Für die Nordanbindung

#491

Dieses Schild fehlt
Dieses Schild fehlt

Gestern erreichte mich ein Schreiben des Bündnisses „Nein zur Flughafen-Nordanbindung“ mit der Frage „Wie stehen Sie zur Nordanbindung?“. Ich habe dieses Schreiben ausführlich beantwortet und diese Antwort eben abgeschickt. Aber hey – wenn ich mir schon diese Mühe gebe, dann will ich die Antwort auch hier veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Landrock,

danke für Ihr Schreiben vom 15.01.2014. Auf die darin gestellte Frage, wie ich als Bewerber um ein Stadtratsmandat zur Nordanbindung des Nürnberger Flughafens stehe, gebe ich Ihnen gerne Antwort.

Sofern Sie diese veröffentlichen möchten, erkläre ich dazu mein Einverständnis; zugleich bitte ich schon aus Gründen der Fairness um Vollständigkeit einer Veröffentlichung.

Ich erkenne an, dass sich die Mitglieder des Bündnisses „Nein zur Flughafen-Nordanbindung“ (vielleicht und aus meiner persönlichen Sicht: nicht nur, aber jedenfalls auch) aus vernünftigen und nachvollziehbaren Motiven heraus die Frage stellen, ob die Nordanbindung erstens gut und zweitens ihren Preis – und das nicht nur in Geld – wert ist.

Im Gegensatz zu Ihnen bejahe ich beide Fragen: Die Nordanbindung ist eine gute Sache und den zu entrichtenden Preis wert.

Nürnberg ist Bayerns zweitgrößte Stadt, und es ist die größte Stadt zwischen München, Frankfurt, Stuttgart und Leipzig. Seit dem Hochmittelalter lebt die Stadt in großen Teilen vom Handel. Die NürnbergMesse ist weltweit (!) die fünfzehntgrößte Messegesellschaft. Historisch hat sie ihre Ursprünge in der Weisung des „Reichsheiltums“, die erstmals 1361 und ab 1424 jährlich vor der Frauenkirche stattfand. Die Nürnberger Messe ist, das wird gewiss parteiübergreifend so gesehen, ein tatsächlich unverzichtbarer Faktor für den Wohlstand der Noris. Um Wohlstand für möglichst viele Menschen muss es der Politik stets gehen. Die NürnbergMesse wird ihre höchst erfolgreiche Arbeit nur dann fortsetzen können, wenn sie mit der erforderlichen Infrastruktur versehen ist. Ein internationaler Verkehrsflughafen gehört hier zwingend dazu. Keine der ähnlich erfolgreichen Messegesellschaften weltweit hat einen kleineren Flughafen als Nürnberg. Zur Beschreibung der Wirklichkeit gehört auch, dass kein anderer deutscher internationaler Verkehrsflughafen ohne direkte Autobahnanbindung ist – nur der Nürnberger Flughafen hat diese weltweit als selbstverständliche erachtete Infrastruktur nicht.

Die gegenwärtige Lage beurteile ich so, dass die Messe trotz der relativ kleinen Größe des Flughafens erfolgreich ist (und gewiss nicht deswegen).

Wir sollten bestrebt sein, den Flughafen nicht zum Standortnachteil werden zu lassen. Das wäre definitiv der Fall, wenn der Nürnberger Flughafen zu einem Regionalflughafen ohne die für den Geschäftsverkehr erforderlichen Verbindungen schrumpfte.

Dieses Argument gilt auch für die weltweit agierenden Unternehmen im nahen Einzugsbereich des Flughafens und für solche Unternehmensstandorte, die international agierenden Unternehmen gehören. Mir ist bewusst, dass es Menschen gibt, die fordern, dass Messebesucher und Geschäftsreisende doch auch mit der Bahn anreisen könnten. Das aber ist an der Realität vorbei gedacht. Ohne Beachtung der Frage, ob ein solcher Wunsch überhaupt des Wünschens wert wäre: er ist nicht realistisch. Im weltweiten Geschäftsleben sind schnelle, direkte und sichere Verbindungen zwingende Voraussetzungen für den Erfolg. Ich möchte in unserer Messe weiterhin solche Veranstaltungen sehen, die in ihrer Branche weltweit führend sind. Dazu leistet eine NorisBike-Station am Flughafen keinen Beitrag, aber die Nordanbindung wird dies tun. Dass darüber hinaus die Anbindung an das städtische ÖPNV-Netz mit der U2 eine prima Sache ist, dürfte Konsens sein. Nur: Warum soll lediglich der ÖPNV, nicht aber auch der Individual(-fern-)verkehr gut angebunden sein?

