Man muss auch jönne könne, …

#493

Maly, Uli, Dr., Oberbürgermeister (noch), haltenzugnaden
Maly, Uli, Dr., Oberbürgermeister (noch), haltenzugnaden
© Freud 2014

 

…wie der Rheinländer sagt, oder eben: gönnen können. Seit längerem waberte der Gedanke im Hirn, unseren Ober, Maly, Uli, Dr., haltenzugnaden, der zuweilen ja schon ein wenig arg majestätisch auftritt und eine recht hohe Flughöhe erreicht hat, mal wieder ordentlich zu erden. Da ist so ein kleines Detail, das fürs Aufspießen gar ungemein geeignet schien.

Carolus Rex, König Karl, war eine typische Dienstbezeichnung eine römischen Herrschers – im Sinne des Heiligen Römischen Reiches, später: Deutscher Nation. Der Schriftzug lautete dann in der Kurzform „Carolus R.“. Die Queen beispielsweise unterschreibt mit „Elizabeth R.“ für „Elisabeth Regina“, wie man hier sehen mag:

"Elizabeth R." für "Elizabeth Regina" Kein ©, da keine Schöpfungshöhe Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Elizabeth_II._Unterschrift_Flaggengesetz.png
„Elizabeth R.“ für „Elizabeth Regina“
Kein ©, da keine Schöpfungshöhe
Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Elizabeth_II._Unterschrift_Flaggengesetz.png

Nun könnte ja auch unser Ober, wie der Nürnberger den Herrn Oberbürgermeister in feinem Bürgersinne nennt, bei seiner ihm auch von politisch Näherstehenden attestierten „großen Flughöhe“ einmal so weit über den Dingen schweben, dass ihm die Idee käme, künftig als „Uli R.“ aufzutreten. Ein schönes Indiz dafür, so mochte man glauben, war das Kennzeichen an seinem Dienstfahrzeug, das die Buchstaben „UR“ aufzeigt. Schon das eine oder andre Mal frug ich mich, wie das in einem freundlich-bissigen Artikel gebracht werden könne.

Aber ach, leider wird das nichts. Das „R“ nämlich steht für den Vornamen des Fahrers, den ich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nenne. Und damit ist die kleine Idee perdu.

Jedoch: Wer weiß? Es bleibt noch die Deutung, dass das „R“ zwar für den Fahrer steht, aber eben zugleich auch den schönen, hier angesprochenen Doppelsinn aufzuweisen hat.

Jedenfalls war der Ober gestern bei der „roten Luftpumpe“ der SPD mal wieder ein amüsanter Plauderer. Wie er es schaffte, anlässlich einer Verleihung dieses Preises der Muggenhofer SPD den Ausgezeichneten mit einem Grußwort zu ehren, dabei aber quasi kein Wort über ihn verlor, sondern bemüht war, bei seiner SPD den selbstverursachten Schaden in Sachen Quelle und Fürther Straße schönzureden, war schon aller Ehren wert.

Ein paar Kleinigkeiten aber mag man dem Ober doch noch mit auf den Weg geben. Zum einen erwähnte er zurecht, dass die Fürther Straße eine wunderbare Boulevard-Geschichte hat. Geschichte ja, aber keine Gegenwart, denn dass die Fürther Straße kein Boulevard mehr ist, sondern dass die SPD aus der breitesten Straße Deutschlands nach „Unter den Linden“ in Berlin einen optischen und funktionalen Irrwitz machte, der aus verschwenkten Schmalspuren besteht und keine Sichtachsen mehr hat, trotz überbreiter Bürgersteige keine seitlichen, sondern sinnlose, mittige Grünflächen aufweist – und dass sie jetzt gar einspurig werden soll, was kluge Wähler verhüten mögen, das alles hat er nicht gesagt.

Auch mit anderen Teilen seiner Rede lag unser Ober etwas daneben. So berichtete er von einem Rettungsflug nach Schweden, als die AEG auf der Kippe stand. Es wurde ein Regierungsflugzeug benutzt, und dort, so bekannte er, wurde als allererstes die für den recht leibesvollen Bundeskanzler Helmut Kohl umgebaute Toilette besichtigt. Derlei Episoden bringen bei der SPD immer einen Lacher. Was aber unser Ober dabei zu erwähnen vergaß, ist der Umstand, dass nun ein ganz anderer von diesem Umbau profitiert: der ja nun auch nicht eben als Fotomodell eines Diätmittelherstellers für „nachher“ geeignete Sigmar Gabriel. Naja, nicht jede Pointe bleibt ohne Treppenwitz.

Jedenfalls war’s ein netter Abend bei der SPD, man war wirklich höflich-freundlich zu den zwei Schwarzen, die gekommen waren, und so soll es auch sein. Streit in der Sache, und ansonsten gut miteinander auskommen – das ist doch etwas. Jetzt noch den 3er bei ein paar CSUlern machen (Ihr wißt schon: „Gestalten statt verwalten“ und „Nürnberg ist mehr wert“), und dann mag ich meine Sozis richtig gern.

André Freud

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