Heute in der SPD-Kampa

#361

Die SPD. Eine Partei und ihr "Projekt 18"
Die SPD.
Eine Partei und ihr „Projekt 18“

(„Kampa“ war der Name für die SPD-Wahlkampfzentrale. Hier eine fiktive Mitschrift des Gesprächs, das heute dort hätte stattfinden können)

S.G.: „Guten Morgen, Genossen. Alles fit auf dem sinkenden Schiff? Ha, ha…“

A.N.: „Lieber Sigmar, das heißt Genossinnen und Genossen. Solltest du wissen.“

S.G.: „Ja, natürliche, liebe Andrea. Entschuldige bitte. So, liebe GenossInnen, wie läuft’s?“

P.S.: „Sigmar, du wirst Zeitung lesen. Es geht schlecht. Du fällst mir regelmäßig in den Rücken, und das öffentlich. Das nimmt solche Ausmaße an, daß mir inzwischen schon die Tränen kommen, wenn mich mal einer lobt, und wenn es meine Frau ist.“

S.G.: „Ach, Peer, nun sei mal nicht so. Wir sind hier in der SPD. Da ist das mit den Troikas so wie in Rom mit dem Triumvirat. Sei mal nicht so eine Memme.“

A.N.: „Sigmar, das ist jetzt nicht in Ordnung, daß du mit Memme ein weibliches Wort nimmst, um den Peer abzukanzeln.“

S.G.: „Paßt schon, Andrea.“

P.S.: „Was heißt hier abkanzeln, Andrea? Das klingt nach Kanzler, und Kanzler werde ich!“

S.G..: „Du wirst ganz bestimmt nicht Kanzler.“

P.S.: „Seht ihr? Das meine ich. Dauernd fährt er mir in die Parade.“

A.N.: „Du bist aber wirklich dünnhäutig geworden, Peer. Denk mal, was ich alles auszuhalten hatte, damals, mit Müntefering“

P.S. (leise): „Ist dir ganz recht geschehen, Nervensäge.“

A.N.: „Wie meinen?“

S.G.: „So, genug gespielt, jetzt wird mal Politik gemacht. Peer, dein Schutzherr Helmut Schmidt hat die Merkel angegriffen. Das ist doch Blödsinn. Erstens weiß jeder, daß die Merkel eine ganz gute Finanz- und Wirtschaftspolitik macht. Zweitens ist das wenig hilfreich, wenn ich nach deiner Wahlniederlage für die SPD in eine große Koalition eintreten will. Kannst du den nicht mal zurückpfeifen?“

P.S.: „Was meinst du mit nach meiner Wahlniederlage? Was ist das denn wieder für eine Sauerei?“

A.N. (in beruhigendem Tonfall): „Nun reg dich nicht auf, Peer. Niemand glaubt an deinen Wahlsieg. Tust du das denn etwa?“

P.S.: „Ja, Herrschaftszeiten, was glaubt ihr denn, warum ich den ganzen Mist hier mache? Ich kann meine Montage schöner gestalten, als mit euch beiden hier herumzusitzen und mir Unverschämtheiten anzuhören!“

S.G.: „Na, na. Für einen, der noch nie eine Wahl gewonnen hat, markierst du hier aber ziemlich den Lauten.“

P.S.: „Siehst du, Andrea? Er mach immer weiter mit dieser Tour.“

A.N.: „Naja, Peer, aber du mußt zugeben, daß er recht hat. Du hast wirklich noch niemals eine Wahl gewonnen. Das muß man schon einsehen.“

P.S.: „Ja, was soll denn das alles? Wenn ich der einzige SPDler bin, der an meinen Wahlsieg glaubt, dann können wir das ganze gleich bleiben lassen.“

S.G.: „Stimmt, das wäre eigentlich konsequent. Geht aber nicht.“

A.N., P.S.: „Warum?“

S.G.: „Weil wir dann schwächer sein werden als die Grünen, und dann wird Mutti mit den Grünen regieren, wenn die FDP nicht reinkommt. Deswegen.“

A.N., P.S.: „Ach so.“

S.G.: „Also, Peer, wir erwarten von dir, daß du deinen Weg bis zum 22. September brav weiter gehst. Du hast ja schon gesagt, daß du für eine große Koalition unter Merkel nicht zur Verfügung stehst. Sehr anständig von dir. Das mache dann ich.“

P.S.: „Ach. Das war wohl dein Plan von Anfang an?“

S.G.: „Natürlich. Was dachtest du denn? Sei bitte nicht so naiv.“

P.S.: „Ihr könnt mich doch alle mal gern haben… Ich gehe jetzt heim. Saftladen hier!“

A.N.: „Halt, Peer, eines noch: Wir müssen noch die Pressemitteilung über unser Treffen hier abstimmen. Ich habe da mal einen Entwurf mitgebracht: Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und Andrea Nahles kamen heute zu einer Besprechung über den Bundestagswahlkampf zusammen. Die Runde drückte Peer Steinbrück ihr Vertrauen in seinen Wahlsieg aus. Man beschloß, sich in allen Wahlkampffragen unter der Führung Steinbrücks engstens zusammenzuschließen. Gerüchte über eine schlechte Stimmung unter den führenden GenossInnen sind haltlose Erfindungen einer bürgerlichen Presse, die Steinbrücks sicheren Wahlsieg noch verhindern möchte. Ok so?

P.S.: „Ich will hier raus.“

 

André Freud

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