Das Wunder der Kommunikation

#494

Kaufhaus Schocken am Aufseßplatz am Tag der Eröffnung (11.10.1926)
Kaufhaus Schocken am Aufseßplatz am Tag der Eröffnung (11.10.1926)

 

In diesem Blog erschien am Freitag ein Artikel, der sich mit den Perspektiven des Schocken am Aufseßplatz befasst. Die Zugriffszahlen auf diesen Artikel waren erfreulich hoch, auch gab es erfreulich viele Zuschriften. Dafür recht herzlichen Dank – und denen mehr Dank, die mir selbst schrieben, als jenen, die es über Bande taten. Weniger erfreulich war, dass es bezüglich des Artikels auch ein gerüttelt Maß an Kritik gab, auf die ich gerne antworten will.

Den meisten kritischen Zuschriften stand ich etwas ratlos gegenüber, weil mir das eine oder andere vorgeworfen wurde, was ich – meinem Verständnis nach – nicht geschrieben habe. Aber da muss ich mir dennoch selbst an die Nase fassen, denn wenn ich mich missverstanden fühle, dann wird das wohl auch daran liegen, dass ich mich auf eine Art und Weise ausgedrückt habe, die missverständlich ist.

Eine Sache ist es, auf Kritik zu reagieren, die trifft. Ein ander Ding aber ist es, Aussagen klarzustellen, damit wir uns über die tatsächlichen Inhalte auseinandersetzen – und nicht über solche, die gar nicht geschrieben wurden.

Fangen wir bei dem Punkt an, der den meisten Widerspruch hervorgerufen hat. Stichwort: Vollsortimenter, also vollsortierter Supermarkt im Schocken. Natürlich gehört da einer rein. Natürlich braucht die Südstadt da einen solchen Laden. Im Artikel habe ich mich nicht gegen einen solchen Laden ausgesprochen oder ihm schlechte Aussichten prophezeit. Ich habe mich allerdings dagegen ausgesprochen, einem Investor dies als Auflage zu erteilen. Sollte es wirtschaftlich nicht vernünftig sein, dann wäre eine solche Auflage bei der Suche nach einem Investor kontraproduktiv. Wenn aber die wirtschaftliche Vernunft für einen solchen Vollsortimenter spricht, wovon ich ausgehe, dann wird der Investor klug genug sein, von ganz alleine einen Vollsortimenter aufzunehmen. Dann braucht es keine Auflage. Mein Thema war also nicht der Vollsortimenter, sondern die Auflage.

Wir leben immer noch und den Vätern des Grundgesetzes sein Dank in der sozialen Marktwirtschaft. Bei uns ist es nicht der Staat (und auch nicht die Stadt), die die Geschäfte betreibt, sondern es sind Unternehmer. Wenn wir wollen, dass Unternehmer sich engagieren, sollten wir ihnen Gelegenheit dazu geben – und nicht irgendwelche Vorschriften machen.

Dieser Gedanke zieht sich durch den Rest des Artikels durch. Freilich wäre es schön, wenn es dort alle möglichen „Benefits“ gäbe. Aber es kommt, wie immer im Leben, auf die richtige Reihenfolge an. Wenn dort ein Investor ein Kaufhaus eröffnet, das gut angenommen wird, dann kann man sich auch mit ihm über Nutzungsmöglichkeiten für non-proft-Projekte unterhalten. Aber eben auch erst dann.

Ein Kaufhausbetreiber, dessen Geschäfte gut laufen, wird schon aus wirtschaftlicher Vernunft bestrebt sein, dass sein Kaufhaus von den Bürgern gerne angenommen wird. Wenn er mit einem Caféhaus und anderen Dingen sich mehr und mehr zu einem Publikumsmagnet entwickelt, wird das seinem Geschäft nützen. So soll es auch sein.

Aber es geht eben nicht andersherum. Wenn man einen Investor sucht, dann sollte man keine Hürden errichten. Wenn ein möglicher Investor lesen muss, was er alles liefern soll, wenn er liest, was für Auflagen ihm gemacht werden, dann bremst das seine Lust auf das Vorhaben enorm ab. Die hier vertretene Vorgehensweise lautet: Wir wollen einen Investor, und wenn der beispielsweise verlangen sollte, dass der U-Bahn-Ausgang von der Stadt dunkelblau angemalt werden soll, damit er das Projekt realisiert, dann würde ich im Zweifel dafür plädieren, dass wir das machen. Wir wollen etwas von ihm – wir sollten ihm entgegenkommen und ihm nicht lauter Auflagen machen, die ihm das Engagement vergällen.

Die im Artikel – offensichtlich nicht klar zum Ausdruck gekommene – Argumentation ist die gleiche, die auch beim Thema Quelle klare Politik der CSU ist: Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die Ankernutzung des Objekts, danach redet man über den Rest. Nur so kann es funktionieren.

Jeder weiß, dass ein Grundstück enorm an Wert verliert, wenn im Grundbuch Nutzungsrechte für Dritte eingetragen sind. Das beschränkt die eigenen Handlungsmöglichkeiten, und deswegen ist ein solcherart belastetes Grundstück schlechter zu verkaufen und deswegen weniger wert. Dreht man aber die Reihenfolge um, dann funktioniert es auf einmal. Ein Unternehmen, das am Aufseßplatz endlich wieder ein Kaufhaus betreibt, wäre doch schön blöd, wenn es die Möglichkeiten nicht nutzen würde, für die Südstädter ein gern aufgesuchter Anziehungspunkt zu sein. Aber es muss die eigene Einsicht des Investors sein, es muss zu seinem Konzept passen. Auflagen bringen hier rein gar nichts – sie wirken abschreckend.

Es geht ja gerade darum, der unter der Schließung des Kaufhofs leidenden Südstadt einen neuen Impuls zu geben. Wir Nürnberger wollen, dass ein Unternehmen richtig viel Geld in die Hand nimmt, um dort etwas zu machen – denn davon profitiert Nürnberg. Von den Arbeitsplätzen, die dort wieder entstehen. Von der Aufwertung, die der Aufseßplatz dadurch erfährt. Und deswegen sollten wir alles tun, was  Investoren anzieht, und alles lassen, was Investoren verschreckt.

In diesem Sinne war der Artikel gemeint, und ich bin nach nochmaliger Lektüre sehr wohl der Ansicht, dass man ihn so verstehen konnte. Jedenfalls hoffe ich, durch diese Klarstellung zu einer Versachlichung der Diskussion beigetragen zu haben. Dieser Blog, der sich stets mit ganz Nürnberg betreffenden Themen befasste und befassen wird, ist ein unter dem Schutz der Meinungsfreiheit stehendes Projekt. Es ist durchaus bedauerlich, wenn manche dieses wichtige Grundrecht nicht achten, oder wenn zu ad personam gerichteten Verlegenheitsargumenten gegriffen wird. Derlei richtet sich selbst. In der Sache aber lohnt es sich sehr wohl, um den richtigen Weg zu streiten. Nach dem Wegfall des bisher in Verhandlungen befindlichen Investors geht die Suche weiter. Ich setze mich dafür ein, dass wir einem Investor einen roten Teppich ausrollen – und nicht dafür, dass sein Weg durch Auflagen, Hemmnisse und Hürden erschwert wird. Eben deswegen, weil mir der quasi leerstehende Kaufhof weh tut.

André Freud

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