Und er hat seitdem, soweit wir wissen, kein Opfer gefordert. Das ist immerhin eine stolze Angelegenheit: 677 Jahre „Teich“ ohne Opfer – sauber, sauber.

Nun bergen auch flache Gewässer echte Gefahren in sich. Kaiser Friedrich I. Barbarossa etwa ertrank im (flachen) Fluß Saleph. Vielleicht auch, um solches zu verhindern, errichtete der weise Rat der Stadt Nürnberg 1906 einen Leuchtturm (am Dutzendteich; nicht am Saleph, denn der Kaiser war dort ja schon ertrunken). Auf dass man in schweren Stürmen das Land auch wirklich finde. Es sind immerhin bis zu 200 m dorthin! Meist allerdings erheblich weniger, 50 m oder 15 m oder so.

Das ist ein so dermaßen schlechtes Zeichen der Zeit, in der wir leben. Kann man denn nicht wenigstens für 5 Cent Verantwortung fürs eigene Leben übernehmen? Müssen denn immer welche da sein, die das Risikofür einen übernehmen?

Die Familie beklagt sich jetzt, dass man ihr keine Schwimmwesten angeboten habe. Schwimmwesten auf dem Dutzendteich! Da hätte es ein Paar Gummistiefel auch getan. Wie wäre es denn noch mit Schwimmflügeln, damit man endgültig nicht nur wie ein Idiot aussieht, sondern auch einer ist?

Wahr ist, dass zu wenig Menschen schwimmen können. Aber auf dem Dutzendteich kann man es auch nicht lernen.

Da es jedoch um ein gefährliches Gewässer geht – hey, Bürgermeister Christian Vogel: Wenn es mit dem Volksbad nicht recht voran gehen sollte, können Sie ja Überlebenskurse am Dutzendteich veranstalten.

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