Quelle oder AEG? Aleae iactae sunt.

#482

Drei Minister heute auf AEG: Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle, Finanz- und Landesentwicklungsminister Dr. Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann
Drei Minister heute auf AEG: Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle, Finanz- und Landesentwicklungsminister Dr. Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann

Der Asterix-Leser kennt sich aus, der weiß Bescheid: „aleae iactae sunt“ heißt „die Würfel sind gefallen“. Denken alle – stimmt aber nicht. Genau genommen heißt es „die Würfel sind geworfen“. Sie sind im Fluge, vielleicht auch schon gelandet – die Entscheidung ist getroffen, aber wie sie am Ende genau aussehen wird, ist dem Blick noch entzogen. Daher ist dieses Wort für ein Ereignis des heutigen Tages zutreffend.

Auf AEG kamen heute drei Staatsminister zusammen, um die Presse über eine Entscheidung zu unterrichten. Finanzminister Dr. Markus Söder, Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle und Innenminister Joachim Herrmann gaben mehrere Entscheidungen bekannt.

  1. Das Thema „Uni auf Quelle“ ist erledigt: Dazu wird es nicht kommen.
  2. Auf AEG wird gemäß den Empfehlungen des deutschen Wissenschaftsrats ein Hochtechnologie-Campus entstehen, dessen Nukleus mit dem EnergieCampus bereits besteht.
  3. Der Freistaat wird die hierfür benötigten Flächen nicht mehr mieten, sondern kaufen.

Zu den Gründen, die zu dieser Entscheidung führten:

Markus Söder stellte fest, daß in dieser Diskussion bisher vor allem die Nichtzuständigen öffentlich diskutierten. Zuständig für Universitäten sind der Wissenschaftsminister Spaenle als sachlich zuständiger Minister, Innenminister Herrmann als für Bauten des Freistaats zuständiger Minister, und Finanzminister Söder, der am Ende bezahlt. Maßgeblich für die Überlegungen ist, daß der Uni-Standort Nürnberg gestärkt wird. Es stand die Frage im Raum, ob das Quelle-Areal dafür geeignet ist. Söder stellte klar, daß für ihn ein etwaiger Abriß der Quelle-Gebäude kein Selbstzweck gewesen wäre, sondern eine zu diskutierende Option. Maßgeblich für eine Entscheidung seien die Nutzungsmöglichgkeiten der bestehenden Gebäude sowie die für einen Umbau erforderlichen Kosten. Eben diese Kosten machen allerdings jede Nutzung der Quelle-Gebäude absolut unvertretbar.

Auf AEG hingen, so Söder, ist bereits ein Stück modernster Uni entstanden. Die baulichen Voraussetzungen sind gegeben. Während auf Quelle die Statik für eine Nutzung innerhalb der technischen Fakultät nicht ausreicht, sind diese Anforderungen auf AEG erfüllt. Dort, auf AEG, ist bereits ein Campus von internationalem Format im Entstehen. Das AEG-Gelände ist wissenschaftlich, baulich und finanziell geeignet für eine Entwicklung als Uni-Standort. Deswegen wurde entschieden, die Uni dort zu entwickeln. Die Perspektiven seien hervorragend – vor allem auch deswegen, weil es dort zu einem Vereinigung von Universität (FAU), Technischer Hochschule (G.S. Ohm), Fraunhofer, Helmholtz und wissenschaftsnaher Produktion kommen wird.

Innenminister Herrmann stellte fest, daß der Freistaat willens und bereit sei, die Stadt Nürnberg bei der Entwicklung der Uni zu unterstützen. Das Quelle-Areal hätte der Stadt gehören können, aber es gehört nun Sonae Sierra, einem portugiesischen Immobilienunternehmen. Sonae Sierra hat das Quelle-Areal mit rd. 250.000 qm Gebäudenutzfläche erworben und am 09.09. dem Freistaat Bayern einen Teil von 70.000 qm zum Kauf angeboten. Bis Ende November wurde vom Innenministerium eine baufachliche Stellungnahme zur universitären Nutzung erstellt. Diese ergab, daß von den angebotenen 70.000 qm etwa 32.000 qm für die Uni nutzbar wären. Allerdings nicht im gegenwärtigen baulichen Zustand: das Gebäude ist nicht hinreichend anfahrbar, die Böden sind nicht ausreichend belastbar, die Gebäude sind nicht erschütterungsfrei. Alleine für die Instandsetzung dieser 32.000 qm wären 340 Millionen € erforderlich. Das wäre deutlich teurer als Neubaukosten. Schon aus diesem Grund ist das Angebot zu schlecht, um angenommen zu werden. Die von nicht kompetenten Diskussionsteilnehmern plötzlich ins Gespräch gebrachte Verlagerung der Technischen Fakultät von Erlangen nach Nürnberg käme sowieso nicht in Frage. Es geht nicht darum, Erlangen einen Teil der Uni wegzunehmen. Worum es geht, ist etwas ganz anderes: Daß neue, zusätzlich entstehende Lehrstühle nicht ausnahmslos alle in Erlangen angesiedelt werden müssen, sondern teilweise im Zuge eines sinnvollen, geschlossenen Plans auch in Nürnberg angesiedelt werden können.

