In Nürnberg fährt k(aum) einer schwarz. Ach ja?

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Wo ist Nürnberg? © bild.de
Wo ist Nürnberg?
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Eine Liste von 41 Städten Deutschlands und ihrer Schwarzfahrer-Quote. Wo ist Nürnberg?

Wir sind es ja gewohnt, daß Nürnberg auf keiner Wetterkarte verzeichnet ist. Die zweitgrößte Stadt Bayerns ist ja auch, so sagt es OB Maly, eine „second city“. Das sehen zwar nicht alle so, aber solange nicht einmal der OB den Anspruch erhebt, Nürnberg vorne zu sehen – was will man da erwarten?

Nürnberg ist die 14.größte Stadt Deutschlands, die zweitgrößte Bayerns. Und taucht in dieser Liste der Schwarzfahrer nicht auf, obwohl die 41 Städte nennt, darunter Provinzmetropolen wie Halle, Freiburg oder Paderborn. Warum nicht?

Vielleicht hat es etwas damit zu tun, daß in Nürnbergs U-Bahnen und Straßenbahnen wenig kontrolliert wird. Der Verfasser dieser Zeilen nutzt gelegentlich die U-Bahn, in der kalten Jahreszeit öfter, weil Radfahren dann eine zu kühle Angelegenheit ist und es oft sinnlos ist, mit dem Auto zu fahren – beispielsweise in die Altstadt. Auch wenn ich kein Intensiv-U-Bahn-Nutzer bin: in den letzten zwei, drei Jahren wurde ich zweimal kontrolliert. Jedes Mal wurden die Kontrolleure im U-Bahn-Waggon fündig (wenn auch nicht bei mir; meine letzte Schwarzfahrt war etwa 1978, als ich meine Schülermarke vergessen hatte).

In der neuesten Stellungnahme der VAG zur Thematik des Schwarzfahrens in Nürnberg, die sich aufs Jahr 2010 bezieht (!), verkündet die VAG, daß von 1,7 Millionen kontrollierten Fahrgästen 30.000 ohne Fahrschein gewesen wären. Das sind in der Tat nur 1,7 %.

Pardon, aber: Kann das sein? Meine subjektive Erfahrung sagt: Nein, das kann nicht sein. Zumindest nicht in der U-Bahn, das halte ich für ausgeschlossen.

Die VAG hat pro Jahr etwa 183 Millionen Fahrgäste. Davon wird etwa 1 % kontrolliert. Würden – vorausgesetzt, der sehr niedrige Wert von 1,7 % Schwarzfahrern stimmt – alle Fahrgäste kontrolliert werden, dann würden – lassen wir das „erhöhte Beförderungsentgelt außer Betracht – 3,1 Millionen mehr Fahrscheine verkauft werden, also mehr als 7,77 Millionen Euro zusätzlich eingenommen werden. Die VAG verfügt über 114 U-Bahn-Wagen; es sind also um die 50 Züge unterwegs (manche bestehen aus zwei, manche aus vier Wagen). Um 50 Züge gut zu kontrollieren, braucht man ca. 30 Personen, aber rechnen wir mal ganz entspannt mit 50. Wenn man ein recht ordentliches Bruttogehalt (genauer: Arbeitgebergesamtlohn) von 3.000 € monatlich zur Grundlage nimmt, kommt man auf Kosten von etwa 50 Personen * 3.000 € * 12 Monate = 1,8 Millionen Euro. Gut, da kommt noch etwas an Kosten hinzu, beispielsweise die Dienstmütze, das Diensttelefon sowie die Ausgaben für Schreibblock, Kuli und die Schulung der Mitarbeiter. Lassen wir es rund 2 Millionen Euro sein, die es kosten würde, die U-Bahn flächendeckend zu kontrollieren. Aber es würde das Dreifache einbringen, weil die Menschen ganz schnell kapieren würden, daß man einen Fahrschein kaufen muß. Also entweder weitermachen wie bisher, oder eine wirksame Kontrolle einführen und – neben mehr Gerechtigkeit – netto bis zu 5,7 Millionen Euro einbringen. Warum, bitte, macht man das nicht?

André Freud

 

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3 Kommentare

  1. Michael Mierscheid sagt:

    Dass Berlin nicht auf der Liste steht, ist Ihnen nicht aufgefallen?

  2. Nein, hatte ich übersehen. Und was besagt das?

  3. Michael Mierscheid sagt:

    Keine Ahnung, aber als nicht in Deutschland wohnhafter Leser finde ich es jedenfalls befremdlicher als die Abwesenheit Nürnbergs. München fehlt im übrigen auch.

    Helfen Sie meiner deutschen Geographie auf die Sprünge: Liegt irgend eine der genannten Städte in Bayern?

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