Wider den Schund

Zwei Schnitzel im Paprikarahm © 2014 André Freud
Zwei Schnitzel im Paprikarahm
© 2014 André Freud

#548 Haben Sie schon einmal ein Paprikarahmschnitzel gegessen? Die Antwort dürfte, wenn der Leser kein Vegetarier ist, ziemlich zuverlässig Ja lauten. Aber ach, wie schmeckt das doch so traurig.

Warum aber ist es denn bekannt, ja: berühmt? Weil es so schmeckt, wie es meistens schmeckt? Das kann doch der Grund nicht sein. Nein, weit gefehlt: es wurde berühmt, weil es einmal gut geschmeckt hat.

Und gut schmeckt es dann, wenn man damit beginnt, die Paprika, mit Olivenöl fein bestrichen, so lange zu grillen, bis die Haut Blasen wirft und man sie abziehen kann. Und später, viele Arbeitsschritte später, entsteht etwas ganz Köstliches, wenn man die Zwiebeln, den karamellisierten Zucker, die von ihrer zähen Haut mühselig befreite Paprika, die Zitronenschale, den Knoblauch und anderes mehr mit Brühe und Sahne ein letztes Mal aufkocht und mit dem Rührstab fein püriert, auf dass es eine Sauce (und kein Eintopf) werde. Dann schmeckt es so, wie es schmecken soll, und mit einem Mal wird dem furchtlosen Esser auch klar, warum es überall Paprikarahmschnitzel gibt: in Erinnerung daran, dass es einmal etwas Delikates war. Was auch einmal gesagt werden soll.

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