ZKVÜGN

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Müll © Dezidor - CC-BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)
Müll
© Dezidor – CC-BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)

Man wundert sich. Anscheinend gibt es doch irgendwo in Deutschland ein Unternehmen, das sich Abkürzungen ausdenkt. Da steht „STARK“ für Stadtteilarbeitskreis oder ELSTER für Elektronische Steuererklärung. Derlei mag man für peinlich oder für witzig halten; das ist wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und womöglich auch des Alters.

Wer oder was ist denn nun die ZKVÜGN? Dies schöne Kürzel steht für Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung im Großraum Nürnberg“. Und das Ganze ist ein Witz. Nicht wegen der Menschen, die dort arbeiten. Ich habe dort geduldige, freundliche Menschen kennengelernt, und daß sie einen einfach auszuführenden Beruf haben, wird gewiß niemand behaupten wollen. Aber das ganze System ist ein Witz.

Auf der einen Seite erwarten wir alle, daß unsere notwendigen Regeln eines gedeihlichen Zusammenlebens eingehalten werden. Auf der anderen Seite ist fast jeder angesäuert, der einen Strafzettel am Scheibenwischer hat. Und bevor mich wieder Hinweise erreichen, daß das Ding nicht Strafzettel heißt: ich nenne es aber so.

Was man aber nicht verstehen kann, ist die Beschneidung des Tätigkeitsbereichs und die personelle Dimension. Auch der gemütlichste „is doch alles schee wie’s is“-Nürnberger dürfte kaum Einwände gegen die Feststellung erheben, daß wir in der Stadt, besonders auch, aber nicht nur in der Innenstadt, ein Problem mit der Zunahme von sozialunverträglichen Verhaltensweisen haben. Vermüllung des öffentlichen Raums, Radfahren in der Fußgängerzone oder gegen die Fahrtrichtung, Falschparken, Parken in zweiter Reihe, Zuparken von Geh- oder Radwegen, Verdrecken von Grünanlagen – das alles sind Zustände, die freilich nur in einem brutalen Polizeistaat, den wir alle nicht wollen, zur Gänze abzuschaffen wären. Aber daraus den Schluß zu ziehen, daß wir lieber gar nichts tun, kann der Weisheit letzter Schluß nicht sein. Freilich soll man sich auf höherer politischer Ebene um Ursachenforschung bemühen, soll man den Quell solchen Verhaltens erkennen und nach Möglichkeit zum Versiegen bringen. Aber bis zu jenem fernen Tage, an dem das einmal der Fall sein wird – voraussichtlich erst nach der Lebensspanne aller heute existierenden Menschen – kann man deswegen kaum in Tatenlosigkeit verharren und darauf hoffen, daß von oben ein Wunder geschieht.

Wir werden all diese kleinen Übel nicht abschaffen können. Wir haben aber die Aufgabe, sie weniger werden zu lassen. Es gilt die Broken-Windows-Theorie. Es ist relativ leicht, ein kleines Problem zu lösen, aber es ist ungleich schwerer, das gleiche Problem zu lösen, wenn es sich erst einmal ausgeweitet hat. Deswegen muß eine Stadt wie Nürnberg etwas tun, damit die Regeln, die uns Menschen erst ein friedliches Zusammenleben ermöglichen, besser durchgesetzt werden. Dazu kann ein kommunaler Ordnungsdienst einen wesentlichen Beitrag leisten. Ist er die Lösung aller Probleme? Nein. Aber die anstehenden Probleme lassen sich ohne ihn nicht lösen.

Ein Anfang ist zu machen. Gut, er mag klein sein. Aber es ist eine Struktur zu schaffen, damit eine Änderung eintritt. Wenn das gut funktioniert, dann wird man diese Struktur stärken und größer werden lassen können. Jedenfalls aber ist etwas zu tun. Der kommunale Ordnungsdienst muß her, denn er hilft, Probleme anzugehen, um die sich sonst niemand kümmert. Außerdem hätte er als Abkürzung vermutlich die Bezeichnung KOD, was schon aus dem Grunde der Abschaffung des Ungetüms ZKVÜGN ein zivilisatorischer Fortschritt wäre. Dies aber nur nebenbei.

André Freud

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