Schmonzes: Macht NorisBike wieder Unsinn?

#365

NorisBike: Manchen lieb, allen teuer
NorisBike:
Manchen lieb, allen teuer

 

Bei NorisBike geht es aufwärts, verkünden unverdrossen die Schönredner. Was ist NorisBike? Ein Fahrradverleihsystem in Nürnberg. Angeblich einfach zu bedienen, sagen die Gesundbeter. Ich persönlich bin der Meinung, daß im Vergleich zu NorisBike ein Fahrkartenautomat der DB oder ein Mietwagen-Computerterminal kinderleicht zu bedienen ist, und NorisBike – vor allem beim ersten Mal – dem Benutzer bei irgendwann eingetretenem Erfolg das Gefühl vermittelt, nun auch fit für die Steuerung des SpaceShuttle zu sein.

So oder so, das sind natürlich Geschmacksfragen. Keine Geschmacksfrage aber ist der Mißerfolg von NorisBike: der ist nun einmal eingetreten. Erst recht keine Geschmacksfrage ist, daß uns, der Öffentlichkeit, mit den Zahlen ganz schöner Unsinn erzählt wurde. Erst hieß es, daß 21.000 Kunden pro Jahr erforderlich wären, um kostendeckend zu arbeiten, und daß diese 21.000 Kunden auch real erreichbar wären. Nun ja – es waren dann leider doch nur 8.000 Kunden – die Hürde von 21.000 wurde gerissen, aber nur gaaanz leicht…

Irgendjemand kaufte dann einen neuen Taschenrechner, setzte sich auf seinen Hosenboden, rechnete noch einmal. Und, o Wunder, plötzlich waren angeblich nur noch 12.000 Kunden pro Jahr erforderlich. O segensreiche Wandlung!, denkt sich da der Mensch. 21.000 gegen 12.000 – das kann man ja mal verwechseln, gell?

Die 12.000 werden auch nicht erreicht. Oder doch? Neulich habe ich mehrfach beobachten können, daß Mitarbeiter der städtischen Verkehrsüberwachung auf NorisBike-Rädern unterwegs waren.

Das wirft Fragen auf:

  1. Haben städtische Mitarbeiter das Recht oder die Anweisung erhalten, NorisBike-Räder zu mieten?
  2. Wie waren diese städtischen Mitarbeiter zuvor mobil?
  3. Werden diese „Kunden“ und diese „Verleihvorgänge“ bei NorisBike wie normale Kunden und normale Verleihvorgänge erfaßt oder werden sie gesondert ausgewiesen?
  4. Handelt es sich bei der Anmietung von Fahrrädern auf Kosten der Stadt Nürnberg bei einem Unternehmen, das von der Stadt subventioniert wird, um eine Quersubventionierung?

Diese Fragen sind auf dem Weg in den Stadtrat.

André Freud

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