Die Friedenspartei?

Getötete Kriegsopfer, die wehrlos waren © GFDL Saeed Jabozorgy - http://gallery.sajed.ir/home.html?func=detail&id=491
Getötete Kriegsopfer, die wehrlos waren
© GFDL Saeed Jabozorgy – http://gallery.sajed.ir/home.html?func=detail&id=491

#540 Wir wissen ja, wer die Sozialdemokraten sind. Im Kern gute Menschen wie andere auch, mit einem wolkigen Blick auf das, was ist, einem Wunschdenken, wie es noch schöner sein könnte und im Zweifel mit dem Verlangen, die Wirklichkeit – gefälligst – ihren wolkigen Vorstellungen anzupassen.

Deswegen tut sich ein Christsozialer immer etwas schwer, wenn er – wie derzeit in Nürnberg – mit den Sozialdemokraten kooperieren muss: der Schwarze hat den Blick drauf, wie es ist, und der Rote, wie es sein soll; das gibt schon manchmal Probleme. Aber das sind freilich keine Probleme, die etwas mit schlechtem Wollen zu tun haben: das kann man Sozialdemokraten gewiss nicht pauschal unterstellen. Es ist wie im Supermarkt an der Kasse: Wenn einem jemand von hinten in die Hacken fährt, dann ist das nicht beabsichtigt. Wenn dann aber derjenige, der das gemacht hat, noch ein naives „Allmächd! Dös hab ich fei net absichdlich gmachd!“ hinterher schickt, wird es Zeit, sich aufzuregen. Ja, für wie doof hält einen der Einkaufswagenrambo denn? Das wäre ja noch schöner, wenn er einem absichtlich reingefahren wäre. Schlimm genug, dass er es versehentlich – also: aus Unachtsamkeit, mangels scharfem Blick – getan hat. So kann man sich also einen Sozialdemokraten vorstellen.

Nun haben wir in der Nürnberger SPD einen Streit über Waffenlieferungen an die von IS in Kämpfe verwickelten Staaten. Das finden manche falsch, etwa der Alt-OB Peter Schönlein oder der Ex-Landtagskandidat und Altlinke der Nürnberger SPD, Jonas Lanig. Beide werden nicht die Berühmtheit jener unsäglichen Margot Käßmann erreichen, dafür fehlt ihnen zum Beispiel die Trunkenheitsfahrt mit unbekanntem Beifahrer in Hannover. Aber zurück: man ist also gegen Waffenlieferungen. „Auch wenn fürchterliche Dinge im Nordirak und in Syrien passieren.“ Ach. „Schlimm“ finden sie das, die selbstzufriedenen Herren, aber wehren – nein, wehren dürfen sich die Opfer von IS nicht; das wäre ja noch schöner, wenn einen der Herren im sicheren Nürnberg das Gewissen zwicken würde. Sollen sie doch sterben, die Opfer – oder wie? Lanig schwadroniert über „so viele Instrumente der Friedenspolitik“, um dann „Nichtregierungsorganisationen“ und anderen Unfug aufzuzählen. Diese Dauerlaberer haben noch niemals in der Geschichte der Menschheit einen Konflikt beendet. Sie stehen immer nur am Rand und reden gescheit daher und schauen weg, wenn Menschen getötet werden. Dass man Verständnis für den Mörder haben solle, er sei doch vorher schlecht behandelt worden. Dass man den Opfern nicht helfen dürfe, sich zu wehren – sie sollen doch besser mit ihrem Schlächter reden, so von Mensch zu Mensch, gelle? Dass der nicht reden, sondern Köpfe abschlagen will, tue quasi nichts zur Sache.

Diese selbstgerechten Wegseher sollten zur Kenntnis nehmen, dass die Welt nicht ist, wie sie es sich zusammenphantasieren. Ihre Partei, die SPD, ist da durchaus realistischer als ein Nürnberger OB vergangener Tage oder ein GEW-Vorsitzender. Wenn sie aber schon kühn und keck behaupten, dass die SPD keine Kriegspartei sei, dann wird ihnen ein Blick in die Geschichte ihrer Partei empfohlen.

