Wenn die NN zur Attacke bläst

#467

Stadtrat Max Höffkes (CSU) © Freud
Stadtrat Max Höffkes (CSU)
© Freud

Die Nürnberger Nachrichten lassen es mal wieder krachen. In der gestrigen Ausgabe wird Stadtrat Max Höffkes, zugleich Integrationsbeauftragter der CSU-Fraktion, massiv angegriffen. NN-Redakteur Andreas Franke läßt es nicht an aggressiven Worten mangeln; da wird der Vorwurf einer „abstoßenden Wortwahl“ erhoben, da wird Max Höffkes als „Ausgrenzer“ bezeichnet, da fällt das Wort vom „ausländerpolitischen Hardliner“.

Ist das wahr? Um mit Radio Erewan zu antworten – die Älteren unter den Lesern werden mit diesem Begriff aus UdSSR-Zeiten noch etwas anzufangen wissen: Kommt darauf an.

Wenn man der Meinung ist, daß Deutschkenntnisse nicht mehr erforderlich sein sollen, um bei uns dauerhaft zu leben – dann ist Max Höffkes ein Hardliner. Wenn man der Meinung ist, daß die deutsche Staatsbürgerschaft in etwa so viel Wert hat wie eine „Kaufen Sie zehn Pizzen, dann ist eine umsonst“-Sammelkarte, dann mag man Max Höffkes für einen Ausgrenzer halten. Wenn man der Meinung ist, daß ein Staat keinen höheren Rang hat als etwa ein Kegel-Club, aus dem man nach Belieben ratzfatz auch wieder austreten kann, dann mag man Max Höffkes als Rechtsaußen bezeichnen.

Die Wirklichkeit ist freilich eine andere, als die NN uns hier glauben machen wollen (wieder einmal). Wenn man – wie Max Höffkes – nach Nürnberg gekommenen Menschen das wirkliche Ankommen ermöglichen will, dann fördert und fordert man das Erlernen der deutschen Sprache. Damit beugt man Parallelgesellschaften vor und fördert die Integration. Wenn man – wie Max Höffkes – die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft als Vollendung eines Integrationsprozesses versteht, dann grenzt man niemanden aus, sondern bietet einen Anreiz für eine tatsächliche Integration in die Gesellschaft. Max Höffkes reicht jedem, der sich mit seinem Verein, seiner Initiative dazu beiträgt, daß nach Nürnberg gekommene Menschen auch wirklich ankommen, bereitwillig die Hand. Er fordert – und er fordert zurecht -, daß das Ziel jeder Integration ein Miteinander sein muß, kein Nebeneinander oder gar ein Gegeneinander. Wo Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht einigeln, sondern offen sind für unsere Gesellschaft, da hilft der Integrationspolitiker Max Höffkes jederzeit und gerne. Nichts ist weniger wahr als diese Angriffe des NN-Redakteurs Andreas Franke.

Warum aber erfolgen sie? Gewiß, es ist Wahlkampf, und die NN tut sich schwer, beim gegenwärtigen Zustand der Nürnberger SPD, diese offen zu unterstützen. Außerdem hat der OB-Kandidat der CSU, Sebastian Brehm, eine Stadtratsliste erstellt, die manchen in der SPD (und also auch manchen in den NN) die Sorgenfalten auf die Stirne schiebt. Also liegt es doch nahe, daß die NN den SPD-Wahlkampf unterstützt, indem sie, wenn man schon die SPD wirklich nicht mehr loben kann, auf die CSU los geht. Nichts scheint die linken Nürnberger mehr zu bedrücken als die Tatsache, daß die CSU in diesen Wahlkampf mit voller Geschlossenheit geht. So versucht man nun, diese Geschlossenheit zu zerstören, indem man einen prominenten CSU-Stadtrat angreift und versucht, ihn gegen andere Kandidaten auf der CSU-Liste auszuspielen.

Das wird nicht funktionieren. Da hätte der Andreas Franke sich doch mal lieber mit den Stadtratskandidaten mit Migrationshintergrund auf der CSU-Liste beschäftigen sollen. Da ist, um nur zwei Beispiele zu nennen, auf Platz 10: Ismail Akpinar. Er ist stellvertretender Leiter der Konzernsteuerabteilung und Konzernsteuerreferent bei den Städtischen Werken. Ismail Akpinar ist ein Beispiel dafür, daß jeder bei uns eine großartige Karriere machen kann, der etwas leistet. Ismail Akpinars Karriere gelang, weil er Deutsch lernte, weil er in diese Gesellschaft integriert wurde. Er profitiert davon – und er gibt dieser Gesellschaft wieder etwas zurück. Das ist eine ganz persönliche Erfolgsgeschichte, die die Richtigkeit unserer Vorstellung gelungener Integrationspolitik belegt. Auf Platz 11 der CSU-Liste steht Irina Fixel. Die Russin hat das russisch-deutsche Kulturzentrum in Röthenbach aufgebaut, wo seit, man sieht es ihr nicht an, 15 Jahren praktische Integrationsarbeit geleistet wird. Und was ist der oberste, der wichtigste Programmpunkt dieses – vielfach gelobten und ausgezeichneten – Vereins? Na klar: Sprachkurse. Die Sprache ist der Schlüssel für eine gelungene Integration; Irina Fixel hat das klar erkannt, und deswegen setzt sie sich Tag für Tag dafür ein, daß die aus Rußland stammenden Neu-Nürnberger Deutsch lernen, auf daß sie in diese Gesellschaft wirklich hineinkommen.