Auch die – doch wohl von allen zu begrüßenden – Pläne zur Erweiterung der Aktivitäten der „NürnbergConvention“ bedingen einen internationalen Verkehrsflughafen.

Ähnliches gilt für den internationalen Tourismus. Städte mit hervorragender Anbindung an die weltweiten Reiseströme haben ein anderes, ein besseres touristisches Potential. Freilich: Rothenburg ob der Tauber oder Schloss Neuschwanstein haben auch sehr viele Besucher, aber die wenigsten bleiben länger als einige Stunden. Wer Touristen haben möchte, die länger bleiben, und das möchte ich, der muss auch Sorge dafür tragen, dass sie gut, bequem, schnell anreisen können. Deswegen ist ein internationaler Verkehrsflughafen aus meiner Sicht unabdingbar.

Unser Flughafen ist an die Autobahnen schlecht angeschlossen. Darüber dürfte Einigkeit bestehen. Dissens besteht in der Frage, ob dieser Anschluss über eine Kreisstrasse vierter Ordnung zumutbar ist oder nicht. Ich halte ihn für den Erfolg unserer Stadt wie der gesamten Metropolregion für hinderlich und deswegen für unzumutbar.

Der Flughafen gehört an das Nürnberg recht üppig umgebende Autobahnnetz direkt angeschlossen. Nur ein solcher Anschluss wird einerseits den Ansprüchen der Reisenden gerecht und erlaubt andererseits eine Verkehrsführung, die – auch in Anbetracht dringend erforderlicher Wohnungsneubauten – einen Teil des Verkehrs von den ohnehin stark ausgelasteten Straßen (B4, Marienbergstraße, Ziegelsteinstraße etc.) abzieht. Das gilt übrigens auch besonders für den Lastverkehr. Luftfracht ist ein weltweit und auch bei uns steigender Faktor. Das mag man begrüssen oder auch nicht, aber damit müssen wir umgehen. Nürnberg ist – insbesondere am Standort Hafen – das grösste Logistikzentrum Süddeutschlands. Auch dies erfordert in zunehmendem Maße einen auch für Lastverkehr möglichst direkten und unmittelbaren Zugang zum Flughafen.

Ein solcher Anschluss ist durch die Nordanbindung möglich. Die netto zu erfolgende Landschaftsversiegelung halte ich für hinnehmbar; es sind reichlich Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen.

Mit der Frage, ob die Nordanbindung ein Vorhaben ist, das keinerlei Nachteile mit sich bringt, sollte man sich gar nicht erst befassen: keine Maßnahme ist ausschließlich und in den Augen aller nichts anderes als tadellos. Fraglich ist, ob die Vorteile überwiegen, und wie sehr sie dies tun. Gerade weil eben auch Ausgleichsflächen geschaffen werden, gerade weil Verkehr entzerrt wird, gerade weil Wohngebiete vom Verkehr entlastet werden, bin ich ein klarer Befürworter dieser den Luftverkehrsstandort Nürnberg stärkenden, den Wirtschaftsstandort Nürnberg stärkenden, das Touristenziel Nürnberg stärkenden Maßnahme.

Einen Konflikt zu den – von mir ebenfalls befürworteten – Plänen einer Stadt-Umland-Bahn von der Technischen Hochschule durch die Pirckheimer Straße nach Erlangen und weiter nach Herzogenaurach – vermag ich nicht zu erkennen, insbesondere auch nicht in Bezug auf die Möglichkeiten der Förderung durch Land, Bund und Europa.

