Aufschwung West

#357

Auf Quelle
Auf Quelle

Auf dem CSU-Bezirksparteitag vergangene Woche wurde nicht nur Markus Söder einstimmig als Bezirksvorsitzender bestätigt – was es noch nie gab -, sondern auch Beschlüsse gefaßt.

Einer der Beschlüsse betrifft die Nutzung des Quelle-Geländes. Es ist ein schwierig zu nutzendes Objekt. Mit 220.000 qm Nutzfläche ist es nach dem (warum eigentlich?) geschlossenen Flughafen Berlin-Tempelhof das zweitgrößte ungenutzte Gebäude ganz Deutschlands. Aktuell sind mit kleinen Gewerbetreibenden, kulturellen Projekten und „jungen Kreativen“ gerade einmal 10 % der Fläche vermietet. Das dürfte kaum ausreichen, um den Strom und die nach wie vor obligatorische eigene Feuerwehr zu bezahlen.

Einer Nutzung für „normale“ Zwecke stehen viele, viele Hemmnisse entgegen. Niedrige Bodenbelastbarkeit, für heutige Sicherheitsbestimmungen unzureichende Fluchtwege, Treppenhäuser, Fahrstühle und ein Brandschutz, mit dem wir – im Gegensatz zu Herrn Wowereit lieber keine Betriebsgenehmigung beantragen wollen.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, aber das wird nur zu einem führen: daß es zerfällt. So, wie es gebaut ist, kann es nicht mehr genutzt werden.

Was brauchen wir in Nürnbergs Westen? Ohne lange darum herum zu reden: Nichts, aber auch gar nichts würde Nürnbergs Westen solchen Auftrieb geben wie eine Universität. Junge Menschen aus ganz Deutschland und dem Ausland würden hierher kommen, hier leben, hier wohnen. Und das sind – aus der Sicht der Stadtentwicklung – nicht gerade die schlechtesten, sondern mit die besten, die eine Stadt sich nur wünschen kann.

Die Stadtteile im Westen würden davon sehr profitieren. Mit seiner dichten Wohnbebauung, den relativ niedrigen Mieten, der nahezu perfekten Verkehrsanbindung (vorausgesetzt, die Fürther Straße bleibt zweispurig), ist dieses Gebiet geradezu prädestiniert für die Ansiedlung einer Uni.

Nun haben wir mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bereits die Uni in der Stadt, und mit der Geog-Simon-Ohm eine hochangesehene technische Hochschule. Die FAU allerdings krankt an einer gewissen Gewichtsproblematik: sie ist in Erlangen gewaltig vertreten, in Nürnberg aber mit der WiSo, der EWF und dem Konservatorium nur mäßig präsent. In Erlangen platzt sie aus allen Nähten, aber es fahren jeden Tag Tausende von Studenten, die in Nürnberg wohnen, zu ihren Vorlesungen nach Erlangen.

Nun kann es nicht gut nachbarschaftliche Politik sein, wenn wir versuchen würden, den Erlangern etwas wegzunehmen. Auch dann nicht, wenn es Erlangen sehr gut geht – und das ist der Fall. Nun wird aber die FAU weiter wachsen. Unis werden immer wichtiger, und es entstehen neue Studiengänge. Besonders im Bereich der Energien ist hier ein großes Wachstum gegeben. Die meisten Studiengänge, die zum Ingenieur führen, sind von besonderer Wichtigkeit für unsere Volkswirtschaft und daher auch für unser Bildungssystem. Es konnte nun, wie zu hören ist, erreicht werden, daß die FAU damit einverstanden ist, daß neue energiebezogene Lehrstühle nicht in Erlangen, sondern in Nürnberg angesiedelt werden.

Hier nun kommt das Quelle-Areal ins Spiel. Wo, wenn nicht dort? Die U-Bahn vor der Tür, die S-Bahn hinter der Tür, den Frankenschnellweg um die Ecke, unmittelbar an der Fürther Straße gelegen, inmitten eines sowohl für Studenten als auch für Hochschullehrer und andere Beschäftigte reizvollen Umfelds: es paßt perfekt.

Nur eines paßt vorne und hinten nicht: das Gebäude. Und auch hier gilt es nun, nicht darum herum zu reden: es muß weg. Sein architektonischer Wert ist dann nicht mehr relevant, wenn es keinen Nutzwert mehr hat. Es kann nicht Aufgabe der Stadt Nürnberg sein, ihr Vorkaufsrecht auszuüben, um ein Objekt zu erwerben, dessen Sanierung ohne Abriß etwa ein Drittel des gesamten Nürnberger Jahreshaushalts (!) verschlänge.

Wenn das Quelle-Gebäude abgerissen wird, dann ist Platz für eine Uni, für Studentenwohnungen, für „normale“ Wohnungen und für viel Grün. Der Freistaat wird, so ist zu hören, die erforderlichen Investitionen zu einem Gutteil stemmen. Die laufenden Kosten sind die gleichen – ob die Uni nun in Erlangen oder in Nürnberg wächst.

Erlangen braucht diese neuen Lehrstühle nicht; für Nürnberg sind sie von enormer Bedeutung. Erlangen platzt aus allen Nähten, in Nürnberg ist auf dem Quelle-Areal Platz vorhanden. Platz, der gegenwärtig quasi nicht genutzt wird. Der Freistaat ist handlungsbereit und willens, diese enorme Aufgabe zu schultern.

So bleibt zu hoffen, daß diesmal nicht die spießige Skepsis, die Angst vor großen Vorhaben und das bräsige „Weiter wie bisher“ die öffentliche Diskussion zu ersticken suchen, sondern daß mit Gestaltungskraft ein Vorhaben begonnen wird, das dem Nürnberger Westen einen Aufschwung geben wird, wie er seinesgleichen noch nie hatte.
André Freud

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