Warum ich meine CSU mag

#449

CSU

Heute wurden zu einer Versammlung gebeten: Alle 120 Delegierten, die am kommenden Samstag den CSU-Kandidaten für die kommende Oberbürgermeisterwahl nominieren und die Liste mit den CSU-Stadtratskandidaten beschließen werden. Es war eine Veranstaltung, die sowohl für den modernen Geist der CSU Zeugnis legte als auch dafür, wie gute Personalentscheidungen herbeigeführt werden.

Alle Ortsverbände der CSU machten im Lauf des Jahres Vorschläge, wer für sie bei der Kommunalwahl 2014 auf der Liste stehen kann und soll. Im Laufe der Monate kristallisierte sich ein wenig heraus, wer ernstlich in Frage kommt, wer engagiert ist, wer relevante Gruppen vertritt, wer einsatzfreudig und leistungsbereit ist. Es gab viele, viele Gespräche, unter allen Parteimitgliedern, und man nahm allgemein wahr, wer sich durch sein Engagement, durch sein Verhalten auf eine Kandidatur ernsthaft vorbereitet. Ein solcher informeller Meinungsbildungsprozeß ist etwas ganz normales, ja: etwas unvermeidbares.

In früheren Zeiten und in allen möglichen Parteien wurde die Liste der Kandidaten und – von größter Wichtigkeit – die Reihenfolge auf der Liste oft von oben entschieden. Das kann zu einem guten Ergebnis führen, aber diesem Vorgehen wohnt die Gefahr inne, daß dort Entscheidungen getroffen werden, die von der Basis nicht mit allerhöchster Begeisterung mitgetragen werden.

In Kenntnis dessen haben sich Bezirksvorstand und Fraktionsvorstand der CSU in Nürnberg entschieden, diesmal den gesamten Meinungsbildungsprozeß innerhalb der CSU offen zu gestalten. Jeder, der für die Kommunalwahl auf der Liste der CSU kandidieren will, war für heute eingeladen, sich in einer kurzen Vorstellung den Delegierten zu präsentieren. Und so kamen wir also heute zusammen. Die Reihenfolge der Vorstellung wurde ausgelost; in kleinen Gruppen traten die Bewerber vor die Versammlung, stellten sich vor und konnten anschließend Fragen beantworten.

Es war eine große Stunde. Was so banal klingt, ist alles andere als das. Dieses Verfahren beseitigt jeden Verdacht, sei es von Freund oder Feind, daß bei der Listenaufstellung Hinterzimmermachenschaften am Werke wären. Jeder Delegierte bekam eine Liste aller Bewerber mit den wichtigsten Informationen und Raum, sich Notizen zu jedem machen zu können. Und dann ging es auch schon los. Nach kurzen Begrüßungsworten des CSU-Bezirksvorsitzenden Dr. Markus Söder MdL und Fraktionschef Sebastian Brehm begannen die Vorstellungen.

Es war manche Überraschung dabei. Der eine oder andere, den man vielleicht noch nicht so gut kannte, machte durch eine gelungene Vorstellung neugierig. Über viele erfuhr man etwas, sei es über den Werdegang oder die konkreten politischen Vorstellungen, was man so noch nicht wußte.

Kein Bewerber wird sich beklagen können, nicht angehört worden zu sein. Kein Delegierter kann sagen, daß man von ihm Zustimmung zu Kandidaten erbäte, die er nicht kenne.

Dieses Verfahren ist nicht nur demokratisch. Das versteht sich eh von selbst. Dieses Verfahren ist effektiv. Eine Listenaufstellung ist eine schwierige Aufgabe. Es ist dabei ja nicht nur zu berücksichtigen, wer vielleicht politisches Format hat (was immer das auch konkret sein mag). Es soll sich in einer Liste die ganze Stadt widerspiegeln, also alle Stadtteile, alle sozialen Schichten, alle Bildungs- und Berufsgruppen, beide Geschlechter (ja, nur zwei – wir sind halt die Konservativen…). Und hier fangen die Schwierigkeiten an. Proporz ist, entgegen mancher landläufigen Meinung, nichts Schlechtes. Ein Übermaß an Proporz freilich ist auch nichts Gutes. Es gilt, Maß und Mitte zu finden.

Erste Voraussetzung aber ist die Bereitschaft zahlreicher Menschen, sich einzusetzen und sich zur Wahl zu stellen. Auf diejenigen wartet Wahlkampf – nun, was soll’s, wir sind wahlkampfgestählt. Es warten viele kalte Winterabende, an denen man sich drinnen und draußen wird einsetzen müssen. Es warten viele, viele Stunden der Arbeit, es wartet Streit mit Andersdenkenden, es wartet so allerhand auf diejenigen, die nach dieser Ehre streben.

Geschenkt wird sie keinem. Man muß sie sich innerhalb der eigenen Partei erarbeiten, man muß sie sich anschließend beim Wähler erarbeiten. Es ist ein gutes, ein sehr gutes Zeichen für den Zustand unserer Nürnberger CSU, daß sich viele geeignete Bewerber vorstellten. Es ist ein gutes Zeichen, daß es im Vorfeld keinen Streit gab. Der Verfasser dieser Zeilen, der so manches mitbekommt, darf berichten, daß auch Bewerber, die nach landläufiger Ansicht zueinander in Konkurrenz stehen, besten Umgang miteinander pflegen, daß man zusammen essen geht und sich offen austauscht, daß man in den zurückliegenden Wahlkämpfen auch den Mitbewerber-Ortsverband unterstützte und vieles, vieles mehr.

Freilich: Wenn die Liste am kommenden Samstag von den Delegierten beschlossen werden wird, dann wird der eine oder andere sich nicht auf dem erwünschten Platz wiederfinden. Derlei kann nicht ausbleiben. Das aber ist eben auch Demokratie. Es ist sehr leicht, eine Wahl zu gewinnen. Wenn man aber einmal eine solche Wahl nicht gewinnen sollte und nicht deswegen den Bettel hin wirft, sondern mit Einsatzfreude sich weiter engagiert – weil sich das Urteil über die Richtigkeit der Politik der CSU nicht deswegen ändern sollte, nur weil man selbst nicht den erwünschten Platz erhalten hat -, dann erweist man sich als guter Demokrat.

Die heutige Veranstaltung macht mich nicht bange, daß unsere CSU aus guten Demokraten besteht. Aus Menschen, die Verantwortung übernehmen können und wollen. Aus Menschen, die sich offenen und fairen innerparteilichen Wahlen stellen. Wir werden, dessen bin ich gewiß, am kommenden Samstag eine Liste beschließen, die aus guten, aus sehr guten Kandidaten besteht. Wir werden gerade aufgrund dieses transparenten und alle mitnehmenden Verfahrens in großer Geschlossenheit auftreten – nach innen und nach außen. Das aber ist die wichtigste Voraussetzung für einen Erfolg bei der Kommunalwahl am 16. März 2014. Die Voraussetzungen sind gegeben, nun laßt uns die Liste beschließen und dann den Wahlkampf vorbereiten, auf daß in Nürnberg wieder gestaltet wird.

André Freud

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2 Kommentare

  1. HP sagt:

    Ein sehr schöner Bericht! Wenn nun dazu noch die Namen der Teilnehmer der Vorstellung zu lesen wäre, wäre es noch viel informativer!!!

  2. Verständliche Anmerkung. Aber da muß ich um eine Woche Geduld bitten: dann wird beschlossen und veröffentlicht. Bis dahin ist es nur innerhalb der CSU öffentlich.

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