Heiße Luft, @Arif Tasdelen?

#380

In einem Beitrag für die Nürnberger SPD ereifert sich Arif Tasdelen, SPD-Landtagskandidat für Nürnberg-Nord. Er wirft der CSU und insbesondere Markus Söder vor, für Wahlkampfzwecke in die Taschen der Steuerzahlen zu greifen.
Was hat die CSU getan?

In Nürnberg steht die Kaiserburg. Nach dem Krieg wurden die Schäden behoben, und ansonsten ließ man sie über der Stadt thronen. Innen hatte sie den Unterhaltungswert, den leere Räume haben. Die Touristen erklommen den Burgberg, sahen auf die Stadt hinunter, und das war es auch schon: in der Burg selbst gab es nichts zu sehen.

Als bayerischer Finanzminister gehören auch die staatlichen Schlösser und Burgen zu Söders Beritt. Als heimatverbundenem Nürnberger ist es dem Markus Söder eben nicht völlig gleichgültig, wenn das berühmteste Bauwerk der Stadt in einem Nachkriegszeit-Behelfszustand vor sich hin verkümmert. Söder ist ein Politiker, der seine Gestaltungsmöglichkeiten nutzt. Wie groß muß sein Erstaunen gewesen sein, als er bei der Übernahme des Finanzministeriums sich auf die Suche nach den vielen, vielen Schreiben des Nürnberger Oberbürgermeisters machte, in denen dieser dringend um Geld für die Herrichtung der Kaiserburg bat – und buchstäblich keines fand.

Normalerweise ist es so, daß Oberbürgermeister für ihre Städte dieses und jenes wollen – und dafür beim Finanzminister Geld beantragen. Zu den Aufgaben des Finanzministers gehört es, die guten Begehren von den nicht so ganz guten zu unterscheiden, und vor allem ist er natürlich mehr mit dem Ablehnen vieler unerfüllbarer Wünsche beschäftigt als mit dem Befürworten. Aber Nürnbergs Kaiserburg – hallo, das wäre selbstverständlich zu unterstützen gewesen! Wo also waren die hilfesuchenden Schreiben des Oberbürgermeister Maly? Es gab sie nicht, sie wurden nie geschrieben, denn: der Maly, Ulrich mit Vornamen, hatte keinerlei Versuch unternommen, aus der Kaiserburg mehr zu machen als leere Räume mit weißen Wänden, für die er bekanntermaßen eine Vorliebe besitzt.

Nun ist Söder nicht der Typ Politiker, der nichtstuend und nasebohrend am Schreibtisch sitzt und abwartet, bis ihm einer mit einem Vorhaben kommt. Im Zweifel wird er selbst aktiv. Nebst vielen, vielen anderen Projekten – nennen wir nur den Wöhrder See und den Sitzungssaal 600 – nahm er sich der Kaiserburg an. Er richtete das Hochzeitszimmer ein – von dem der OB Maly in grandioser Unkenntnis der Wünsche der Bevölkerung glaubte, daß dort eh niemand heiraten wolle. Die Hochzeitstermine dort sind grandios ausgebucht, und wieder einmal zeigten Söder und die CSU, daß sie näher am Menschen sind.

Und dann also: die Aufwertung der Burg, des Museums in der Kaiserburg, der Zugang zur Doppelkapelle, die Aufwertung von Tiefer Brunnen, Sinnwellturm. Die Schaffung der Maria-Sibylla-Merian-Gärten. Nun ist das erste vollbracht; am Samstag konnten die Nürnberger von ihrer neuen Burg Besitz ergreifen. Und sie taten es. 24.000 Menschen kamen – und staunten, was dort geschehen ist. Selbst Tageszeitungen, die einer besonderen Sympathie zur CSU im Allgemeinen und zu Markus Söder im Besonderen nicht verdächtig sind, lobten das, was dort geschehen ist, einhellig. Es ist ein enormer Gewinn für Nürnberg. Während früher galt, daß der normale Nürnberger lediglich einmal in seinem Leben das Burgmuseum besuchte und danach nie mehr wieder kam, ist dieser traurige Zustand nunmehr abgestellt. Die Urteile der Besucher sind einhellig positiv, sehr positiv und nur positiv.

Selbst der OB, der doch sonst eher dann gerne erscheint, wenn er sich selbst gefeiert weiß, konnte sich ein mumpfliges Lob nicht verkneifen. Allerdings war er wohl auch der einzige SPDler, der bei der Eröffnung anwesend war. Die anderen scheinen der Logik zu folgen, daß eine wunderbare Sache nicht gewürdigt werden darf, wenn sie ein Schwarzer gemacht hat. So weit, so peinlich.

Den Vogel aber schießt Arif Tasdelen mit seinem ohnmächtig-wütenden Kommentar ab. Was erwartet er von Markus Söder? Daß er extra gar nichts für Nürnberg tut, um sich nicht dem Vorwurf des Wahlkampfes auszusetzen?

Es ist doch wohl der Kommentar des Arif Tasdelen ein Eingeständnis des Versagens der eigenen Partei, trotz bald 60 Jahren Dominanz im Stadtrat, dieses Thema komplett verschlafen zu haben. Es braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich auszumalen, wie die SPD sich selbst feiern würde, wäre sie auf die Idee gekommen, die Kaiserburg so herzurichten. Wahrscheinlich würde sogar ein Stadtrathinterbänkler den Antrag stellen, sie in „Dr.-Ulrich-Maly-Kaiserburg zu Nürnberg“ umzubenennen.

Tasdelens Vorwürfe sind schlichtweg zu lächerlich. Ausgerechnet er, von dem kaum eine inhaltliche politische Aussage bekannt ist, wirft einem der erfolgreichsten Macher der deutschen Politik vor, heiße Luft zu produzieren. Man kann sich ja kritisieren; das gehört in der Politik dazu, ja, es gehört nicht nur dazu, es muß so sein. Aber dann soll doch bitteschön die Kritik wenigstens ansatzweise Verbindung zur Realität herstellen.

Die Nürnberger zeigen seit der Eröffnung klar, was sie von Söders Arbeit auf der Kaiserburg halten: sie finden sie toll. Und Arif Tasdelen täte gut daran, wenn er mal selbst mit einem positiven Vorschlag ankäme, anstatt ein rundum gelungenes Projekt den Menschen madig machen zu wollen.

André Freud

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