In Bezug auf die Kosten und das von Ihnen behauptete Konfliktpotential mit der StUB verweise ich darauf, dass die Nordanbindung als Autobahnzufahrt bis auf die Arbeiten am Flughafenkreisel vom Bund bezahlt werden wird. Es gibt hier weder einen Konflikt noch ein solches Potential.

Sie schreiben – sehr richtig –, dass Verkehrskonzepte stets ein die Bürger emotional berührendes Thema sind. Sie werden mir zugeben, dass ich in meiner Argumentation wenig Emotion, sondern eher die Ratio für meine Sichtweise sprechen lasse.

Ihrer Darstellung, dass bei der Landtagswahl solche Kandidaten hinzu gewannen, die sich gegen die Nordanbindung aussprachen, und solche verloren, die sich dafür aussprachen, vermag ich nicht zu folgen.

Zum ersten traten sowohl Michael Brückner als auch Arif Tasdelen das erste Mal zur Landtagswahl an. Vergleiche mit den Ergebnissen früherer Kandidaten sind daher, freundlich formuliert, etwas arg wenig belastbar. Bei der 2008er Wahl war es Ministerpräsident Günther Beckstein, der in Nürnberg auch über die Parteigrenzen hinaus viel Respekt erfährt; Michael Brückner war 2013 der neue, der vielen unbekannte Kandidat. Beider Ergebnisse miteinander zu vergleichen, erlaubt exakt null Schlussfolgerungen.

Zum zweiten drucken Sie zwar fett den angeblichen Stimmenzuwachs (oder -verlust), aber gewonnen hat diesen Wahlkreis der Befürworter der Nordanbindung, Michael Brückner MdL. Das erkennt der uninformierte Betrachter keineswegs ohne weiteres aus Ihrer Grafik. Solche Methoden sprechen nicht für das von Ihnen vertretene Ansinnen.

Zum dritten aber ist der Versuch, diese angebliche Veränderung mit den Meinungen der Kandidaten zur Nordanbindung in Zusammenhang zu bringen, absolut untauglich. Ich weiß nicht, aber Sie wissen eben auch nicht, wie die Wahl ausgegangen wäre, wenn Brückner gegen die Nordanbindung gewesen wäre und Tasdelen dafür. Das sind reine Mutmaßungen; als Argument ist das nicht relevant.

Zur Vervollständigung meiner Sichtweise teile ich Ihnen mit, dass ich selbst zumeist die U-Bahn nehme, wenn sie mich ans Ziel bringt. Wenn ich selbst fliege, nehme ich übrigens ausschließlich die U-Bahn zum Flughafen. Das kann ich deswegen so halten, weil ich nahe an einer U-Bahn-Station wohne – und nicht etwa außerhalb Nürnbergs in der Metropolregion. Andere Wege mache ich in der besseren Jahreszeit gerne mit dem Rad, auch im Anzug zu öffentlichen Terminen. Das Auto steht auch jetzt im Winter oft eine Woche oder länger unbewegt herum; ins Büro nehme ich fast ausnahmslos die U-Bahn. Sie haben in mir gewiss keinen Bewerber um ein Stadtratsmandat, der eine einseitige Individualverkehr–Verkehrspolitik befürwortet. Mir kommt es darauf an, dass alle Verkehrsarten ihre gute Berechtigung haben und darauf, dass sie alle ihre Funktion erfüllen. Mir geht es um ein bestmögliches Miteinander der Mobilitätsarten, um ein gutes Verzahnen der Systeme zum Nutzen unserer Stadt.

Sie werden mit meiner Antwort nicht zufrieden sein, was deren Inhalte betrifft. Ich hoffe, Sie erkennen an, dass ich die Gelegenheit zur argumentativen Auseinandersetzung wahrnahm. Vielleicht vermag der eine oder andere Punkt auch in Ihrem Bündnis zur Diskussion anzuregen. Denn schließlich gilt, dass die Demokratie vom Streit lebt. In diesem Sinne bleibe ich

mit freundlichem Gruß

André Freud

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