Multikulti ist tot, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer nicht nur im gerade hinter uns liegenden Wahlkampf, und er hat damit mehr als recht. Die (linken) Vorstellungen, daß es genüge, eine „Willkommenskultur“ anzubieten, der Rest käme dann schon von ganz alleine, ist dermaßen gescheitert, daß man sich schon fragen muß, wie ein NN-Redakteur, der doch qua Beruf die Realität ein wenig kennen sollte, solchem Gedankengut nachhängen kann. Die Menschen, die nach Nürnberg kommen, kommen hier dann wirklich an, wenn sie Nürnberger, Franken, Bayern, Deutsche werden wollen, und wenn sie einen zumutbaren Beitrag dazu leisten, es auch wirklich zu werden. Dann sind sie übrigens auch wirklich eine Bereicherung für unsere Gesellschaft.

Keine Bereicherung allerdings stellt es dar, wenn Parallelgesellschaften entstehen, wenn es keine Lingua Franca mehr gibt, also eine Sprache, in der sich möglichst alle möglichst gut verständigen können. Und diese Lingua Franca kann nach Lage der Dinge nur Deutsch sein. Keine Bereicherung ist es, wenn viele zugewanderte Familien nur Kontakt zu Menschen mit dem gleichen Migrationshintergrund haben, aber ansonsten verschlossen unter sich leben. Und schließlich und endlich ist es für uns weder gut noch richtig, wenn jemand mit Doppelstaatsbürgerschaft auf einmal doppelt so viel Wahlrecht hat wie jemand, der nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Auch ist Andreas Franke entweder ein wenig unwissend, was das kommunale Wahlrecht für EU-Bürger betrifft, oder er verdreht die Realität wissentlich. In der EU genießen die Bürger Freizügigkeit, und das kommunale Wahlrecht für EU-Bürger ist Ausfluß dieser Freizügigkeit. Soweit der Verfasser dieser Zeilen unterrichtet ist, sind weder die Türkei noch Rußland noch viele andere Staaten Mitglieder der EU; folglich kann sich eine EU-Regelung nicht auf sie erstrecken. Das alles ist so derartig zwingend logisch, ja: beinahe schon banal, daß man sich schon fragen muß, warum Andreas Franke darauf in seinem Kommentar mit keinem Wort eingeht. Ach ja, richtig: Es geht hier ja nicht um ordnungsgemäße Berichterstattung oder um einen Kommentar aufgrund der realen Lage, nein, es geht um CSU-Bashing – das hatte ich für einen Moment vergessen. Nimmt man das mit ins Kalkül, dann wird schon klar, warum Andreas Franke so schrieb, wie er schrieb.

Aber die NN wäre nicht die NN, wenn sie sich nicht sogleich ein Eigentor schösse. Man begeht den Fehler, Max Höffkes zu zitieren: „Wer sich als Zuwanderer aus einem EU-Land beharrlich weigert, sich zu integrieren, wird hier immer fremd bleiben“. Ja, was denn auch sonst? Wer sich weigert, sich zu integrieren, wird immer fremd bleiben. Aber hallo! Das ist nichts anderes als eine Binse, diese Aussage ist die größte aller Selbstverständlichkeiten.

Wir haben eine großartige Willkommenskultur. Wir bieten Sprachkurse, wir bieten eines der besten Bildungssysteme, wir helfen auf dem Arbeitsmarkt, wir helfen mit unserem sozialen Netz, wir helfen bei der Wohnungssuche, wir helfen an allen Ecken und Enden. Man soll nun nicht von uns erwarten, daß wir die deutsche Staatsbürgerschaft wie eine Kostenloszeitung jedem in den Briefkasten stecken – dazu ist sie wohl doch noch ein wenig zu bedeutsam. Man soll nicht von uns erwarten, daß wir gar keine Erwartungen an Zuwanderer stellen dürfen. Die Mischung – fördern und fordern – macht es aus. Dafür steht „der Max“, unser Max Höffkes, und dafür sind ihm viele Nürnberger dankbar. Auch und gerade übrigens viele zugewanderte Nürnberger, die wissen, daß ihre eigene Integrationsgeschichte nicht so erfolgreich verlaufen wäre, wenn nicht Politiker wie Max Höffkes dafür die Weichen richtig stellen.

André Freud

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3 Kommentare

  1. Max Höffkes sagt:

    Danke für die SMS und Deinen Kommentar

  2. Peter Kunz sagt:

    Also selbst ich als Fürther fände ein wenig mehr Willkommenskultur in Nürnberg schon erstrebenswert.
    Und nein – ich will kein Nürnberger werden. Das ist dann in ihrer Welt eine Parallelgesellschaft, oder?
    Würden sie den Deutschen, die bis heute in den USA ihr Pennsylvania Dutch sprechen unterstellen, sie wären deshalb nicht integriert und schlechte Amerikaner?
    Oder finden Sie es doof, dass es in Erlangen noch immer reformierte Christen gibt, weil die sich nie integriert haben, seit sie aus Frankreich eingewandert sind?
    Ich hab den Artikel nicht gelesen, aber ich sehe da jetzt kein Statement, was die CSU nicht als solche als Standpunkt vertreten würde – ohne, dass ich jetzt die CSU „bashen“ oder die NN verteidigen möchte.

    Und das mit den Pizzas und Kostenloszeitungen hab ich auch nicht kapiert…

  3. „Ich hab den Artikel nicht gelesen“: Danke für den Kommentar zu einem Artikel, den Sie nicht gelesen haben.

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