Esoterik: Fluch unserer Tage

Ein beliebtes Thema der Esoteriker: Die Rückseite des US-Dollar soll eine "geheime" Botschaft enthalten. Ach ja. Bild: gemeinfrei.
Ein beliebtes Thema der Esoteriker: Die Rückseite des US-Dollar soll eine „geheime“ Botschaft enthalten. Ach ja.
Bild: gemeinfrei.

#532 Man kennt sie ja, man weiß Bescheid: Die „Nürnberger Nachrichten“ wissen einen früh morgens zu unterhalten. Da gibt es immer einen Grund, um an die Wand zu schauen und sich zu fragen: „Ist es wirklich schon so weit?“ Ja, ist es.

Im Stadtanzeiger Nord auf Seite 4 finden wir einen Bericht über einen „Edelsteinladen“ im Norden Nürnbergs. Im Artikel wird ein wenig so getan, als sei das ein normaler Laden, in dem man Steine, Halbedelsteine kaufen und zu Schmuck machen (lassen) könne.

Aber ach, weit gefehlt. Darum geht es bei diesem Laden eben nicht. Es geht um Esoterik übelster und reinster Art.

Kostprobe gefällig? „Ihre tiefere Verbindung mit der lichten Engelwelt wird bei ihr oft gespürt und erfahren.“ Man kann alles mögliche kaufen, sogar Elfen und Einhörner. Prima.

Die NN ist eine Tageszeitung. Eine solche, die aufs tägliche Horoskop verzichtet. Danke dafür. Aber warum reißt Ihr mit dem Hintern wieder ein, was ihr vorne in Ordnung haltet? Ein Esoterik-Laden mag ein schön gestaltetes Schaufenster haben, gut. Aber eine Überschrift à la „Wo edle Steine heilsame Kraft spenden“ ist vernunftwidrig, an sich schon esoterisch und aufklärungsfeindlich. Im Artikel findet sich kein Wort über die „lichte Engelwelt“ und ähnlichen, vernunftwidrigen Unsinn. Warum? Damit der Leser leise auf dem Weg zur Esoterik geführt wird?

Wann lese ich das erste Mal einen Erfahrungsbericht aus einem Bordell? Nie, weil sich das nicht gehört. Aber „lichte Engelwelt“ gehört sich?

NN, wir haben die französische Revolution und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung bereits hinter uns. Wir leben im 21. Jahrhundert. Und Ihr trommelt für etwas, woran immer schon nur die simplen Gemüter glaubten. Na, hurra.

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