Tag der Schande

#402

Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße. © Karl-Ludwig Lange
Die Berliner Mauer an der Bernauer Straße (1973).
© Karl-Ludwig Lange

Der Sozialismus produziert immer das gleiche: Unfreiheit, Armut, geistiges und materielles Elend. Es gibt keinen sozialistischen Staat, bei dem das nicht früher oder später – meistens früher – eintritt. Keinen.

Deswegen entwickeln sich sozialistische System immer – immer – zu Diktaturen. Da sozialistische Machthaber nicht auf die Idee kommen, daß ihre Politik das Problem sei, muß natürlich – ihrer Meinung nach – der störrische Teil der Bevölkerung das Problem sein, und dann wird unterdrückt.

Jedoch soll man sich über eines nicht täuschen: Viele, die eine Sympathie für den Sozialismus hegen, erwärmen sich an Vorstellungen einer geradezu als paradiesisch angepriesenen sozialen Gerechtigkeit, an einem Leben unter der Käseglocke, an einem Schutz vor allen Gefahren durch einen schützenden Staat. Sie glauben, daß man nur einige Aspekte der gescheiterten sozialistischen Experimente ändern müsse, und schon würde er gelingen, der menschenwürdige Sozialismus.

Was sie nicht erkennen, ist: Die Unterdrückung, die Unfreiheit ist dem Sozialismus immanent. Es gibt keinen Sozialismus ohne Unterdrückung des Vorwärtsdranges der Menschen. Ihm liegt ein Menschenbild zugrunde, das schlichtweg erfunden ist. Ein Mensch strengt sich dann an, wenn er etwas für sich erreichen kann und für die, die ihm besonders nahe sind. Keiner reißt sich ein Bein für jemanden aus, den er nicht kennt, der ihm egal ist, wenn er selbst keinen Vorteil seiner Mühen hat. Als in der UdSSR die Ernährungslage partout nicht besser werden wollte, wurde unter Breschnew den Bauern erlaubt, einen kleinen Teil der Ackerfläche privat zu nutzen. Resultat: auf den 10 % der Ackerfläche, die dafür freigegeben wurden, wurden über 50 % der Ernte eingefahren. Das mag man gut finden oder auch nicht – aber so ist er eben, der Mensch.

Es ist verbrecherisch, die Menschen mit Gewalt umerziehen zu wollen. Richtig und menschenwürdig ist es, die natürlich vorhandene Einsatzfreude der Menschen sich entwickeln zu lassen und dann davon etwas abzuschöpfen, um die erforderlichen Gemeinschaftsaufgaben zu finanzieren.

Niemand wird bestreiten, daß es die Notwendigkeit gegenseitiger Unterstützung gibt. In Familien, zwischen den Generationen, zwischen prosperierenden und schlechter aufgestellten Landstrichen. Der Hebel dazu kann aber nicht darin bestehen, die Menschen zu etwas zu zwingen, sondern muß darin bestehen, der Einsatzfreude der Menschen freien Raum zu lassen – dann kommt der Rest beinahe von selbst.

Was passiert, wenn man das den Menschen vergewaltigende Welt- und Menschenbild des Sozialismus mit Zwang durchsetzen will, sah die Welt heute vor 52 Jahren: Man muß die Menschen einsperren, denn sonst stimmen sie mit den Füßen ab und verlassen solch menschenverachtendes System. Man muß als sozialistischer Machthaber den Menschen das Denken verbieten, man muß ihnen das Reden verbieten, man muß ihnen das Lesen verbieten – denn sonst wird man schneller abgesetzt, als man „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs‘ noch Esel auf“ sagen kann.

Wenn heute in Deutschland Menschen vom Sozialismus schwärmen, dann tun sie dies vor allem aus Unwissenheit. Die DDR, das letzte, gruselige Sozialismus-Experiment auf deutschem Boden, sperrte ihre Menschen ein. Sie kannte Gedankenverbrechen. Wer nicht auf dem richtigen Fuß jubelte, durfte weder studieren noch bekam er eine Wohnung. Wer aufmuckte, wurde von der Stasi drangsaliert. Das sind keine Fehlentwicklungen gewesen – das sind im Sozialismus zwangsläufige Entwicklungen.

Deswegen ist der 13. August, an dem im Jahr 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, ein Tag der Schande. Es war ein menschenverachtendes Bauwerk, errichtet zu dem Zwecke, eine Riege verbrecherischer Diktatoren an der Macht zu halten. Es hielt 28 Jahre. Leider. Heute ist der Tag, an die Infamie, an das Verbrecherische der DDR und jedes sozialistischen Menschenexperiments zu erinnern.

Freiheit statt Sozialismus!

André Freud

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