Ein Politiker und Kritik

#364

Arif Tasdelen (SPD) Kandidat für Landtag und Stadtrat?
Arif Tasdelen (SPD)
Kandidat für Landtag und Stadtrat?

 

In diesem Blog ging es gestern um die Frage, warum Arif Tasdelen (SPD), der am 15. September 2013 für den Landtag zur Wahl steht, zusätzlich noch am 16. März 2014 auf Platz 5 der Stadtratsliste SPD-Liste stehen soll. Das kündet nicht nur von wenig Überzeugungskraft der Landtagskandidatur – das widerspricht auch dem, was im Herbst aus der SPD zu hören war. Damals hieß es: Wer für den Landtag antritt – Tasdelen oder Ziegler, beide derzeit Stadträte -, wird für den Fall einer Niederlage nicht mehr durch ein Stadtratsmandat politisch abgesichert. Tasdelen, von den SPD-Oberen lieber als Landtagskandidat gesehen als Ziegler, sollte allerdings durch einen guten Listenplatz abgesichert werden. Das gelang aber nicht so ganz, weil die SPD-Basis nicht mitspielte und Tasdelen keinen so guten Listenplatz gab.

Außerdem wurde die Frage aufgeworfen, warum Tasdelen bereits seit einiger Zeit ganze Plakatwände in Nürnberg für sich Werbung machen läßt, und welche Rolle dabei ein Sonderzuschuß der SPD für seinen Wahlkampf spielt. Hinzu kommt das – natürlich knallrote – Tasdelen-Auto, das bereits knapp 100 Tage vor der Wahl herumfährt und seinem persönlichen Landtagswahlkampf dient. Man wird ja wohl noch anmerken dürfen, daß das alles schon ein wenig ungewöhnlich ist. Und so wurden also Fragen aufgeworfen und Kritik geäußert.

Aber nicht mit Arif Tasdelen! Der hört nämlich derlei nicht gerne. Der mag es nicht, wenn man ihn und seine Kandidaturen kritisiert. Gestern auf der Johanniser Kirchweih, kurz vorm Anstich. Der Verfasser dieser Zeilen steht gemeinsam mit einem CSU-Parteifreund vorm Café Dampfnudelbäck und wartet auf den Anstich. Plötzlich kommt Arif Tasdelen daher, stellt sich ein paar Zentimeter vor mir auf und fängt an, mich zu beschimpfen. „Erbärmlich“, „keine Argumente“, „Lügen“, waren die Worte. Da Arif Tasdelen vergessen hatte, mich zu begrüßen, erwiderte ich: „Erst einmal Grüß Gott, Herr Tasdelen“ – woraufhin die Antwort kam: „Nichts Grüß Gott. Sie sind erbärmlich mit Ihren Lügen“. Bevor ich eine Antwort geben konnte, war er schon wieder weg.

Geht das? Ist das eine akzeptable Verhaltensweise für einen, der Stadtrat ist? Ist das hinnehmbar bei einem, der in den Bayerischen Landtag will? Ist das eine Verhaltensweise, die wir bei einem Kandidaten akzeptieren können?

Freilich, ich befleißige mich zuweilen einer spitzen Feder. Das mag denjenigen, über den ich schreibe, durchaus ärgern. Wer aber meine Artikel liest, der wird mir zugestehen: Es geht hier in diesem Blog nicht ad hominem, gegen den Menschen, sondern ad rem, zur Sache; es geht nicht um die natürliche Person, es geht um die politische Person. So habe ich schlichtweg keine Meinung über den Menschen Arif Tasdelen. Naja, sagen wir: bis gestern hatte ich keine, und die, die ich seit gestern habe, behalte ich im wesentlichen für mich. Die ist politisch irrelevant. Es sind auch in meiner Partei, der CSU, Menschen, die ich menschlich sehr gerne mag, und andere, mit denen mich auf der menschlichen Seite wenig verbindet. Das ist völlig normal. Beim politischen Mitbewerber gibt es durchaus solche, die ich menschlich überaus schätze, und andere, die ich lieber von hinten sehe. Auch das ist völlig normal.

Niemals aber würde es mir einfallen, auf solche Art, wie Arif Tasdelen es gestern hat, einen politischen Widerpart auf solche Art persönlich anzugehen. Dabei bin übrigens ich kein Landtagskandidat – denn aus der Tatsache, für den Bayerischen Landtag zu kandidieren, erwächst doch wohl für jeden Kandidaten, also auch für Arif Tasdelen, die Pflicht, sich dementsprechend zu benehmen und sich – gerade im Umgang mit einem politisch Andersdenkenden – würdig zu benehmen, und nicht wie nachts um drei hinterm Bahnhof. In Bezug auf die gestrige Begegnung mit Tasdelen fällt mir das Wort „würdig“ nicht gerade als allererstes ein.

„Den kann man wählen“, prangt es auf den Tasdelen-Plakaten. Ich denke nicht, daß ich jemanden im Bayerischen Landtag sitzen sehen will, der sich so benimmt. Es ist in Ordnung, wenn Tasdelen nicht mag, was ich schreibe. Aber was berechtigt ihn zu solchen Ausfällen, was rechtfertigt einen solchen Auftritt? Nichts. Derlei ist indiskutabel.

In der Lokalpolitik begegnet man sich immer wieder. Es wird also auch weiterhin Begegnungen mit Arif Tasdelen geben – um so mehr, als er doch wohl wahrscheinlich der Lokalpolitik erhalten bleiben wird. Es geht nun darum, den von ihm angerichteten Schaden zu begrenzen. Ich bin gespannt, welche Schritte er in dieser Hinsicht unternehmen wird, und werde Sie, geschätzte Leser, darüber auf dem Laufenden halten. Per heute lautet der Befund: Die Nerven liegen blank.

André Freud

(Text & Bild)

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2 Kommentare

  1. Frank sagt:

    «Kommunalpolitik ist dadurch so schwer, dass man eben immer an der gleichen Stelle ist. Das heißt, die Leute treffen einen wieder, nachdem man was versprochen hat.» — Angela Merkel

    Ich glaube,das gilt auch für das Sozialverhalten… 🙂
    Im übrigen glaube ich, dass er wie viele Politiker/innen am Dunning-Kruger-Effekt leidet.

  2. Den Dunning-Kruger-Effekt mußte ich nachschlagen. Danke für dieses schöne Stück Information!

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