Was soll werden, @SPD?

#363

Arif Tasdelen (SPD) Kandidat für Landtag, Stadtrat...
Arif Tasdelen (SPD)
Kandidat für Landtag, Stadtrat…

Die Nürnberger SPD wird am morgigen Samstag ihre Listenaufstellung für die Stadtratswahl im März 2014 beschließen. Da sind durchaus interessante Entwicklungen und Manöver auszumachen.

Eines ist so peinlich, daß es auch einen derzeit an manche Peinlichkeiten (Bayernwahlkampf! Bundeswahlkampf!) gewöhnten Sozialdemokraten beschämen muß. Es steht ein Name auf der Liste, mit dem niemand rechnete: Arif Tasdelen.

Sie kennen den Namen nicht? Macht nichts. Arif Tasdelen ist heute Stadtrat – und Landtagskandidat für Nürnberg-Nord. Als sich in der SPD zwei um diese Kandidatur bewarben – Michael Ziegler und eben jener Arif Tasdelen -, da verordnete die SPD: wer immer die Kandidatur bekommt, der bekommt keine Absicherung durch eine erneute Stadtratskandidatur. Wer als Landtagskandidat im Herbst 2013 antritt und verliert, wird nicht, falls er durchfällt, durch einen Stadtratsposten im März 2014 entschädigt. Entweder ganz – oder gar nicht. So die Ansage von Nürnberg SPD-Chef Christian Vogel. Insgeheim hatte man vorbereitet, daß Arif Tasdelen einen als sicher geltenden Listenplatz bekommt – denn daß er das Direktmandat in Nürnberg-Nord gewinnen würde, glauben auch Sozialdemokraten nur kurz vorm Einschlafen. Wenn sie erwachen, dann ist ihnen klar: Das Direktmandat wird Michael Brückner (CSU) holen. Nur hat leider die Basis nicht recht mitgespielt. Arif Tasdelen war wohl für Platz 7 der Bezirksliste vorgesehen – durchaus nicht unrealistisch -, landete dann aber auf Platz 12. Er wurde von der Basis nach hinten durchgereicht. Genau so, wie es die Wähler am 15. September auch machen werden. Und was ist die Konsequenz? Jetzt soll er doch nach dem Willen der SPD-Führung mit einem aussichtsreichen Listenplatz für die Stadtratswahl versorgt werden.

Was lernen wir daraus? Erstens – und das ist nichts Neues -, daß nicht alle klaren Ansagen auch eingehalten werden. Zweitens, daß die SPD-Führung inzwischen selbst nicht mehr daran glaubt, daß Arif Tasdelen in den Bayerischen Landtag gewählt wird – sonst wäre eine solche Absicherung über die Stadtratsliste reichlich unsinnig. Drittens, daß auch das Sonder-Budget, das Tasdelen für seine Kandidatur von der Bundes-SPD (!) erhält – die Rede ist von 60.000 oder 80.000 € – nicht helfen wird. Derzeit plakatiert Tasdelen – 86 Tage vor der Wahl – bereits sein Gesicht, versehen mit dem Slogan: „Den kann man wählen“. Naja. Muß man aber nicht.

Mit den anderen Stars & Sternchen auf der SPD-Liste werden wir uns noch befassen. Wenn mit Tasdelen schon auf Platz 5 einer gesetzt werden soll, der doch angeblich für den Landtag kandidiert, dann wird man schon fragen, wo hier die Stelle zum Lachen ist.

André Freud

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