Innenminister Herrmann machte klar, daß diese ganze Diskussion um die Standorte von manchen aus einem etwas schrägen Blickwinkel betrachtet wird. In München sind die Distanzen zwischen diversen Fakultäten und Lehrstühlen größer als zwischen Erlangen und Nürnberg. Alle Beteiligten brauchen einen regionalen Blick auf die gesamte Universität. Außerdem wird nichts umverteilt, sondern aufgebaut und ausgebaut.

Der Präsident der Friedrich-Alexander-Universität, Dr. Karl-Dieter Grüske, gab ein klares Bekenntnis zum Unistandort Nürnberg ab. Derzeit seien 8.000 von 35.000 Studenten der FAU in Nürnberg. Das wird weiter ausgebaut. In Nürnberg entstehen auf AEG zehn Professuren mit Lehrstühlen und Personal. Die Größenordnung ist auf AEG die gleiche wie auf dem Quelle-Gelände, wenn man die Quelle-Gebäude abgerissen hätte. Die Möglichkeiten auf AEG sind signifikant besser als auf Quelle. Auf AEG entsteht ein neues nationales Leistungszentrum für Elektroniksysteme – hier bauen Fraunhofer Institut und FAU gemeinsam etwas auf. Entscheidend sei für ihn die Aussage des Freistaats, auf AEG Eigentum zu erwerben und nicht Mieter zu bleiben.

Markus Söder stellte erneut klar: Wie der Freistaat seine Unis entwickelt, entscheidet im Auftrag des Bayerischen Landtags die bayerische Staatsregierung: Der Wissenschaftsminister koordiniert, der Innenminister baut und der Finanzminister bezahlt. So ist die Zusammenarbeit geregelt, und natürlich werden die Bürgermeister von der Staatsregierung gehört – aber am Ende entscheidet die Staatsregierung.

Für den Besucher der Pressekonferenz stellt sich die Sache so dar, daß es möglicherweise eine Chance gegeben hätte, auf Quelle eine Uni-City zu errichten. Diese mögliche Chance haben Nürnbergs OB Uli Maly und die Nürnberger SPD zunichte gemacht, indem sie die Uni in ein ungeeignetes Gebäude pfropfen wollten, indem sie den – an sich natürlich völlig berechtigten – Interessen eines Immobilienentwicklers die Pläne für die Uni unterordnen wollten.

Ludwig Spaenle stellte noch einmal und unter Zustimmung der Kabinettskollegen Markus Söder und Joachim Herrmann fest: Das Gebäude hat sich nach der Idee zu richten – nicht aber die Idee nach dem Gebäude. Recht hat er – es ist ja eben dieser Unsinn gewesen, den OB Uli Maly, den die Nürnberger SPD gefordert hat: die Uni soll mit enormen Beträgen vom Freistaat dabei unterstützt werden, um am Ende das Tages in das Konzept eines Einkaufszentrums zu passen. Und das kann es nicht sein.

Aus Nürnberger Sicht kann man froh darüber sein, daß die bayerische Staatsregierung dieses von vornherein zum Scheitern verurteilte Vorgehen von OB Maly und der SPD insoweit kuriert werden konnte, als zwar alle Überlegungen für die Uni auf Quelle erledigt sind, aber daß der Freistaat mit hohen Beträgen daran geht, die Uni auf AEG auf Dauer anzusiedeln, großzügig auszubauen, und dabei die Unterstützung aller relevanten Personen und Institutionen hat.

Der Westen Nürnbergs wird von dieser Entwicklung auf noch ungeahnte Weise profitieren. Bleibt zu hoffen, daß OB Maly und die Nürnberger SPD die sich hier durch die von der Staatsregierung geöffnete Tür gehen und dieses Vorhaben mit allem unterstützen, was die kommunale Ebene dazu beitragen kann. Die Nürnberger CSU, soviel ist gewiß, wird alles tun, um diese Entwicklung der Uni durch engagierte Entscheidungen rund um die Stadtplanung nach Kräften zu unterstützen. Und der Verfasser dieser Zeilen, Ihr Stadtratskandidat #33, wird sich dafür ganz besonders ins Zeug legen.

André Freud

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