Der Bürgermeister geht baden

Volksbad Nürnberg © CC-BY-SA30 UlrichAAB, Wikipdiea
Volksbad Nürnberg
© CC-BY-SA30 UlrichAAB, Wikipdiea

#535 Christian Vogel (SPD) ist der (zweite) Bürgermeister von Nürnberg, unter dem Oberbürgermeister Uli Maly. So weit , so bekannt. Um vom Versagen auf Quelle abzulenken, hat sich der Herr Vogel nun ums Volksbad bemüht gemacht und sucht eine Lösung. Das ist erstens brav – denn in der Sache dringend geboten.

Das ist auch zweitens ein Akt der Emanzipation des Christian Vogel, der sich für die Nachfolge des alerten Uli Maly bereit macht. Der hat 2020 drei Amtszeiten als Oberbürgermeister plus eine als Kämmerer hinter sich, und man hört aus seinem Umfeld, dass er sich durchaus wohl fühlt, aber den Aufwand einer erneuten Kandidatur scheut. Auch wäre ein angekündigter Abschied aus der Politik die einzig wirksame Ausrede, um 2018 nicht die Spitzenkandidatur der BayernSPD zu übernehmen. Freilich – Maly, der ein gewiefter Wahlkämpfer ist, würde ein anderes Ergebnis einfahren als dieser späte Christian Ude, aber siegen würde er nicht; was er auch weiß und weswegen es ihn nicht zu diesen vergifteten Trögen zieht.

Es steht also, zwar fern am Horizont, aber doch schon sichtbar, die Frage der Nachfolge an. Wen hat die SPD, wer könnte es wagen, 2020 anzutreten? Ein Charmeur wie Maly ist weit und breit nicht in Sicht (nichts für ungut, aber verglichen mit Maly sind alle anderen nur Rambos). Keiner da, der sich aufdrängen würde. Aber eine Personalie – nun, eine schmerzt, aus Sicht der SPD, und um die mache ich mir ja besonders gerne Gedanken…

Diese Personalie ist der Bürgermeister, ist Christian Vogel. Der war Fraktionsvorsitzender und ist Unterbezirksvorsitzender, so heißt das nun mal bei der SPD, für Nürnberg. Und plötzlich mußte er den zweiten Bürgermeister geben.

Das kann einem Christian Vogel nicht passen. Die machtvolle Position des Fraktionsvorsitzenden aufgeben, um die machtlose Position des zweiten Bürgermeisters einzunehmen? Das war gewiß nach seinem Geschmacke nicht. Anja Prölß-Kammerer, die Dame aus dem städtischen SPD-Adel, die seither Fraktionsvorsitzende ist, konnte keine Akzente setzen. Sie reüssiert nicht, und so kam die Stunde des Christian Vogel, der zwar durchaus gerne eine Grünanlage eröffnete (im Namen des Herrn Oberbürgermeisters) oder Oma Kruse zum 100. gratuliert (im Namen des Herrn Oberbürgermeisters), der aber doch als politischer Mensch leidet, wenn er den Grüßaugust gibt, während die Entscheidungen woanders getroffen werden. Das ist auf die Dauer nichts für ihn. Auch ist er für SÖR (Service Öffentlicher Raum) zuständig, und dass da kein Blumentopf zu gewinnen ist, weiß in Nürnberg eh jeder.

Also kümmert er sich und macht, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet. Er stellt sich ins Rampenlicht (und andere damit in den Schatten). Die Unterstützung der NN scheint er zu haben, und auch der neue Baureferent zieht schwungvoll am neu entdeckten Glockenseil mit. Zwar muß unser Christian Vogel durchaus nach oben schauen, damit ihm die Glocke, die er da selbst zum Schwingen bringt, nicht auf den Kopf fällt, aber möglich – nun, möglich ist die Wiedereröffnung des Volksbades schon.

Der Christian Vogel muß halt ein paar Klippen umschiffen. Da ist zum einen die Zusage des CSU-Bezirksvorsitzenden und bayerischen Finanzministers Markus Söder, das Volksbad finanziell großzügig auszustatten. Für einen SPDler ist das immer schwierig, wenn er ein Projekt wahr werden lassen will, das von der CSU bezahlt wird. Aber da wir in Nürnberg eine Kooperation zwischen CSU und SPD haben, sollte das für Vogel kein Problem sein…

Eine weitere Klippe, die Vogel umschiffen sollte, ist die, dass das Volksbad von der SPD geschlossen wurde. Mir hat das mal jemand so erzählt: erst hat man die Schulen im Volksbad schwimmen lassen, dann hat man dafür keinen Eintritt genommen, und dann hat die SPD das Bad wegen wirtschaftlicher Erfolglosigkeit geschlossen. Hm, blöde Sache. Da muß der Vogel jetzt also drum herum kommen, sich selbst ins Licht stellen und die SPD und den damaligen Oberbürgermeister – Peter Schönlein (SPD) – nicht zu schlecht dastehen zu lassen. Kann er schaffen, aber dann muß er das Licht natürlich mit Sebastian Brehm und der örtlichen CSU sowie mit Markus Söder teilen. Aber SPDler – da wäre er der einzige, der sich mit Ruhm be-, äh, na, Sie wissen schon.

Er würde sich von Maly freischwimmen, Prölß-Kammerer hinter sich lassen, und er würde – das ist nicht das Unwichtigste – für Nürnberg etwas Gutes tun (mit der Hilfe von Markus Söder, wohlgemerkt). Ich mag ja den Vogel, Christian, durchaus kritisch sehen. Als Mensch schätzenswert, als Politiker des verbalen Angriffs wert – aber in dieser Sache wünsche ich ihm von Herzen gutes Gelingen. Ich glaube nur nicht so recht daran.

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