Wer, wie, was? Der Bezirk.

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Man kennt es ja, man weiß Bescheid: Immer zur Landtagswahl findet auch die Bezirkstagswahl statt. Das sind die beiden blauen Wahlzettel. Außerdem ist es besonders heuer ganz praktisch, daß es den Bezirk gibt, weil die größten Parteien die sogenannten Dreiecksständer verwenden. Da ist dann eine Seite für den Bundestagskandidaten vorgesehen, eine für den Landtagskandidaten – tja, und man müßte die dritte Seite leer lassen. Zum Glück aber gibt es den Bezirk, so daß man die dritte Seite dem Bezirkstagskandidaten geben kann. Das ist ja schon einmal ganz gut und schön. Hat der Bezirk noch eine weitergehende Bedeutung?

In erstaunlich vielen Sachen steckt Bezirk drin, obwohl nicht Bezirk drauf steht. Darauf machten die vier Nürnberger CSU-Bezirksräte gestern auf einer Pressekonferenz aufmerksam. Es gab ein schönes Handout mit ganz vielen Zahlen. Der Umfang aber dessen, was der Bezirkstag an Themen bearbeitet, dürfte doch viele überraschen. Er trägt und unterstützt zahlreiche Einrichtungen für behinderte Menschen, kümmert sich um Eingliederung zuhause und in Schulen, Werkstätten, Einrichtungen. Der Bezirk organisiert den Fahrdienst für Behinderte, bezahlt Wohnheime und Tagesstätten, Alten-, Pflege- und Seniorenheime. Kranken, Blinden, Armen hilft der Bezirk, auch im Alter ein menschenwürdiges Leben zu führen. Er unterstützt kulturelle Projekte, besonders die freien Theater und musikalische Vereine und Veranstaltungen. Ein Glanzlicht der Arbeit des Bezirks ist der Fränkische Sommer. Vom Filmfestival über die Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, von den Regionalpartnerschaften mit dem Limousin und mit Pommern, vom Engagement für regionale Lebensmittel – da kommt viel zusammen. Das Zentrum für Hörgeschädigte wird vom Bezirk enorm unterstützt, ebenso das Zentrum für Körper- und Sprachbehinderte. Manche dieser Einrichtungen gibt es in ganz Nordbayern nur einmal: im Bezirk Mittelfranken.

Es ist ein enorm umfassendes Programm, das hier nur gestreift werden kann. Für Nürnberg ist wichtig, daß vom Bezirk mehr Geld nach Nürnberg fließt, als von der Stadt Nürnberg an den Bezirk gezahlt wird. Knapp 4.500 Arbeitsplätze in Nürnberg werden vom Bezirk bezahlt. Das ist eine bemerkenswert hohe Zahl – dafür bräuchte es eine ganze Menge kleiner Unternehmen, um auf 4.500 Arbeitsplätze zu kommen. Von 800 Millionen €, die der Bezirk derzeit pro Jahr zur Verfügung hat, fließen 600 Millionen in soziale Aufgaben. 600 Millionen für Soziales – das ist nicht nur enorm viel Geld; das ist Geld, das einen wichtigen Beitrag dazu leistet, daß bei uns das Leben so lebenswert ist. Wenn Eltern eines kranken Kindes wissen, daß sie nicht allein gelassen werden, wenn Drogenabhängige bei der Mudra Hilfe finden, wenn die Internationale Orgelwoche Nürnberg stattfindet, wenn im Theater Pfütze der Vorhang hoch geht, wenn Kinder schon in der Grundschule spielerisch französisch lernen können, wenn für 65 Millionen € zwei große Schulgebäude saniert werden – dann ist es der Bezirk, der das ermöglicht.

Die vier Nürnberger Bezirksräte im Bezirkstag von Mittelfranken: Catrin Seel, Barbara Titzsch, Peter Daniel Forster und der Bezirkstagspräsident Richard Bartsch
Die vier Nürnberger Bezirksräte im Bezirkstag von Mittelfranken: Catrin Seel, Barbara Titzsch, Peter Daniel Forster und der Bezirkstagspräsident Richard Bartsch

Einerseits ist es ein gutes Zeichen, daß man vom Bezirk in den Medien relativ wenig hört – deutet dieser Umstand doch darauf hin, daß er seine Arbeit ordentlich und recht geräuschlos erledigt. Andererseits gehört die Arbeit des Bezirks eben zu jenen Dingen, die man leicht mal für selbstverständlich nimmt – obwohl sie alles andere als selbstverständlich sind. Es sind eben jene Dinge, um die uns viele Menschen auf der Welt beneiden, weil es das bei ihnen nicht gibt. Deswegen kann es nur richtig sein, den Bezirk und seine Arbeit etwas mehr zur Kenntnis zu nehmen, als das oft der Fall ist. Ein bißchen Trommeln darf da durchaus sein. Auch wenn der Bezirkstag ebenso wie die Bezirksregierung in Ansbach residiert – diese Entscheidung eines bayerischen Königs werden wir nicht mehr rückgängig machen. Und daß wir im Bezirk zeigen, daß wir auch mit den Fürthern zusammenarbeiten können, sollte jedem Nürnberger die Gewißheit geben, übers Granteln hinaus durchaus weltoffen zu sein.

Jedenfalls war es wichtig, daß der Bezirk mal ordentlich auf sich aufmerksam gemacht hat, die Presse heute darüber berichtet und einige Menschen mehr nun eine gewisse Vorstellung davon haben, was der Bezirk alles macht und leistet.

André Freud

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