Die SPD stimmte am 04.08.1914 im Reichstag für die Kriegskredite. So rechtfertigte die SPD das Lob des Kaisers „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“ Wir wissen heute, dass der Erste Weltkrieg, gelinde gesagt, ein Fehler war, aber es ist eben einfach nicht wahr, wenn ehemalige SPD-Politiker behaupten, dass ihre Partei schon immer gegen den Krieg gewesen sei (auch den 1870/71er Krieg trugen sie mit).

Im September 1939 erklärte die (Exil-) SPD, dass sie die Gegner Hitlers unterstütze und rief zum Waffengang gegen Hitler auf. Ich lobe die SPD dafür. Es ist aber schlichtweg nicht wahr, wenn Schönlein und Lanig kundtun, die SPD sei „schon immer“ gegen den Krieg gewesen. Krieg ist schlimm, aber manchmal notwendig. Wer diesen Satz verweigert, wird immer Opfer werden. Er ist nicht schön und er passt nicht in die Eidschi-Bum-Beidschi-Welt so mancher satter Pseudopolitiker, aber er ist wahr. Genau so, wie der altrömische Satz wahr ist: „Si vis pacem, para bellum“: „Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg vor“. Das alles ist nicht schön, aber wahr und real, und nicht von Wegschauerheldentum geprägt wie die – letztlich Menschen ihren Feinden wehrlos ausliefernden – Sätze von Lanig & Co., die von „Diskurs“ schwadronieren, aber sich konsequent weigern, den Opfern von Gewalttaten etwas besseres vorzuschlagen als „Friedens- und Flüchtlingsarbeit vor Ort“, wie Lanig bramabasiert. Es hilft den Menschen nicht, die sich den Hals durchschneiden lassen müssen, wenn selbstgerechte Menschen, die ein paar Tausend Kilometer weit weg sind, hinter ihren Parolen auch noch irgendwelche edlen Motive hinein geheimnissen und von (vollkommen wirkungslosen) „vielen Instrumenten der Friedenspolitik“ reden – die haben nämlich in der Geschichte der Menschheit genau gar nichts gebracht. Kein einziger Krieg auf der Erden wurde durch „Diskurse“ im Unterbezirk der Nürnberger SPD beendet. Keiner.

Übrigens: Lanig erinnert daran, dass viele 1972 der SPD wegen der Ostpolitik Willy Brandts der SPD beigetreten sind. Auch wenn das schon 42 Jahre her ist: stimmt. Und auch die Union räumt längst ein, dass der Ansatz des Wandels durch Annäherung einiges für sich hat. Es stimmt aber auch, und das ist unter Historikern ziemlich unumstritten, dass diese Politik erst einmal den kommunistischen Osten erstarken liess und er später unter den Lasten, die ihm – unter anderem – Helmut Kohl auferlegte, zusammenbrach und so Freiheit werden liess, wo vorher Unterdrückung war.

Jemand wie Lanig sollte alleine unter der Last des Datums – der Bundestag diskutierte das am 01.09.(!) 2014 – aufgeben und beschämt und schweigend nach Hause gehen.

Niemand wird sich freuen, wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Aber jeder sollte erleichtert sein, wenn sich Menschen dagegen wehren können, niedergemacht, niedergemordet zu werden.

In der Bibel steht nicht, auch wenn das viele denken, „du sollst nicht töten“. Da steht „du sollst nicht morden“. Diesen Unterschied müssen diese satten, selbstgerechten und selbstzufriedenen „Pazifisten“ noch lernen. Pazifist wird man nicht dadurch, dass man von einem Menschen verlangt, dass er sich widerstandslos töten lassen soll.

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