Nürnbergs SPD macht Wahlkampf gegen OB Maly

#489

OB Maly: Die eigene SPD demonstriert gegen ihn: Vorm Volksbad, im Internet
OB Maly: Die eigene SPD demonstriert gegen ihn: Vorm Volksbad, im Internet – © Freud

Maly macht das Volksbad dicht – die SPD demonstriert für die Wiederinbetriebnahme des Volksbads. Maly bringt das Projekt „Uni auf Quelle“ zum Scheitern – die SPD macht eine Online-Bittschrift, dass bitteschön auf Quelle etwas – irgend etwas, egal was – geschehen soll.

Der SPD-OB regiert, die SPD demonstriert, und zwar gegen ihn.

Freilich, die Dinge sind komplizierter, als sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. So ist eine Online-Bittschrift schlicht und ergreifend eines: Wirkungslos. Wissen Sie, werter Leser, an wen diese Bittschrift gerichtet ist? An OB Maly! Der hat weder einen Plan, was aus dem Objekt werden soll, noch hat er Geld, um etwas zu machen. Und an Sonae Sierra natürlich, jenen famosen Projektentwickler, der auf Quelle gerne ein Luxus-Einkaufszentrum errichtet hätte, wenn der Freistaat mal eben eine Milliarde ausgeben würde, um gleich hinter der Gemüseabteilung links eine kleine Uni einzurichten, damit das Areal überhaupt irgendwie belebt wird. Was der Freistaat natürlich nicht tut, denn dessen Finanzminister ist zwar einer, der sich sehr für seine Heimatstadt Nürnberg einsetzt, aber zugleich einer, der über seiner Heimatverbundenheit nicht die Fähigkeit des Denkens aufgegeben hat. Aber das scheint nicht für alle zu gelten – vor allem nicht für jene, die eine Online-Bittschrift ins Internet stellen.

So stellen sich unsere Nürnberger Polit-Imitatoren eben die große Politik vor: Wir tanzen unsere Wünsche ins Internet, und heißa, plötzlich werden sie wahr. War nicht eben erst Weihnachten, und die lieben Kleinen bekamen ihre Wunschzettel wahrgemacht? Na also, geht doch! Und die NN, die Zeitung für den politischen Erstkläßler, schreibt in Person ihres am liebsten ernstzunehmenden Redakteurs Andreas Franke peinliche Dinge wie eine Suada, in der eine Internet-Bittschrift für schön, wichtig und richtig erklärt werden soll.

Was sie natürlich nicht ist. Eine Internet-Bittschrift ist so ziemlich das Peinlichste, was ein Mensch auf die Beine stellen kann, der sich von einem esoterischen Selbstmitleidstölpel dadurch unterscheiden möchte, dass er sich ernsthaft für die Menschen einsetzt. Eine Internet-Bittschrift hat noch niemals etwas bewirkt. Kleine Einschränkung: Sie schafft Öffentlichkeit, kann Interesse wecken. Aber das ist in Nürnberg unnötig, und außerhalb Nürnbergs unwirksam. Diese Internet-Bittschrift ist eine emotionale Blähung, und sonst nichts.

Fassungslos und wütend macht der Umstand, dass manche nicht davor zurückschrecken, diese Parodie als „Politik“ zu verkaufen. Und dass andere, die es besser wissen, so tun, als würden sie auf diese Mogelpackung hereinfallen. Ja, Sie sind gemeint, Herr Franke.

So züchtet die vierte Gewalt die Politikverdrossenheit heran, über die sie dann mit Krokodilstränen berichtet: Erst werden – wider besseres Wissen! – sinnlose Hoffnungen geweckt und geschürt, und wenn die dann nicht wahrgemacht werden, dann ist natürlich nicht der Medizinmann mit seinem sinnlosen Regentanz schuld, nein, sondern die böse Realität. Das alles ist so widerlich und armselig, dass es Schaudern macht.

Der Witz daran aber ist, dass die SPD konsequent Wahlkampf gegen ihren eigenen OB macht: beim Thema Volksbad und beim Thema Quelle geht’s los. Wo geht’s weiter?

André Freud

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