Gefährlich und demokratiefeindlich

#414

Piaggio Ape von Peter Daniel Forster
Piaggio Ape von Peter Daniel Forster

Es ist gut und richtig, wenn im Wahlkampf pointiert argumentiert wird. Da darf man auch mal zuspitzen; dafür ist der Wahlkampf schließlich da.

Gerade im Wahlkampf zeigt sich auch, wer wessen Geistes Kind ist. Da gibt es Zeitgenossen, die ihren Übermut an unschuldigen Plakatständern austoben. Das ist natürlich eine Sachbeschädigung. Aber das kommt entweder jenen Helden der feigen Tat nicht in den Sinn – oder aber sie glauben, daß ihr – natürlich guter – Zweck das schlechte Mittel heiligt.

Es gibt einfache, unverrückbare Grundsätze, die für eine Demokratie unerläßlich sind. Man mag sich über die Politik von der einen oder anderen Partei ärgern, das darf man, und das darf man auch zeigen. Aber man darf keine Gewalt anwenden – nicht gegen Menschen, aber auch nicht gegen Sachen.
Das ist eine Grenzüberschreitung, die nicht geduldet werden darf. Niemand, absolut niemand hat das Recht, anderen Parteien die Teilnahme am politischen Wettbewerb zu versagen. Von besonderer Pikanterie ist hierbei die Tatsache, daß – wie sich aus den zur Verschandelung benutzten Mitteln, Aufklebern und hingeschmierten Sprüchen ergibt – es insbesondere politisch linksstehende Menschen sind, die derlei Sachbeschädigungen begehen. Das ist deswegen besonders pikant, weil doch gerade von links der Wert der Toleranz immer wieder und immer sehr lautstark eingefordert wird. Auch hier zeigt sich wieder, was von derlei Gerede zu halten ist.

Wer Toleranz für sich selbst einfordert, selbst aber intolerant ist und diese Intoleranz auch mittels Straftaten auslebt, dem möge man seine Rufe nach Toleranz postwendend zurückgeben.
Nun aber ist eine weitere Grenze überschritten worden. Ein wieder zur Wahl antretender Bezirksrat, Peter Daniel Forster, hat sich zur Wahlwerbung das oben sichtbare Gefährt zugelegt. Dieser hübsche Piaggio Ape wurde nun im eigentlich doch ruhigen und friedlichen Altenfurt mit einem Messer beschädigt: die Reifen wurden zerstochen.
Das kostet nicht nur Geld, viel Ärger und ist schlicht verboten – es ist auch gefährlich. Man kann da durchaus einsteigen, es zunächst nicht bemerken und dann im Verkehr in eine gefährliche Situation geraten.
Es ist aber nicht nur eine menschliche Sauerei und eine Straftat – es ist auch ein Verspotten der Demokratie.

Natürlich weiß man nicht wirklich, was im Kopf eines solchen Zeitgenossen vor sich geht – gesetzt den Fall, daß da überhaupt etwas vor sich geht.
Diejenigen, die sich Respekt wünschen, sollen zunächst einmal Respekt erweisen. Wer mit dem politischen Mitbewerber so umgeht, der muß einen langen Lern- und Denkprozeß durchlaufen, bevor er verlangen kann, selbst ernstgenommen zu werden.

Seien wir froh, daß nicht mehr passiert ist. Aber darüber sollten wir nicht vergessen, daß es sich bei solchen Aktionen nicht um Kleinigkeiten handelt, sondern um Angriffe auf die Demokratie.

(Text: André Freud; Bild: Peter Daniel Forster)

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