Mies, mieser, am miesesten: „Nürnberger Nachrichten“

#379

Die Stadt Nürnberg hat die Kaiserburg nach dem Wiederaufbau stiefmütterlich behandelt. Sie ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, sie ist weltweit ein Symbol für Nürnberg, in Millionen von Photos verewigt und einer der wichtigsten Anlaufpunkte für die vielen, vielen Menschen, die unsere Stadt besuchen.

Die Ausstellung im Museum der Kaiserburg war lieblos gemacht. Der Verfasser dieser Zeilen kennt niemanden – und er hat viele, viele Menschen auf die Kaiserburg begleitet -, die beglückt aus der Ausstellung kamen. Es war der Blick auf die Burg, es war – als Belohnung für den beschwerlichen Aufstieg – der Blick von der Burgfreiung auf die Altstadt, der die Menschen dort anzog. Aber für den historisch interessierten Besucher Bot die Kaiserburg nicht allzu viel Anschauliches.

Nun hat Nürnberg seit dem Wiederaufbau bis auf eine ruhmreiche Ausnahme stets SPD-Oberbürgermeister gehabt. Der jetzige fällt vor allem dadurch auf, daß er selbst kaum Initiativen startet, sondern lieber verwaltet statt gestaltet. „Fühlen, was Nürnberg bewegt“, ist sein Wahlkampf-Slogan. Nun ja. Nach elf Jahren Fühlen und Denkpausen wird es allmählich Zeit zum Handeln.

Da aber nicht zu erkennen ist, daß in unserer Stadt etwas voran geht und das müde, ewige „weiter so“ nun wirklich kein Motto ist, das unsere Stadt für die Zukunft fit macht, handeln andere.

Markus Söder ist so einer, der seinem Reden Handeln folgen läßt. Manchmal handelt er sogar, ohne vorher allzu viel zu reden, damit es nicht wieder von den ewigen Bedenkenträgern zerredet wird.

Als bayerischer Finanzminister ist Söder qua Amt auch der Chef der bayerischen Burgen. (Ja, ja, das ist historisch keine explizit Bayerische Burg, aber unser 1806-Thema müssen wir jetzt nicht vertiefen). Er besah den traurigen Zustand – und wunderte sich zunächst beim Amtsantritt als Finanzminister, auf seinem Schreibtisch keinen Stapel von Briefen der Nürnberger OBs vorgefunden zu haben, in denen er gedrängt wird, auf der Kaiserburg aktiv zu werden. Im OB-Zimmer scheint man zu denken, daß die Touristen gefälligst von selbst zu kommen haben, auch wenn man ihnen nicht wirklich etwas bietet. So zu denken ist falsch. Weltweit gibt es staunenswerte Gebäude zu besuchen, gibt es Städte mit touristischen Attraktionen. Also machte Söder sich entschlossen ans Werk. Zügig wurde geplant, wurden Haushaltsmittel bereitgestellt, und in ungewöhnlicher kurzer Zeitspanne wurden 15 Millionen Euro in die Aufwertung der Kaiserburg gesteckt. Hat Söder es als Finanzminister leichter? Mag ja sein – aber er tut es! Und alle anderen Taten nichts, vor allem tat OB Maly nichts, um die Kaiserburg aufzuwerten. Und zwar lange elf Jahre lang Tat er nichts. Schönes „Fühlen“!

Am kommenden Samstag, den 13.07., ist es soweit: die Kaiserburg wird wieder eröffnet. Vieles hat sich getan, weiters wird sich tun. Die Attraktivität der Kaiserburg ist deutlich verbessert worden. Zur Eröffnung wird mit der Goldenen Bulle das, wenn man so will, „Grundgesetz“ des heiligen Römischen Reiches gezeigt werden. Eines der sieben Exemplare ließ Söder aus München leihweise nach Nürnberg bringen. Er zeigte es stolz der Presse – und er hat allen Grund, auf seine Leistung mit der Kaiserburg stolz zu sein. So weit, so gut.

Und was macht die NN? Sie bringt es, wie es sich gehört, auf Seite 1 als erste Meldung, groß aufgemacht, mit einem großen Bild. Geht doch in Ordnung, denken Sie? Nein, das geht nicht in Ordnung. Auf dem Bild hat man den Kopf von Markus Söder weggeschnitten. Im daneben stehenden Te t wird der Name Söder mit keine, Wort erwähnt.

Was ist das für ein Journalismus, der über die Sache berichtet – und dem Leser verheimlichen will, wer dafür verantwortlich ist? Die Antwort lautet: das ist keine Zeitung. Das ist ein SPD-Werbeblättchen, das dann in Ordnung wäre, wenn oben drüber „SPD Vorwärts (Nürnberger Ausgabe)“ stehen würde. Steht da aber nicht. Und Geld will er auch noch dafür haben, der Herausgeber, der sich gerne „Papa Marx“ nennen läßt.

Indem Söder nicht genannt wird, dem wir diese Aufwertung der Kaiserburg zu verdanken haben, kann man in dieser „Zeitung“ natürlich auch kein Wort darüber lesen, daß OB Maly (SPD) zwei lange Amtsperioden lang nichts für die Kaiserburg getan hat. So werden die Leser für blöd verkauft. Das ist kein Journalismus mehr. Das ist schiere Agitation.

Haben die Menschen, die bei der NN arbeiten, den Beruf des Journalisten gewählt, um solche Tendenz-Mache auszuüben? Ist ihr journalistischer Anspruch endgültig verloren gegangen? Gibt es keinerlei journalistisches Ehrgefühl mehr? Es ist eine Schande. Dieses Blatt ist zum Käseblatt geworden. Streng palmströmisch wird geschlossen, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Die NN wird wohl auch noch dafür plädieren, die Kaiserburg in „Ulrich-Maly-Burg“ umzubenennen, und den Frankenschnellweg in Uli-Maly-Schnellweg.

Ach, Ihr NN-„Journalisten“: geht ruhig nach Hause heute Abend. Bleibt unberührt von dieser Bankrotterklärung Eures Tuns. Wir schämen uns für Euch.

André Freud

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