Wenn die NZ mit den Sozis kungelt und der Ober-Grüne Schelln androht

#486

Die Scheinheiligen entlarven
Die Scheinheiligen entlarven

 

Die SPD rief gestern zur Demo: Pro Volksbad. Das ist insofern eine Frechheit, als es die SPD war, die zusammen mit den Grünen das Volksbad geschlossen hat. Oder würden Sie, werter Leser, es – beispielsweise – dem gemeinsamen Verlag von NN und NZ abnehmen, wenn der plötzlich für faire Berichterstattung demonstrieren würden? Na also. Würden Sie nicht.

Es ist schon arg scheinheilig, also: verlogen, wenn die SPD das Volksbad schließt, wenn sie es dann mit Krokodilstränen bedauert, wenn dann der SPD-OB davon spricht, das Thema zur „Chefsache“ machen zu wollen und man daraufhin nie wieder etwas davon hört und dann die SPD, ausgerechnet die SPD, mit einer Demo zum 100. Geburtstag des Volksbads sich als dessen Retter inszenieren will.

Niemand nähme es der katholischen Kirche ab, wenn sie zur Demo pro Frauenpriesterweihe aufriefe. Niemand nähme es der NN ab, wenn sie pro objektive Berichterstattung demonstrieren ginge.

Freilich: Der SPD-Ortsverein kann natürlich pro Volksbad sein, während der SPD-OB Maly contra Volksbad ist. Derlei kommt in politischen Parteien schon mal vor, und das müssen dann beide Seiten aushalten. Nennt sich Demokratie und ist gut, auch wenn’s zuweilen schmerzt. Was man aber nicht aushalten muß, als Bürger, ist, wenn der SPD-Ortsverein so tut, als hätte der OB mit der SPD nichts zu tun…

Damit sie mit dieser Heuchelei nicht durchkommen, kamen zwei gut gelaunte Vertreter der Gostenhofer CSU zu SPD-Demo dazu. Auf dem Bild oben sieht man die beiden und deren bescheidenes Plakat (Bilder vom Einsatzort folgen noch). Aber man glaubt kaum, was dann so alles vor sich ging.

Der örtliche Vertreter der SPD, in hellbrauner Lederhose, verkündete stumpf etwas von „dumm“ und „doof“ und kam dauernd mit seiner brennenden Kerze (Sie wissen schon – zum „Mahnen“ ans Volksbad) an das harmlose Plakat.

Der Gostenhofer Obergrüne namens Müller erlaubte tiefe Einblicke in sein Demokratieverständnis und seine Gewaltfreiheit. Er führte sich nicht nur auf wie das, was in der „DDR“ mit dem blöden Namen „Abschnittsbevollmächtigter“ bezeichnet wurde. Er forderte nicht nur im blasierten Ton der angemaßten Obrigkeit dazu auf, weiterzugehen – na, Herr Müller, auch Sie mit Ihrem Kinderkrippenkurs ins Sachen Demokratie werden noch erdulden, ertragen und erfassen müssen, daß Demokratie nicht dann ist, wenn Sie alleine Ihre Ansichten verkünden dürfen. Nein, damit hatte sich der Grünen-Müller noch nicht hinreichend blamiert. Er bot dann, als alle nebeneinander standen und manche – sinnvolle – Diskussion geführt wurde, plötzlich und ohne jedes Vorkommnis den CSUler „Schelln“ an. Für den Nicht-Nürnberger: Prügel. Er wiederholte das auf Nachfrage noch. Nein, da hat niemand etwas falsch verstanden. Und nein, Müller wurde nicht provoziert. Er hat eben sein besonderes Demokratie-Verständnis. Oder, wie ein anderer Grüner vor Ort sagte: „Müller spricht nicht für die Grünen. Der spricht vor allem für sich.“ Mag ja sein. Aber so einer darf den Ortsvorsitzenden einer ach so basisdemokratischen Partei spielen, der bereits von Prügeln redet, wenn er nur die Existenz einer anderen Meinung ertragen muß? Was auch immer uns das sagt: Es sagt nichts Gutes, unter anderem über die Grünen.

Ja, und dann die NZ. Sie war vor Ort vertreten – im Gegensatz zur NN, die doch eigentlich für die SPD-Hofberichterstattung zuständig ist. Heute ist in der NZ in einer winzigen Bildunterschrift zu lesen, daß es „zu einem verbalen Gerangel“ kam um die Frage, „welche Partei sich schon länger fürs Volksbad einsetzt“. Das ist schon mal einfach nicht wahr. Wie man dem Bild oben entnehmen kann, ging es nicht um die Frage, wer sich „schon länger“ für etwas einsetzt; solche Themen sind in der Politik ungefähr so bedeutsam wie der Wetterbericht vom Dienstag vor 17 Jahren. Jeder kann seine Meinung ändern, weil er klüger wird, weil Standpunkte sich ändern. Niemals würde ich mich (nur) deswegen über die SPD lustig machen, weil sie heute etwas für richtig erkannt hat, was sie früher ablehnte. Darum ging der Streit nicht, @NZ. Ich begreife aber, daß Ihr von der NZ das nicht bringen konntet: es hat sich ja auch niemand mit den CSUlern unterhalten. Vom Grünen-Müller und dem SPDler wurde in den Block diktiert, was ging. Aber die Schwarzen – die wurden gar nicht erst gefragt. Um so erstaunter liest man dann heute die Zeile „Mehr dazu in der morgigen NZ-Ausgabe“. Morgen? Wir sind ja schon mal sehr gespannt. Vielleicht steht morgen etwas in der NZ. Zwar nicht über das angekündigte Pubertätsthema „Wer ist schon länger an dem Thema dran?“, denn dieses Thema gab es gar nicht. Und vielleicht nimmt die NZ ja sogar noch Kontakt auf zu jenen, die da für die CSU vor Ort waren. Gestern jedenfalls war man so interessiert wie man halt von Seiten der Nürnberger Presse immer interessiert ist, wenn einer mal etwas anderes sagt als die SPD: eigentlich gar nicht.

Und die Moral von der Geschicht‘? Ganz einfach: Wenn dieser Aufmerksamkeitsfaktor noch nicht ausreicht, dann legen wir eben noch einen drauf.

André Freud

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