Einmal um die halbe Welt…

#478

Die Sendungsverfolgung beweist: In 24 Stunden mit drei Flügen über drei Länder - kein Problem. Aber dann: Anderthalb Tage von Köln nach Düsseldorf. Geht's noch?
Die Sendungsverfolgung beweist: In 24 Stunden mit drei Flügen über drei Länder – kein Problem. Aber dann: Anderthalb Tage von Köln nach Düsseldorf. Geht’s noch?

Logistik ist einer der zentralen Berufszweige unserer Zeit. Es gibt nicht nur keine italienische Mortadella ohne funktionierende Logistik oder kein Nasenspray, nein, es gäbe auch keine Kolb’schen Laugenbrezn oder keine französische Sauerrahmbutter.

Insofern freut sich der Mensch, daß wir hierzulande ein tolles Logistiksystem haben, das von den Gummibärchen bis zur Windkraftanlage alles schnell, zeitgerecht und zuverlässig dorthin befördert, wo es erwartet wird. Haben wir doch, oder?

Oder. Der Verfasser dieser Zeilen benötigt ein Arbeitsgerät; dieses wurde bestellt und am Samstagnachmittag gegen 1730 (immer Ortszeit) in Shanghai dem Logistikunternehmen übergeben. Dieses ist eines der weltweit größten, seine Fahrzeuge sind braun, aber aus Datenschutzgründen wollen wir mal den Namen des Unternehmens nicht verraten. Von dort wird es verzollt und in der Nacht zum Sonntag um 0300 früh ausgeflogen – nach Incheon in Südkorea. Dort trifft es um 0600 morgens ein und fliegt um 1100 bereits weiter – nach Almaty oder Alma-Ata, wie man früher sagte, in Kasachstan. Dort am frühen Nachmittag – wir sind immer noch am Sonntag – eingetroffen, hebt es um kurz nach 1600 schon wieder ab, fliegt nach Köln und kommt dort am frühen Sonntagabend gegen 1800 an.

Erstaunlich. Drei Flüge über eine (Luftwegs-) Distanz von lustigen 8.888 km – so Google Earth – lassen sich, jeweils mit Umladen und dem ganzen Behördenkram – in 24 Stunden bewältigen.

Bis hierher: Erstaunliche Leistung des Logistikers!

Nun aber fangen die Scherereien an: Das Paket liegt seit Sonntagabend in Köln; die nächste Station wird, warum auch immer, Düsseldorf sein. Nun ist bekannt, daß Köln und Düsseldorf sich ähnlich zueinander verhalten wie Nürnberg und Fürth – aber daß das Paket sagenhafte 36 Stunden, anderthalb Tage, für diese paar Kilometer braucht, ist dann doch sehr erstaunlich. Seit heute morgen wurde es dann noch nach Herne weiterbefördert. Und seitdem herrscht Stille im Sendungsstatus. Angeblich soll es morgen in Nürnberg ausgeliefert werden. Na, warten wir das mal ab.

Aber was läuft schief, wenn ein solches Paket in geringer entwickelten Staaten (China, weniger Korea, aber vor allem Kasachstan) so flott weiterbefördert wird, wie man sich das nur wünschen kann, aber von Köln nach Düsseldorf länger braucht, als wenn man es einfach in den Rhein geworfen und es trieben lassen hätte?

Wenn man das berücksichtigt, dann ist es ein um so größeres Wunder, daß es Mortadella, Nasenspray, Kolb’sche Brenz und französische Sauerrahmbutter überhaupt zu kaufen gibt.

André Freud

 

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