Hauen und Stechen

#417

Eintracht in der SPD
Eintracht in der SPD

Die SPD ist in einem erbärmlichen Zustand. Thematisch weiß keiner, der am 22. September sein Kreuz bei der SPD machen will, was er bekommt, sollte diese Partei die Regierung übernehmen. Erst hieß es, daß wir dringend Steuererhöhungen brauchen. Und ein Teil der braven Deutschen, leider zu Teilen von Zukunftsangst erfüllt, glaubt, das Vaterland retten zu müssen, indem er – als Durchschnittsverdiener – auf um die 2.000 € pro Jahr verzichtet. Saubere Sache! Weil aber nur ein Teil der Bevölkerung diesen Nonsens in Zeiten der höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten (!) zu schlucken bereit ist und sich auch in der SPD einige einen gewissen Kontakt zur Realität und zur Vernunft bewahrt haben, rücken nun Teile von diesen Plänen ab (die Linken in der SPD schreien natürlich Zeter und Mordio). Steinbrück und Gabriel reden nun sogar auf einmal von Steuerentlastungen, die es geben soll. Links, rechts, vor und zurück… Wer kann, wer will die denn noch wählen? Die scheinen ihre Politik auszuwürfeln. Das ist der blanke Hohn und allmählich auf dem Niveau von „wir spielen Politik“-Aktionen im Kindergarten anzusiedeln.

Aber nicht nur hier knirscht es gewaltig. SPD-Chef Gabriel, vielen noch als „Siggi Pop“ bekannt, geht jetzt auf Altkanzler Gerhard Schröder los. Daß er Griechenland in die Eurozone aufgenommen habe, sei ein Fehler gewesen, sagt Gabriel. Man wundert sich. Ansonsten ist doch die SPD damit beschäftigt, die Deutschen davon zu überzeugen, daß sie die Schulden Griechenlands bezahlen sollen. Woher die Wende? Man kann da etwas vermuten. Der glücklose Noch-Kanzlerkandidat Steinbrück hatte neulich einen Wahlkampfauftritt mit Gerhard Schröder. Nun kann man ja über Schröder viel Negatives sagen, aber eines kann man nicht bestreiten: daß der Mann mit Menschen umzugehen weiß. Und das bewies er auch bei diesem Wahlkampfauftritt in Detmold: Schröder in Siegerpose, Steinbrück wie ein Konfirmand daneben. Das kann die SPD nicht brauchen. Erstens ist der selbstverliebte Ex-Kanzler, der kurz nach seinem Amtsverlust bei einem „lupenrein demokratischen“ russischen Energiekonzern angeheuert hat, in der SPD in etwa so beliebt wie Graf Lambsdorff. Zweitens stiehlt er damit Steinbrück die Show. Neben dem begabten Manegen-Dompteur Schröder sieht Steinbrück, nun ja, nicht gerade wie ein strahlender Sieger aus. Das muß er aber, denken die SPDler: Wenn man schon nicht siegen wird, dann will man wenigstens ein paar Wochen lang so aussehen, als ob. Sonst könnte man den Wahlkampf ja gleich absagen. Also kriegt Schröder nun verbale Schimpfe von Gabriel. Resultat: Schröder wird sich vermutlich aus dem SPD-Wahlkampf gleich wieder zurückziehen, und Steinbrück kann Auftritte haben, bei denen man nicht zwingend erkennt, wie wenig er zum Volkstribun taugt.

Aber so naiv, so leicht manipulierbar ist der Wähler nicht, wie die SPD-Führungsriege zu hoffen scheint. Am 15. September wird man in Bayern sehen, was die Menschen von der SPD halten. Am 22. September wird man es im Bund sehen. Weder in München noch Berlin werden die Sozialdemokraten Grund zum Feiern haben. Am 16. und am 23. September wird in der Führungsetagen der SPD Klartext gesprochen werden müssen. Die 40 € für die Blumensträuße für Ude und Steinbrück kann man sich sparen – sie sind eh geheuchelt.

Niemand in der SPD findet den eigenen Wahlkampf gut. Niemand in der SPD glaubt daran, daß Ude Ministerpräsident wird oder daß Steinbrück Kanzler wird. Wenn jetzt in Deutschland die Weichen falsch gestellt werden, dann geht es ums Ganze. Unser Land in seinem Wohlstand, die Sicherheit der Arbeitsplätze, die soziale Sicherheit – alles würden die Sozialdemokraten gefährden, wenn sie ihre zunehmend sozialistisch werdenden Politikvorstellungen wahr werden lassen könnten. Sie werden aber keine Gelegenheit dazu haben; da ist der Wähler vor.

André Freud

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