Wacker in die Rente

#375

Bald Rentner: Christian Ude Lizenz CC3.0 - © Gerd Seidel http://commons.wikimedia.org/wiki/File:7764ri-Fraktionssitzung-SPD.jpg
Bald Rentner: Christian Ude
Lizenz CC3.0 – © Gerd Seidel http://commons.wikimedia.org/wiki/File:7764ri-Fraktionssitzung-SPD.jpg

Christian Ude hat seiner Vorstellung, die Landtagswahl am 15. September zu gewinnen, noch nicht abgeschworen. Er sieht sich als künftigen Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern. Das ist nach wie vor schlichtweg erstaunlich. Zum einen fragt man sich, warum einer Ministerpräsident eines Landes werden will, das er gar nicht kennt. Man braucht einem Nürnberger nicht vorzuwerfen, daß er sich in Fürth nicht so recht auskennt – aber einem, der bayerischer Ministerpräsident werden will, kann man schon vorwerfen, wenn für ihn Bayern nur aus Oberbayern besteht.

Man muß sich auch wundern, wie Ude, der ja gewiß kein dummer Kerl ist, es intellektuell zuwege bringt, bei 20 % in den Umfragen – stabil seit einem Jahr – von Sieg zu sprechen. Man muß sich doch einmal in den Menschen Ude hineinversetzen. Da trifft er Leute vom SPIEGEL für ein Interview. Im Interview rühmt er sich, den beinahe schon mitleidigen Fragen zum Trotz, seiner Siegesaussichten. Irgendwann ist das Interview zu Ende, die SPIEGEL-Leute verlassen sein Büro. Dann sitzt Ude ganz alleine da. Was geht da in ihm vor? Träumt er von seiner Lieblingsinsel Mykonos? Schaut er an die Decke? Macht es ihm selbst Mut, wenn er sich von Sieg reden hören, oder ist er dann traurig, frustriert über diese Situation, in der er wider besseres Wissen eine Perspektive beschwört, die niemals real war?

Was machen derweil Udes Mitarbeiter? Sicher haben sie schon ein paar Gedanken auf die Presseerklärung für den Abend des 15. September verwendet. Es dürften wohl drei Varianten vorbereitet werden: eine für den Wahlsieg, eine für eine respektable Niederlage, und eine für die krachende Niederlage. Bin ich übermäßig übermütig, wenn ich mutmaße, daß die meiste Mühe, die meiste Zeit auf die letztgenannte Pressemitteilung aufgewandt werden wird? Die für den Wahlsieg wird vermutlich nicht einmal ernsthaft erstellt werden. Niemand rechnet damit, daß Ude Ministerpräsident wird – vor allem rechnen selbst die SPDler nicht damit. Sie unterstützen seine Kandidatur auch wirklich nur in dem Umfang, der mindestens erbracht werden muß, um dem Vorwurf parteischädigenden Verhaltens zu entgehen.

Genau in dieser Aussichtslosigkeit aber steckt die einzige Gefahr für die CSU. Wenn allzu viele Menschen sich darauf verlassen, daß schon genügend CSU wählen werden und dann am Wahlsonntag zuhause bleiben, einen Ausflug machen oder was auch immer, aber selbst eben nicht zur Wahl gehen, weil die Umfragengläubigkeit zum Irrtum verleiht, daß es auf die eigene Stimme nicht mehr ankäme – das wäre für die CSU die größte Gefahr.

Man denke daran, wie es in Niedersachen war. Nur ein paar Tausend Stimmen erbrachten am Ende ein Wahlergebnis, mit dem man vorher nicht ernsthaft gerechnet hatte. Und all die, die CDU gewählt hätten, wenn sie denn zur Wahl gegangen wären, sitzen jetzt wieder daheim und haben den Salat – in Form des SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil. Deswegen steckt in den für die CSU außerordentlich erfreulichen Umfragen das Risiko, daß es gerade CSU-Wähler demotivieren könnte, zur Wahl zu gehen. Dagegen ist anzukämpfen. Es wird ein wichtiger Bestandteil des CSU-Wahlkampfes sein, die Menschen zum Wählen aufzurufen.

Das wird gelingen. Die Bürger Bayerns haben nicht die Absicht, den größten systemrelevanten Fehler der SPD zum bayerischen Ministerpräsidenten zu machen. Sie werden, wir werden denjenigen als Ministerpräsidenten wählen, unter dessen Regierung Bayern seinen ersten Platz unter allen deutschen Bundesländern gehalten und ausgebaut hat: Horst Seehofer. Und die Nürnberger werden Markus Söder, Karl Freller, Hermann Imhof und Michael Brückner in den Landtag entsenden. Damit die Erfolgsgeschichte weitergehen wird.

André Freud

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