Näher am Menschen

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CSU-OB-Kandidat für Nürnberg:
Sebastian Brehm

An einem strahlend schönen Sommerabend locken die Biergärten, die Freibäder und viele, viele Veranstaltungen. Trotzdem sitzen in einem der heißen Sonne wegen abgedunkelten Saal gut 30 Menschen, um sich zwei Stunden lang der Lokalpolitik zu widmen.

Noch ist kein Wahlkampf. Es sind noch acht Monate bis zur Kommunalwahl; da ist keinerlei Hektik angesagt. Die Kommunalpolitik bringt auch nicht solche Stars hervor wie es Landes- und Bundespolitik zuweilen tun, so daß dort stets viele Menschen kommen, um endlich einmal jemanden wirklich zu sehen, denn man sonst nur aus der Zeitung kennt. Auch geht es bei den Fragen der Kommunalpolitik nicht um die großen Dramen, sondern um viel Detailarbeit, oft auch nur um scheinbare Kleinigkeiten. Während in der großen Politik zuweilen einfach mal entschieden wird, muß in der Kommunalpolitik bei jeder Frage mit sehr viel Geduld und Bereitschaft zur Kärrnerarbeit vorgegangen werden. Ein solcher Abend verspricht nicht die zünftigen Bierzeltsprüche, sondern einen Einblick in komplexe Arbeitsprozesse, in Hemmnisse hier und Widrigkeiten dort.

Dennoch ist die Veranstaltung sehr gut besucht. Es ist gut zu sehen, daß es nicht nur – wie man an den meist anonymen Kommentaren in mancherlei Internetseite erkennt – die ewigen Moserer und Mumpfler gibt, sondern auch viele Menschen, die die Mühen der Ebene nicht scheuen.
Auftritt: Sebastian Brehm. Stadtrat, Fraktionsvorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion im Nürnberger Rathaus. „Nebenbei“ ist Brehm Steuerberater und führt eine mittelständische Kanzlei. Sein Terminkalender würde wohl die allermeisten Menschen abschrecken, sich in der Politik zu engagieren. Die ersten Telefonate führt er früh um 6, die letzten gegen Mitternacht. Die Pflichten als Stadtrat und Fraktionsvorsitzender alleine wären den meisten Menschen schon zuviel. Aber nun laufen die Wahlkämpfe für Bezirk, Land und Bund an, und Brehm unterstützt unsere Kandidaten nach Kräften. Das bedeutet viele weitere Termine. Jeder sollte Verständnis haben, wenn Brehm auf die Anfrage eines kleinen CSU-Ortsverbandes negativ reagiert. Die Besucher dürften sowieso CSU wählen, und es ist noch lange hin bis zur Wahl. Der unmittelbare Nutzen einer solchen Veranstaltungen ist, wenn man ihn in Wahlkreuzen ermitteln will, ziemlich überschaubar.

Dennoch sagte Brehm sofort zu. Das Motiv ist die Überzeugung von der Wichtigkeit der politischen Arbeit selbst. Es spielt dabei aber auch eine Rolle, daß die CSU – ganz im Gegenteil zu manchen Vorurteilen, die insbesondere von der politischen Linken gerne verbreitet werden – alles andere als eine Partei ist, in der die oben regieren und die unten brav Beifall klatschen sollen. Kein Wort ist in der CSU so böse gemeint wie das vom Großkopferten, der nicht mehr weiß, woher er kommt. Das prägt das politische Klima in der CSU. Auch Jenseits von Parteitagen, Bezirksvorstand und so weiter, stellen sich unsere Mandatsträger immer und immer wieder der Basis. Sie erklären, warum sie dieses und jenes so und nicht anders sehen. Sie begründen, warum man eine Entscheidung so und so treffen mußte und nicht anders treffen konnte. Sie zeigen auf, worauf es ihnen in der nächsten Zeit ankommt und wie sie das eine oder andere Ziel erreichen wollen. Sie stellen die Erfolge dar und stehen nicht an, auch die Mißerfolge klar zu benennen. Sie holen politische Vorgänge aus dem unscharf machenden Nebel, in dem sie für die meisten Bürger stecken, und machen sie transparent und nachvollziehbar.

All dies lieferte Sebastian Brehm am gestrigen Donnerstagabend. Er sprach über eine Stunde und ließ dabei kein Thema aus, er sprach gleichermaßen über Erfreuliches und Unerfreuliches. Das war keine Stunde der Schönrednerei, das war keine Stunde der politischen Werbe-Show – es war eine Stunde des politischen Rechenschaftsberichts, offen, ehrlich, selbstbewußt.

Naturgemäß ist der Verfasser dieser Zeilen eher selten, um genau zu sein: nie, auf Ortsverbands-Treffen der SPD. Natürlich aber findet gelegentlich ein Austausch mit dem einen oder anderen Sozialdemokraten statt. Keiner hat von vergleichbaren Veranstaltungen berichtet. In der CSU herrscht ein anderes, ein besseres Klima zwischen der Basis und den Mandatsträgern.

Nach der Rede kamen die Fragen. Es ist typisch für die CSU, daß dafür noch einmal genau so viel Zeit in Anspruch genommen wurde. Es ging um alle möglichen Themen, kleine und große, um Allgemeines und und Spezielles. Es wurden bequeme, aber auch unbequeme Fragen gestellt, und Brehm beantwortete sie allesamt ausführlich. Und nach einer weiteren Stunden kamen dann noch die vielen Einzelgespräche, die für einen solchen Abend ebenfalls wichtig sind.

Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere Leser, was denn an einem solchen Abend so bemerkenswert sein soll, daß das hier so lange und ausführlich beschrieben wird. Diesem Gedanken soll nicht ausgewichen werden. Das Besondere daran ist, daß erst zu Beginn der Woche in einer großen Veranstaltung der NN im Bildungszentrum über das Mitmachen der Bürger in der Politik gesprochen wurde und wie man sich als Bürger einbringen kann. Seitens vieler Menschen, die daran teilnahmen, wurden die mangelnden Möglichkeiten beklagt. Eine Veranstaltung wie die unseres Ortsverbandes mit Sebastian Brehm zeigt klar auf: man kann mitmachen. Man muß nur hingehen. In eine demokratische Partei eintreten – ja, noch nicht einmal das ist unbedingt nötig, denn die Ortsverbände laden meist auch Gäste ein, also keineswegs nur Parteimitglieder.

Freilich ist das alles kein Wunschkonzert. Wer irgendwo einen Zebrastreifen haben will oder billigere ÖPNV-Tickets, wird das nicht erreichen, wenn er mal auf einen solchen Abend geht, seine Forderung in den Saal hinein ruft und meint, das wäre jetzt genug gewesen des politischen Engagements. Da ist schon etwas mehr erforderlich.

Der gestrige Abend war für mich ein Abend der gelebten Demokratie, ein Abend hervorragender politischer Arbeit. Es ist einer dieser Abende, bei denen ich mir auf dem Weg nach Hause denke, daß es eine meiner besten Entscheidungen gewesen ist, in die CSU einzutreten.

André Freud

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