Von Brüdern und Schwestern

#522

Die CDU: stets in lieblicher Schwersternschaft der CSU verbunden. Oder?
Die CDU: stets in lieblicher Schwersternschaft der CSU verbunden. Oder?

CDU und CSU werden gerne als „Schwesterparteien“ bezeichnet. Nun ja, nun denn, da ist zwar schon etwas dran, aber man soll es wohl mit der geschwisterlichen Liebe nicht übertreiben, meinen die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, der stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende Armin Laschet (NRW) oder der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament Herbert Reul, ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen.

Am Tage nach der Wahl kommen sie an und meinen, es sei ihre vornehmste Pflicht, die CSU für ihr Wahlergebnis von 40,5 % öffentlich abzuwatschen. Die Brüdern und Schwestern sei gesagt: Das hättet Ihr mal lieber bleiben lassen sollen.

  • Bringt Ihr mal 40,5 % in die Waagschale der EU-Wahl (und zwar als schechtestes Ergebnis, bitte schön).
  • Rettet Ihr mal mehr als einmal die Stärke der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag durch Ergebnisse zwischen 47,7 % (schlechtestes Ergebnis seit 1957) und 60,0 %.
  • Rettet Ihr mal Mehrheiten in der Bundesversammlung. Im Bundesrat.
  • Schafft Ihr mal 57 Jahre Regierung in einem der größten Bundesländer mit einer einzigartigen Erfolgsbilanz.

Dann, liebe Brüder und Schwestern, ist immer noch Zeit und Gelegenheit genug, die CSU öffentlich zu kritisieren.

Zum Vergleich:

  • Im Saarland holte die CDU 34,9 %
  • In NRW holte die CDU 35,6 %
  • In Bayern holte die CSU 40,5 %

Es sind immer noch wir von der CSU, die das Maß der Dinge sind. Haben wir am gestrigen Sonntag an Zustimmung verloren? Hallo, aber wie wir das haben. 7,6 % weniger als beim letzten Mal – das ist hart. Aber deswegen sind wir immer noch diejenige Partei, die dort, wo sie antritt, die erfolgreichste ist, und zwar mit Abstand. Beim Wähler. Und bei den Ergebnissen ihrer Arbeit.

Da brauchen wir keine gouvernantenhaften Belehrungen von Brüdern und Schwestern, die dann, wenn sie jemals das schwächste CSU-Ergebnis erreichen würden, sich als die größten Sieger feierten. Freilich regen wir von der CSU uns darüber nicht auf. Wir nehmen zur Kenntnis, dass Frau Kramp-Karrenbauer, Herr Laschet und Herr Reul unser Ergebnis echt mies finden. Wir gratulieren ihnen herzlich zu ihren gut 5 % schlechteren Ergebnissen und denken uns unseren Teil.

 André Freud

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